Parminda Nagra spielt einen Teenager aus einer britischen Familie mit indischen Wurzeln und hat den Traum, später einmal beruflich Frauen-Fußball zu spielen. Ihre Familie will sie jedoch in naher Zukunft verheiraten und ist der Auffassung, dass indische Frauen kein Fußball spielen sollten und beäugen zudem die Entwicklung der Beziehung zwischen ihr und ihrem Trainer, gespielt von Jonathan Rhys-Meyers, überaus genau, genauso, wie ihre beste Freundin, gespielt von Keira Knightley, die sich ebenfalls für den Coach interessiert.
"Kick it like Beckham" war wohl der Versuch von Gurinder Chadha, der in Kenia geboren wurde und sich schließlich in Großbritannien mit dem Leben asiatischer Einwanderer als Radioreporter beschäftigte, den britischen, oder allgemein den Zuschauern der westlichen Welt, das märchenhafte und farbenfrohe Kino Bollywoods näher zu bringen, aber der Versuch scheitert, auch wenn er Fans des Genres wohl gefallen wird.
Die Story ist wie bei allen Bollywood-Filmen viel zu naiv, um überzeugen zu können und macht so die in Grundzügen guten Ansätze zunichte. Prinzipiell ist es eine gute Grundidee, einen Film über die Integration und die Emanzipation eines indischen Mädchens in der westlichen Gesellschaft zu drehen und das Beispiel mit dem Fußballverein ist auch ordentlich gewählt, aber trotz ein paar kleinerer Probleme läuft die Handlung einfach so unglaublich glatt ab, dass sich die guten Ansätze in Luft auflösen. Die glatte Handlung hat natürlich weitere Probleme, so ergibt sich eine hohe Vorhersehbarkeit und damit langweilt der Film vor allem zum Ende hin über weite Strecken. Die Charakterkonstruktion ist ordentlich geworden und der fremden Kultur wird sicherlich mit Bedacht begegnet, aber auch dies geht in dutzenden Naivitäten und märchenhaften Wendungen unter.
Die Inszenierung von Chadha entspricht voll den Mustern diverser Bollywood-Filme und hat mit bunten Farben und einer guten Optik einen hohen Schauwert. Ansonsten ist sie aber eher schwach geworden. Zunächst einmal wäre ein schnelles Erzähltempo ganz gut gewesen, denn so kommt der Film mit vorhersehbaren Wendungen des Öfteren in den Leerlauf und langweilt vor allem zum Ende hin immer häufiger und aus demselben Grund ist auch der Spannungsbogen sehr niedrig. Chadha baut einige Gags in seinen Film mit ein, die aber auch nur teilweise zünden können und sorgt somit immerhin für gepflegte Langweile, für mehr aber auch nicht. Ob einem die indische Musik, die die ganze Zeit über eingespielt wird, gefällt oder nicht ist natürlich Geschmackssache, aber mir sagt sie überhaupt nicht zu. Es gibt dutzende gut choreographierte Filme über Football, Basketball und Baseball, aber kaum welche über die beliebteste europäische Sportart. Schade eigentlich, dass Chadha auch bei den Sport-Szenen keine gute Arbeit leistet und auch hier Potential des Films verschenkt.
Parminder Nagra spielt ihre Hauptrolle solide, kann sich aber auch nicht für weiter große Rollen empfehlen und so blieb die unauffällige Leistung in "Kick it like Beckham" die einzige in einem bekannteren Film in ihrer Karriere. Keira Knightley spielt nach ihrer ersten bekannteren Rolle in "The Hole" überzeugend und kann die Sympathie des Zuschauers geschickt auf sich ziehen und gibt also schon vor ihrem großen Durchbruch eine Kostprobe ihres Talents. Jonathan Rhys-Meyers ist wie schon so oft in seiner Paraderolle als charmanter und etwas undurchsichtiger Frauenschwarm zu sehen und bringt die Rolle sympathisch und überzeugend auf die Leinwand.
Fazit:
Die guten Ansätze um die Emanzipation eines indischen Mädchens gehen in diesem rundum naiven, märchenhaften und vorhersehbaren Film komplett unter und auch die guten Darsteller, die zahlreichen Gags und die farbenfrohe Inszenierung können nicht verhindern, dass der Film mit seiner hohen Vorhersehbarkeit immer mehr zu langweilen beginnt.
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