Lucio Fulci war ein einzigartiger Regisseur, der heute leider nur noch mit seinen späteren Zombie- und Splatterfilmen in Verbindung gebracht wird.
Dabei war er in fast jedem Genre zuhause und schuf so das ein oder andere Highlight. Ende der 50er, Anfang 60er drehte er Komödien mit dem kommenden italienischen Superstar Adriano Celentano, lieferte mit Tempo Di Massacro ( Django-Sein Gesangbuch War Der Colt) einen der besten Django-Filme ab und ließ auch unseren Heinz Rühmann als Kardinal Braun würdevoll aussehen.
Una sull'altra (auch Perversion Story) geht nun wieder in eine ganz andere Richtung. Hier bietet sich dem Auge ein optisch vorzüglich fotografierter Psycho-Thriller mit so einigen-wenn auch manchmal nicht ganz überraschenden-Wendungen, der einen bis zum Finale zu fesseln vermag.
In einer Doppelrolle präsentiert sich die Österreicherin Marisa Mell (siehe auch Mario Bavas aberwitzigen Diabolik !) einmal als bemitleidenswerte und betrogene Ehefrau und dann wieder als lasziver und Erotik versprühender Vamp. Eine Leistung, die man der Anfang der 90er Jahre leider sehr früh verstorbenen Darstellerin aufgrund ihres häufigen Einsatzes gerade in letztgenannter Rolle evtl. gar nicht zugetraut hätte.
Fulci hat sich schon immer von erfolgreichen Produktionen beeinflussen lassen, das Grundthema übernommen, sich zu eigen gemacht, um es dann auf seine ganz persönliche Weise mit markanter Handschrift zu interpretieren. So finden wir auch hier zunächst ganz deutliche Anleihen an Suspense-Meister Alfred Hitchcock, auch wenn der Film dann eine andere Spur einschlägt.
Ein paar Jahre später wird der Italiener sich-zumindest qualitativ herausragend-an die gerade aufgekommene Gialli-Welle anhängen. Seine eigentlichen großen Erfolge liegen aber noch weiter in der Zukunft, die ihm schließlich den einseitigen Ruf des Splatter-Papstes einbrachten. Und da diese Horror-Filme nun endlich auch kommerziell erfolgreich waren, blieb er auch dabei. Wem kann man das nach mehr als 20 Jahren Arbeit verdenken?
Hier ist von alledem natürlich noch nichts zu spüren. Und wer einen Lucio Fulci etwas neu kennenlernen will, der sollte unbedingt einen Blick auf seine früheren Werke werfen. Ansonsten würde man einem der innovativsten, intelligentesten und interessantesten Filmemachern Unrecht tun.
Einen sehr guten Beweis dafür liefert eindeutig vorliegender Una sull'altra. Der fantastische Jazz-Soundtrack und sehr gute Darstellerleistungen von Jean Sorel und Elsa Martinelli tun ihr Übriges. Unbedingt empfehlenswert!
8 / 10 Punkte