Wirklich große Hits konnte Alicia Silverstone trotz ihres „Clueless“-Erfolgs nicht verbuchen und so ist auch „Eve und der letzte Gentleman“, den Brendan Fraser wohl als kleine Auszeit zum Mumienjagen mitnahm, auch nur ganz nett.
Dabei ist die Ausgangsidee recht amüsant: In den Zeiten der Kubakrise baut der exzentrische Forscher Calvin (Christopher Walken) für sich, seine Frau Helen Webber (Sissy Spacek) und seinen ungeborenen Sohn Adam einen Atomschutzbunker. Als ein Flugzeug auf das traute Heim fällt, verkriecht sich die Familie im Bunker, das Zeitschloss geht zu und man sitzt für 35 Jahre dort fest. Kurz darauf wird Adam geboren und im Geiste der 60er erzogen, während das Leben oben ganz normal weitergeht.
Nach rund 35 Jahren öffnen sich die Türen und Adam (Brendan Fraser) soll Vorräte besorgen. Mit seiner naiven, kindlichen Art und seiner 60er Jahre Erziehung eckt er natürlich oft an. Dabei trifft er auch auf die quirlige, chaotische Eve Rustikoff (Alicia Silverstone) und verguckt sich alsbald in die abgeklärte Frau…
„Eve und der letzte Gentleman“ gehört zu den Liebeskomödien, die zwei total gegensätzliche Partner aufeinander loslässt, hier also das quirlige 90ies Girl und das 60 Jahre Relikt. Insofern verkommt die Backgroundstory um den Bunker und Adams Eltern schnell zum Beiwerk und als Rechtfertigung dafür, dass sich Adam stets mit unzeitgemäßer Ader verhalten darf. Auch sonst ist die Geschichte nicht unbedingt originell: Eve lehnt Adam erst ab, will ihm aber helfen Vorräte zu beschaffen und rafft dann kurz vor Schluss, dass Adam doch goldrichtig ist, heissa wie innovativ.
Zudem stimmt die Chemie zwischen Adam und Eve (trotz des Wortspiels mit ihren Namen) nie so recht, denn er ist trotz seiner kindlichen Allüren immer komplett sympathisch, wenn er eine flotte Tanzeinlage aufs Parkett legt, stets überfreundlich ist oder sich auf wahre Gentleman-Art boxt. Sie im Gegensatz ist die meiste Zeit über quengelig, unselbstständig und etwas überheblich und wird erst gegen Ende so sympathisch, dass man überhaupt so halbwegs verstehen kann, was Adam an ihr findet. Da fehlen die magischen Momente zwischen den beiden einfach, um den Film so wirklich romantisch zu gestalten.
Dafür kann „Eve und der letzte Gentleman“ auf humoriger Seite durchaus punkten. In den Bunkerszenen darf herzhaft gelacht werden, denn Adams Eltern sind als Comedic Sidekicks eine echte Bereicherung für den Film. Adams ständige Zusammenstöße mit dem modernen Leben hingegen sind ganz nett, aber wiederholen sich nach einer Weile doch etwas. Dafür wird der Film dann wieder witziger, sobald Eves schwuler Mitbewohner mitmischt und ein paar Sprüche klopft, welche die ganze Chose wieder auflockern.
Auch auf schauspielerischer Seite ist „Eve und der letzte Gentleman“ ganz ordentlich gelungen. Fraser gibt den liebenswerten Naivling und Silverstone die Chaotin, beides keine großen Herausforderungen, doch von beiden gut gemacht. Dafür sind die Nebendarsteller hier Gold wert, vor allem Christopher Walken und Sissy Spacek als leicht verschrobenes Ehepaar mit kleinen Macken und Dave Foley als besagter Mitbewohner Eves.
Bleibt unterm Strich eine durchaus beschwingte Romantikkomödie mit guten Schauspielern und ein paar netten Gags, aber kaum erinnerungswürdigen Momenten und einem ausgelutschten Plot. Passable Unterhaltung, die man aber recht schnell wieder vergisst.