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Auf allen Viren


Aus dem Schatten und den Fußstapfen eines berühmten Daddys herauszutreten, ist in keiner Branche und keinem Teil des Lebens leicht, da ist das Filmgeschäft keine Ausnahme, sodass etliche Nachkömmlinge berühmter, prägender Gestalten nicht in dieselbe Richtung gehen, wie ihre Eltern. Brandon Cronenberg ist da das komplette Gegenbeispiel - er arbeitet nicht nur wie sein legendärer Vater als Regisseur, er bedient bisher sogar genau dieselbe Sparte, für die der Name Cronenberg schon lange weltberühmt und enorm angesehen ist: Bodyhorror! „Antiviral“ war vor nun schon fast 8 Jahren sein Langfilmdebüt - und ist eine sehr beeindruckende Sache, bei der es mich wundert, warum die (auch ganz ohne Zusammenhang zum Vati) keine viel breiteren Wellen geschlagen hat, warum wir bis zu diesem Jahr warten mussten, um mit dem ebenso eindringlichen „Possessor“ ein Zweitlingswerk des talentierten Sohnemanns zu sehen bekommen...

„Antiviral“ passt doppelt und dreifach in die aktuelle Zeit und erzählt von einer futuristischen, aber nie allzu fernen Welt, in der (u.a.) mit den Viren, Bakterien und Krankheiten von Prominenten gehandelt wird - sodass man als „Superfan“ und Normalo nun sozusagen einen echten Teil seines Idols in sich aufnehmen kann, selbst wenn dieser mit Fieber, Ausschlag oder gar Tod einhergeht... Was für eine fiese, grenzgeniale Idee zwischen Satire und Horror, was für eine faszinierende und gleichzeitig abstoßende Welt! „Antiviral“ stößt mit Anlauf in die Wunde der ungesunden Promiverehrung, trägt seine Ideen auf der Stirn und greift das momentan unumgängliche Thema „Viren“ mal von einer ganz anderen Seite auf. Richtig gut! Caleb Landry Jones spielt einmal mehr richtig stark auf, ist eh einer der unterschätztesten Darsteller seiner Generation. Zudem ist der messerscharfe, klinisch reine Stil gemischt mit ekelhaftem, künstlichen gezüchtetem Muskelgewebe und wie Nischenparfum präsentierten Virensträngen einfach eine kreative Augenweide, bei der man gleichermaßen staunt und sich schüttelt. Da kann Cronenberg Senior, der sich ja mittlerweile von solchen fleischlichen Exzessen recht weit weg begeben hat, ziemlich stolz sein. Sein Einfluss ist auch in seiner eigenen Familie unverkennbar, doch Brandon hat das Zeug dazu, diesen speziellen Stil, diese mehr als interessanten Denkansätze einer ganz neuen Generation zugänglich und schmackhaft zu machen. Da verzeihe ich fast, dass „Antiviral“ in seiner zweiten Hälfte etwas auf der Stelle tritt und mich manchmal verlor, die Kernstory nur einen Bruchteil so gut ist wie die vielen Ideen, das Design, der unter die Haut gehende Horror und das World Building.  

Fazit: ganz der Papa! Klasse Idee, stylische Umsetzung, ziemlich weird und absolut faszinierend - „Antiviral“ hat genug zu sagen und ist futuristisches Bodyhorrorkino von einem möglichen zukünftigen Meister. Wetten? Guter Stoff! 

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