Von den Kritikern in den Himmel gelobt fiel der unkommerzielle Streifen an der Kinokasse gnadenlos durch. Dies schreckte mich jedoch nie davor zurück, den Film früher oder später unbedingt ansehen zu müssen, zumal Vinterbergs’ Dogma-Beitrag „DAS FEST“ ein cineastisches Highlight mit der Wucht eines filmischen Schlages in die Magengrube war.
Sein vorliegendes Werk „IT’S ALL ABOUT LOVE“ ist mehr als nur eine Liebesgeschichte aus der Zukunft. Der surreal angehauchte, facettenreiche Film stellt mit all seinen symbolischen Bildern und Ereignissen einen höchst anspruchsvollen Genre-Mix dar, der sich so harmonisch zusammenfügt, dass man weder auf das eher im Hintergrund stehende, erfrischend klischeelose Science-Fiction-Element, noch auf den teilweise poetisch wirkenden Plot über die Liebe verzichten kann.
Eindrucksvoll in phantastischen Bildern und Klängen getaucht beschreibt Thomas Vinterberg die Zukunft nicht mit technologischem Fortschritt, sondern zeigt die Entwicklung der Menschlichkeit auf eine Art und Weise, die sich schon heute erschreckend oft abzeichnet. Die Anonymität und Emotionslosigkeit, mit der viele Bewohner von Großstädten wie New York zu kämpfen haben, wird hier so ergreifend weitergesponnen, dass man schnell vergisst sich im Jahr 2021 zu befinden.
Aufgrund dieses beängstigenden Realismus erscheint die düstere Zukunftsvision von „IT’S ALL ABOUT LOVE“ gar nicht mehr so fernliegend.
Menschen die an gebrochenem Herzen sterben. Eine sehr pointierte Gesellschaftskritik an der inneren Verrohung der Menschheit – ähnlich groteske und subtile Elemente ist man ansonsten nur von Lars von Trier (besonders „Europa“ oder „Dogville“) gewohnt. Vinterberg wendet sich mit diesem Werk komplett von dem Dogma Manifest ab und wandelt stilistisch in den Fußspuren eines „unterkühlten“ Tim Burton, indem er ein Märchen für Erwachsene erschuf.Der Film überspielt dabei die durchaus vorhandenen Logikbrüche größtenteils mit seiner einzigartigen perfekt durchgestylten Bildersprache.
Obwohl am Ende zweifelsohne auch mehr Fragen offen bleiben, als am Anfang aufgeworfen werden beansprucht jedes einzelne Bild eine individuelle Perfektion für sich, jedes Detail eine enorme Bedeutung. Spätestens in diesen mysteriösen Momenten werden David Lynch-Fanatiker angesprochen, welche surreale Puzzleteile des Regie-Enfant terrible abgöttisch verehren (so wie ich ;-)
Insofern muss der Zuschauer letztendlich den Film als Ganzes auf sich wirken lassen, ohne sich dabei in Detailanalysen zu verstricken, denn diese Aufgabe scheint mir unmöglich zu bewältigen („LOST HIGHWAY“ lässt grüßen!!!).
Dennoch verstehen wir „IT’S ALL ABOUT LOVE“ als zukunftsvisionären Aufruf zu mehr Menschlichkeit und Nächstenliebe, ein Aufruf zur Abwendung von den Idealen der
modernen Konsumgesellschaft, in der der Mensch als Wertgegenstand angesehen wird und bei Bedarf jederzeit durch leistungsfähigere Klone ersetzt werden kann.
Wer sich fernab von Mainstream-Produktionen auch gerne mal auf außergewöhnliche, experimentelle Filme einlässt, ist hier genau richtig, denn auf ein Genre festmachen lässt sich dieses Kunstwerk nur schwer. Mit Elementen aus den Gattungen Thriller und Krimi, Fantasy und Love-Story entstand hier einer der innovativsten Filme der vergangenen Jahre.
Wunderschöne Bilder, tolle Darsteller und eine umwerfende Filmmusik machen diesen Film für alle Liebhaber der angesprochenen Werke und Regisseure zum Erlebnis.
(8 / 10)