Review

"Ist es jetzt heiß genug für dich, blöde Hexe?"

In ihrer Kindheit sind die Geschwister Hänsel (Jeremy Renner) und Gretel (Gemma Arterton) knapp dem Tod entronnen, als sie Gefangene bei einer Hexe waren. Anstatt ihnen landete die Hexe in einem Ofen und verbrannte.
Nach Jahren haben sich die beiden einen Ruf als professionelle Hexenjäger erarbeitet. Als in Augsburg mehrere Kinder verschwinden, werden sie engagiert um die in den Wäldern lebenden Hexen aufzuspüren und zu töten. Bei ihren Ermittlungen treffen sie auf die außergewöhnlich starke Hexe Muriel (Famke Janssen) und werden mit einem unangenehmen Teil ihrer Herkunft konfrontiert.

Die klassischen Märchen sind out. Modernisierung ist angesagt. Bereits Rotkäppchen sowie Schneewittchen haben sich in den letzten Jahren dieser Devise unterordnen müssen. Herausgekommen sind mehr oder minder gute Filme, die auf eine Massenpublikum setzen.
"Hänsel und Gretel: Hexenjäger" ist da eher ein Exot. Denn die Umsetzung ist eine grimmige Horrorkomödie mit Splatterelementen, die selbst den nicht gerade zimperlichen Gebrüdern Grimm ordentlich den Marsch bläst.

Das Intro stellt die Brücke zwischen dem klassischen Märchen und der modernen Variante dar. Zu Beginn verschlägt es die beiden Protagonisten, wie gewohnt, als Kinder in das zuckersüße Hexenhaus, wo sie sich einer Hexe erwehren. Die düstere Atmosphäre entspricht dabei noch am ehesten dem, was man im Kindesalter gern erzählt bekommt.
Danach ändert sich der Stil jedoch schlagartig. Die herangereiften Protagonisten stellen sich in schwarzer Montur mit Hilfsmitteln wie automatischen Armbrüsten und speziellen Gewehren vor. Ihr Auftreten ist lässig, ihre Möglichkeiten übermenschlich. Aus dem schaurigen Intro wird also schnell ein comichafter Actionfilm.

Weder Handlung noch Charaktere sind hier der Rede wert. Oberflächlich und klischeehaft bewegt sich "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" zielgerichtet von einer Actionszene zur nächsten. Außer der angenehm konsequenten Umsetzung, gibt es hier keine Überraschungen.

Die Gewalt erreicht mitunter Splatterniveau. Da wird schonmal jemandem der Körper an Armen und Beinen auseinandergerissen. Allerdings scheint bei aller Härte immer wieder ein ironisches Augenzwinkern durch und die Brutalität geht in ihrer comichaften Überspitzung eher selten an die Nieren.
Mit einigen interessanten Ideen, versucht "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" für Abwechslung zu sorgen. Dies gelingt zwar soweit, allerdings liegt ein anderer Schatten über der Präsentation: Die hektische Kameraführung. Die Schnitte erfolgen ungünstig, die Kamera ist zu nah am Geschehen oder verursacht in anderer Form eine dauerhafte Unübersichtlichkeit. Dies ist insofern schade, da die digitalen Effekte etwas hergeben.

Das Potential der Darsteller wird verschenkt. Jeremy Renner ("The Town - Stadt ohne Gnade", "Marvel's The Avengers") sowie Gemma Arterton ("James Bond 007: Ein Quantum Trost", "Prince of Persia: Der Sand der Zeit") haben einzig die Aufgabe sich lässig und stark zu präsentieren. Famke Janssen ("X-Men"-Reihe, "96 Hours"-Reihe) und Peter Stormare ("The Last Stand", "8mm - Acht Millimeter") können ebensowenig Akzente setzen.

Mit Weihwasser und Minigun auf Hexenjagd. Klingt spannend, geradezu kultig. Das Szenario hätte eine längere Beständigkeit verdient. Der kurzweiligen Mischung aus Action, Fantasy, Horror und Funsplatter mangelt es aber an Inhalt und Seele. Und auch die unübersichtlichen Actionszenen und übermäßig coolen Darsteller hätten eine Generalüberholung verdient. Somit bleibt "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" ein angenehm düsteres Märchen, das man mal schauen kann, aber nicht muss.

6 / 10

Details
Ähnliche Filme