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Lucio Fulci lässt aus dem Jenseits mit "Über dem Jenseits" grüßen, wenn ein Gebäude auf den Toren zur Hölle im Fokus steht. Regisseur Joe Raffa und Autor Harrison Smith hatten zweifelsohne eine gute Grundidee, eine Touristenattraktion in Form eines Horror-Hotels in den Fokus zu rücken, doch um das Drumherum haben sie sich nahezu keine Gedanken gemacht.

Diverse Schicksale sind mit dem Hotel des Horrors verknüpft, welches Jack bald in Betrieb nehmen will: June hat mediale Fähigkeiten und leidet unter einem Kindheitstrauma, Okkult-Reporter Eric kann den Tod seiner Schwester nicht verarbeiten, während Cop Hansen ständig Jugendliche niedermacht...

Raffas unbeständige Erzählweise macht es einem von Beginn an schwer, überhaupt einen roten Faden zu finden, da gleich mehrere Handlungsstränge ohne jeweilige Einleitung in die Runde geworfen werden. Demnach fallen Figurenzeichnungen völlig flach, man baut zu keiner Figur eine Nähe auf und es benötigt eine ganze Weile, bis sich herauskristallisiert, dass ein Parapsychologe (Corey Feldman) im Gespräch mit einem Deputy lediglich die Rahmenhandlung bildet und alles andere Vergangenheit sein muss.

Der dramaturgische Totalausfall dürfte sich etappenweise ereignet haben, denn anders lässt sich das erzählerische Chaos kaum erklären. Wahrscheinlich wurden Szenen relativ planlos abgedreht und im Nachhinein genauso konzeptlos aneinandergereiht, wobei besonders im ersten Drittel kaum eine Konstellation der Figuren auszumachen ist. Immerhin schafft es das Drehbuch, den finsteren Cop sehr schnell zu verachten und Sympathie für eine ältere Frau aufzubringen, welche als Medium okkulte Requisiten gehortet hat und für einen winzigen Augenblick ein wenig Emotionalität ins Spiel bringt.

Entsprechend kommt lange Zeit keine Spannung auf, Maske und Make-up sind zwar okay, doch die wenigen Effekte können bis zum letzten Drittel kaum bis gar nicht beeindrucken.
In der letzten Viertelstunde, pünktlich zur Eröffnung des Hotels, wird allerdings urplötzlich an der Temposchraube gedreht, weshalb eben die Idee nahe liegt, dass das Geisterbahntreiben im Hotel die Grundidee war: Besucher werden von allerlei maskierten Gestalten attackiert, June absolviert einen Spießroutenlauf durchs Gruselkabinett, während mehrere Gimmicks an Pendants der Achtziger erinnern, einschließlich einiger Kostüme und Verhaltensweisen.

Nicht, dass der Showdown den Streifen retten würde, denn dieser bleibt im Gesamtbild genauso fragwürdig wie die rotzgelbe Haarpracht von Corey Feldmann, der als einer der wenigen Mimen so halbwegs überzeugen kann, obgleich seine elektrische Zigarette einfach nur blöde aussieht. Die Erzählung wirkt konzeptlos und willkürlich, Atmosphäre und Splatterszenen sucht man weit und breit vergebens und auch wenn der Showdown einigermaßen unterhält, verändert sich dadurch der Gesamteindruck lediglich von "sehr schlecht" zu "schlecht".
Sechs Stufen bis zur Hölle, aber nur zwei Stufen vom Bodensatz übelster Horrorfilme entfernt...
3 von 10

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