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Pechschwarzer englischer Humor trifft auf Malicks Badlands bzw. auf Stones Natural Born Killers. Chris (Steve Oram), ein verhinderter Schriftsteller in kreativer Schaffenspause namens Langzeitarbeitslosigkeit und Tina (Alice Lowe), ein verhuschtes Nesthäkchen mit einem Diplom in Hundepsychologie machen einen Ausflug durch das ländliche England. Vor allem für Tina eine passende Gelegenheit sich von ihrer herrischen Mutter abzunabeln, die ihr die Schuld am unglücklichen Ableben des Familienhundes „Poppy“ gibt. Mit dem Wohnwagen im Schlepptau fahren sie nun die Provinzidylle um eine titelgebende Sightseeingtour zu machen. Es vergeht nur wenig Zeit und ihr Wohnwagen wird blutbesudelt. Zunächst kann man noch mit viel guten Willen an einen Unfall glauben, doch mehr und mehr entpuppt sich Chris als ein von Sozialneid zerfressener Soziopath und Gelegenheitsmörder. Tina, anfangs noch verblüfft beginnt kurz darauf sich abstruse Rechtfertigungen für die Taten ihres Geliebten zurechtzuzimmern („…so Murder is  green“) nur um gleich darauf selbst der Verlockung des Tötens zu erliegen.

Will man den etwas mangelhaften Vergleich von oben noch einmal bemühen und erweitern, böten sich John Waters Bad-Taste-Wundertüten an. Regisseur Ben Wheatley (Kill List) lässt keine Gelegenheit aus um tiefe Obszönitäten, sinnlose Gewalt und den schlechten Geschmack zu zelebrieren. Die Morde von Chris und Tina erhalten durch ihre nichtigen Anlässe etwas verstörend profanes, dass auch mal das Gelächter auf halber Strecke abwürgt. Spätestens nach den ersten Erklärungsversuchen, die sich schlicht aus Eifersucht, Neid und bloßen Trotz zusammensetzen, wendet sich der geneigte Zuschauer mit Grausen von diesen Figuren ab. Aber auch hier beginnt man zu merken, dass Sightseers keine übliche Komödie ist, die sich den Zusatz „schwarz“ aus reiner Schicklichkeit zulegt, sondern diesem mit zutiefst galligem Humor und herrlich vulgären, abstoßenden Figuren Rechnung trägt.

Oft geschieht es nicht, dass ein Film die „Tradition“ von Werken wie Female Trouble, Meaning of Life oder zuletzt Adams Äpfel fortführt und auch nicht davor zurückschreckt, mit seinen grotesken, zynischen und blutigen Szenen zu verstören als auch gleichzeitig mit unwiderstehlichem, fast liebenswertem Charme zu amüsieren. Sightseers gelingt dies mit Bravour indem er bestialischen Mord aus Minderwertigkeitskomplexen, selbstgehäkelte Reizwäsche, einen ungelösten Mutter-Tochter-Hund-Konflikt und dreckigen Wohnwagensex in geradezu gelassener Manier zusammenfügt. Am Ende darf noch von Holly Johnson The Power of Love angestimmt werden und irgendwie, bei allem Sarkasmus und der Ironie dieser Szene(n), ist man geneigt dem doch irgendwie zu glauben.

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