Review

Fulcis Mittelalter ist skandalös gut! 

„Beatrice Cenci“ ist Lucio Fulcis Historienepos über einen der berühmtesten Mordfälle aller Zeiten in Italien - zwischen schönen Frauen, menschlichen Gräueltaten, Schauerromantik, Männerschweiss, der scheinheiligen Kirche und Folterstafetten, die ihresgleichen suchen… 

Verflucht, verhext, verteufelt

Politisch, eklig, hart. Dramatisch, kitschig, böse. Fies, famos, verschachtelt. „Beatrice Cenci“ zeigt Fulci und das italienische Historienkino von seiner erbarmungslosesten und besten Seite. Dreckig und düster, undurchschaubar und eher zum Fühlen als zum Verstehen. Mit etlichen Themen und Kritiken an Kirche, Stadt und Gesellschaft, die ganz klar dem „Kino der Anklage“ zuzuordnen sind und locker auf das Italien der späten 60er übertragbar sind/waren. Das mag nicht bei jedem gut angekommen sein, aber Fulci hat es bekanntlich noch nie an Eiern gefehlt. Dennoch wird er zu unrecht (wie schon oft erwähnt) auf seine Zombieepen begrenzt, was ein interessanter und beachtlicher Film wie „Beatrice Cenci“ mit Nachdruck widerlegt. Den Mann, den Regisseur, sollte niemand unterschätzen und in eine bestimmte Schublade packen. Selbst wenn es auch in „Beatrice Cenci“ fiese Foltereien und Goremomente gibt. Dennoch ist diese Geschichte wichtiger und weitreichender als ein reiner Schocker und Brutalo. Alles wirkt authentisch, harmonisch und sinnig. Die äußerst chice Blu-Ray der „Italian Collection“ von 88 Films aus UK kann man uneingeschränkt empfehlen und wird auch dem visuellen Impact dieses unverwechselbaren Werkes gerecht. Adrienne Larussa ist traumhaft hübsch, ihre Figur bleibt aber den ganzen Film über die Enigma und Mysterium, was sie noch interessanter und verführerischer macht. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, „Beatrice Cenci“ ist ein verkannter Klassiker des italienischen Sandalen- und Folterfilms. Prachtvolle Kulissen und Kostüme obendrauf. Ätzende Schweißtropfen. Anbetungswürdig schön zum Großteil. Und doch abstoßend und barbarisch. Sensationell und eine Wiederentdeckung wert! 

Rehaugen am Galgen

Fazit: vielleicht Fulcis Bester außerhalb von Glockenseilen, Schreckensinseln und Friedhofsmauern. Diese zum Tode geweihte Schönheit ist hypnotisch, schwitzig, hart. Eine echte Watsch'n für die Kirche - und für jeden, der meint, Fulci kann nur Gedärms und Gore!

P.S.: dem reißerischen deutschen Titel muss man eher ein Schmunzeln, keine Aufmerksamkeit schenken! 

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