Review

Der neue Ulrich Seidl Film PARADIES: LIEBE hat mir wirklich sehr gut gefallen.
Irgendwas zwischen skurrilem Humor und bösester Realkritik.
Das Lachen blieb mir oft im Halse stecken und endete meist im leichten Kopfschütteln.
Heftig schon die Einstiegsszenen mit den geistig Behinderten im Autoscooter.
Da schaut man ja gerne weg, aber hier merkt man sofort, dass Ulrich Seidl am Start ist. Da geht's schonungslos weiter. Hier SOLL die Welt hinsehen.
Die dicken, mittelalten, frustrierten Weiber, die nach den jungen knackigen Männern lüsten...
Die sich auch so feilbieten und genau sagen, was die fettleibigen Damen hören möchten: Ich liebe dich wirklich...
Um später dann doch ums Geld zu bitten.
Zuerst um den Finger wickeln, dann auf alle möglichen Arten versuchen ans Ziel zu kommen.
Und die Leichtgläubigkeit der Damen, sie kriegen zu hören, was sie hören wollen.
Zuerst fand ich die farbigen Lover ganz furchtbar verbrecherisch und unsympathisch, weil sie die "arme" Hauptdarstellerin so um ihr Geld betrügen wollten. Klar, so funktioniert der Sex-Tourismus. Dann aber der Wechsel, wo mir wiederum die "armen" abgezockten Damen wieder unsympathisch wurden. Wer ist hier Täter und wer Opfer? Das verfloß im Seidl Film glänzend.
Irgendwie sollten sich alle scheiße fühlen, auch die Zuschauer im Kino.
Sehr bewegend. Großes anspruchsvolles Kino. Als Künstler sollte man nicht weniger vorhaben, als die Welt zu verändern: Hier ist Ulrich Seidl am Start!
Großartiger Künstler und Regisseur! Den Finger in die Wunde legen.

Interessant fand ich auch, wie oft im Kino gelacht wurde, wenn zum Beispiel die Handtücher in der Frühe auf die Liegen am Pool gelegt wurden,
in der nächsten Einstellung die fetten Touristen, schweißglänzend und eingecremt in der Sonne liegend...

Aber das entspricht ja wirklich der Wahrheit. Die fetten dekadenten "Besatzer", die ihre Vormachtstellung auch ausnutzen. Sie haben das Geld, daher glauben sie sich alles leisten zu können. Das Bild des "hässlichen" Deutschen kommt nicht von ungefähr. Oder des "hässlichen" Österreichers, in diesem Fall.
Ok, die Menschen gestern im Kino, die einen Uli Seidl Film ansehen, sind
wohl nicht so gefährdet so zu werden. Aber der große Rest...

9 vom 10 Punkten!!

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