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Oben ist oben und unten ist unten. Eigentlich ganz einfach und eben doch nicht. Denn aufgrund eines Experiments mit fatalen Folgen für die Schwerkraft ist der Abgrund der einen der Himmel für die anderen Bewohner. Oberfläche und Untergrund, aus diesen Welten treffen eines Tages die beiden Teenager Patema und Age aufeinander.

Die Grundidee ist außerordentlich interessant und bleibt im weiteren Verlauf des Films stets präsent. Das Spiel mit oben und unten, den verschiedenen Perspektiven und dem Wechsel zwischen diesen ist schön umgesetzt. Da dreht sich die Welt einfach mal auf den Kopf, um eben immer wieder die Betrachtungsweise der anderen Hauptfigur einzunehmen. Dass dabei der jeweils Anderen vorgeworfen wird „falsch herum“ zu sein, ist hier Teil des Konzepts, lässt sich die Geschichte auch als Metapher für die Akzeptanz des Andersseins begreifen. Dies wird glücklicherweise nicht mit dem Holzhammer eingetrichtert, sondern fließt angenehm in der Geschichte und der Welt selbst mit.

Leider ist nicht alles so gut ausgearbeitet. Die beiden Hauptfiguren Patema und Age sind noch soweit ausreichend charakterisiert. Beim eindimensionalen Antagonisten sieht es da schon anders aus. Man gesteht ihm zum Ausfüllen der Figur zwar faschistoide und religiöse Züge zu, das war's dann aber auch. Es braucht wohl einfach jemanden, der gegen das vom Publikum miterlebte Entdecken der Welt vorgeht. Die restlichen Figuren bekommen ebenfalls nicht viel an Innenleben spendiert.
Auch mancher im weiteren Verlauf entdeckte Schauplatz wird erzählerisch nicht erkundet. Nur am Ende mit einem Satz abgetan, hätte eine weitergehende Ausstaffierung der Welt das Gesehene noch eindrucksvoller werden lassen können.

Optisch ist der von Yasuhiro Yoshiura geschriebene und inszenierte Anime gelungen, bedient sich mitunter Ergänzungen aus dem Rechner, die sich aber gut ins Gesamtbild einfügen. Nur die mitunter betont unruhige Kamera störte ab und an.

Eine grandiose Grundidee, etwas Humor und eine ansprechende Optik, all das hat „Patema Inverted“ auf der Habenseite. Da wäre, bezogen auf die Welt, eine tiefergehende Ausarbeitung wünschenswert gewesen, denn der doch gelungene Anime hinterlässt bei mir eine kleine Leere. Gerne hätte ich mehr über die Hintergründe und die Dinge, die ich gesehen habe, erfahren. So schöpft der Film sein Potential leider nicht aus, bleibt aber aufgrund der Prämisse sehenswert.

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