Review

Zu diesem Film muss ich eine kleine Anekdote erzählen: Ein paar Freundinnen und ich suchten in der Videothek nach einem Film, welcher unser aller Geschmack treffen sollte. Ich war natürlich für "Düstere Legenden 2" (oder etwas Ähnliches aus dem gleichen Genre), besagte Freundinnen bevorzugten aber lieber einen "softeren" Film. Sie entschieden sich schließlich für "Kick It Like Beckham", da sie etwas zu Lachen sehen wollten und ich segnete es ab, da es um Fußball ging.
Schlechte Idee, denn irgendwann hörte ich (gegen Ende des Films) einen abwertenden Kommentar wie in etwa "Das ist ja überhaupt nicht mehr lustig... !". Dem kann ich nur zustimmen. Ist der Film anfangs noch lustig, ertrinkt er irgendwann schlicht in Pseudo-Problemchen und am Ende kommt natürlich wieder die ausgelutschte Moral-Frage "Familie oder Karriere" - wenn auch etwas anders als sonst.

Dabei ging "Kick It Like Beckham" doch so gut los: Inderin Jess ist 17, steht kurz vor ihrem Abschluss und - steht auf Fussball. Wo andere Mädchen gleichen Alters Poster von nackten Jungs an die Wand gehängt haben prangt bei ihr David Beckhams ManU-Trikot. Gleich zu Beginn sieht man eine imaginäre Spielsituation wo Jess zusammen mit Beckham und Paul Scholes bei ManU spielt und nach Beckham-Flanke ein Tor erzielt. Als ihre Mutter dann das Zimmer betritt und fragt, ob sie schon wieder diesen "Skinhead-Bengel" anhimmele (Beckhams Glatzen-Frisur von 2002), konnte ich nicht mehr vor Lachen.
Ihre gläubigen Inder-Eltern sehen es natürlich gar nicht gerne, dass sie anderen Männern "ihre halbnackten Beine" zeige und wollen sie endlich von dieser Ballsportart als Hobby abbringen.
Als Jess im Park dann Jules (ungewohnt flachbrüstig: Keira Knightley) über den Weg läuft und diese sie fragt, ob sie nicht in einer Fußballmannschaft für Mädchen mitspielen wolle, ist es um Jess geschehen. Allerdings gefällt das ihren Eltern gar nicht, was zu zahlreichen Komplikationen führt, deren Unterhaltungswert und Witzigkeit leider stets nach unten sinken.

Eine am Anfang äußerst erfrischende englische Komödie über Frauenfußball wandelt sich zum zähen Teenie-Problemfilm - und der ist leider nur noch geringfügig lustig. An dieser Stelle kann man den beiden sympathischen Hauptfiguren nicht genug danken, denn ohne diese beiden charmanten und charismatischen Fußball-Mädels wäre "Kick It..." richtig abgestürzt.
Die Regie ist soweit ok, ich hätte mir aber noch ein paar besser choreografierte Szenen aus den Spielen gewünscht mit mehreren Kameras und anderen Gimmicks wie eben bei realen Spielen.
Leider hat es der Location-Scout nicht geschafft, dass die gedrehten Spiele auf einen berühmten Rasen stattfinden konnten - das wäre wirklich noch einmal ein Pluspunkt gewesen.

Na ja, und nun noch zum Culture-Clash: das Thema, dass 2 fast gegensätzliche Kulturen aufeinander prallen ist mittlerweile ziemlich abgenutzt, auch wenn es hier so farbenfroh wie selten in Szene gesetzt wurde. Die Story allgemein wagt sich durch alle Untiefen des Teenie-Films und ist letztendlich ziemlich vorhersehbar ebenso wie die banale Botschaft, dass Zusammenhalt das Spiel gewinnt.

Immerhin hat der Frauenfußball durch "Kick It..." ein kleines filmisches Denkmal bekommen. Auch wenn der Film höhere Ansprüche hat, spielt er aber letztendlich nur in der 2. Liga. Als nette Familienunterhaltung für einen "Sportschau"-freien Samstagnachmittag ganz ok, aber sicherlich kein Ersatz dafür. Nur die beiden jungen Hauptdarstellerinnen reißen es raus.

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