Der geistig gestörte Dennis "Spider" Clegg wird aus der Psychiatrie entlassen und in ein offenes Wohnheim in einem Londoner Vorort überwiesen. Hier beginnt er mühsam, seine Kindheit aufzuarbeiten, in der die Wurzel seiner Störung liegt, doch nach und nach scheint die Vergangenheit die Gegenwart zu untergraben, zu durchdringen und schließlich sieht er sich leibhaftig mit dem konfrontiert, was ihn damals in den Wahnsinn trieb...
Ein vergleichsweise stiller, ruhiger Cronenberg ist SPIDER. Wenig Gewalt, keine Fleisch-Maschine-Symbiosen, nicht einmal ein sprechender Käfer kommt des Wegs. Trotzdem ist dies keineswegs ein netter Film: Das Grauen, das Cronenberg in früheren Filmen gerne recht plastisch darstellte, ist hier tief ins Innere des Protagonisten verlagert. Dennis Clegg nimmt den Zuschauer mit auf seine Reise in die Ursprünge seiner Geisteskrankheit, wir sehen, was er sieht, und vor allem: Wie er es sieht. Ein bisschen David Lynch ist zu erkennen, wenn Personen plötzlich die Erscheinung wechseln, ohne daß wir es sofort bemerken. Sogar die Lynch'sche Femme Fatale taucht auf, eine böse, durchtriebene Hexe mit blondem Haar, die den Vater des kleinen Dennis zu verführen und zum Mord anzustacheln scheint - doch so einfach sind die Dinge nicht, wenn sie ein paranoider Geist "zusammenspinnt" - SPIDER ist nicht umsonst der Spitzname Dennis Cleggs. Und Cronenberg wäre nicht Cronenberg, wenn die Wirklichkeit so einfach zu erkennen wäre...
Eine kleine Lehrstunde in Psychopathologie, die Cronenberg hier inszenierte, spannend bis zur letzten Sekunde.