Mal wieder ein unglücklich eingedeutschter Titel: "Eve und der letzte Gentleman" läßt irgendwie auf Romantik hoffen, dabei ist der Film zeitweise eine nette Satire auf die Unterschiede in den Werten von 1960 und heute. Aber "Blast from the Past" war auch wirklich schwer zu übersetzen - und auch nicht so treffend.
Leider ist der fertige Film dann ähnlich unentschieden geraten. Zwar ist da einiges amüsantes Potential zu finden, nur wechselt der Film ständig die Richtung, als wäre er zu vorsichtig, um sich für eine Richtung zu entscheiden.
Am Anfang steht die Satire, wenn sich Christopher Walken und die hochschwangere Sissy Spacek in dem Irrglauben, der sowjetische Erstschlag stehe unmittelbar bevor, für 35 Jahre in ihren hochtechnisierten Gartenbunker zurückziehen, wovon jedoch keiner weiß, da ihr Haus kurz danach von einem Flugzeugabsturz zerstört wird und man sie tot wähnt. In der Isolation wird der Sohn geboren und wächst zu einem jungen Mann heran, der abseits aller schädlichen Einflüsse mit 35 dann wie Mitte/Ende 20 aussieht (ja, klar!) und irgendwann auf Nahrungskauf gehen soll.
Der naive, aber freundliche Tropf stellt sich ziemlich blöd an, aber die nette bis knatschige Eve (Alicia Silverstone im Autopiloten-ich-bin-ein-nöliges-Girl-Modus) rettet ihn und seine superwertvollen Baseballkarten.
Von da an rutscht der Film dann von den Schienen, reiht ein paar Forrest-Gump-Albernheiten aneinander und mündet in einer Suche nach einer paarungsbereiten, gesunden Ehefrau, die letztendlich natürlich doch Eve wird.
Ganz zum Schluß erinnert man sich dann wieder der Eltern und inszeniert das Happy-End so wohlerzogen zuckersüß, daß man glatt Karies bekommen könnte.
Natürlich ist das nett, was die Macher hier zusammenproduzieren, aber irgendwann werden die immer neuen Entdeckungen unseren niedlichen Helden (Brandon Fraser spielt den weltfremden Naivling mit reichlich Freude) doch etwas langatmig; wissen wir allmählich, daß die Manieren der 60er heutzutage ein Riesenknüller sind.
Ergo zählt man die Minuten, bis die widerborstige Eve endlich eingesehen hat, daß das doch der richtige für sie ist (bei all den falschen, die sie hatte) und man macht es dann auch gar nicht zu kompliziert, die Liebenden wieder zusammenzubringen: sie fährt ihn suchen und er läuft auf der Straße an ihr vorbei.
Da geht dann fast verloren, daß Walken eine seiner schrägsten Performances seit Jahren bringt und Spacek klasse ist als Ehefrau, der die 35 Jahre Isolationshaft arg zugesetzt haben und die sich an der Realitätsangst ihres Mannes kaum noch beruhigen kann, als der ihr vorschlägt, den Bunker wieder zu versiegeln.
Rückblickend ist "Eve..." nette Videothekenware, die sympathisch aber hoffnungslos zerfahren daherkommt und mit dem Prädikat "nett" gut bedient ist. (5/10)