Nach dem Unfalltod seiner Frau versucht Markus (Wotan
Wilke Möhring) erfolglos Normalität in sein Leben zu bringen. Die 15-jährige
Tochter Kim entgleitet ihm zusehends und seine Mutter verheimlicht die
Darmkrebsdiagnose vor ihm. Als Kim mit ihrem Freund nach Dänemark durchbrennt,
machen sich Vater, Oma und Pflegerin auf sie Suche...
Es ist eine hohe Kunst so traurige Themen wie Verlust,
Trauer, Schuldgefühl und schwere Krankheit mit einer derartigen Leichtigkeit
auf die Leiwand zu bringen, ohne es dabei an der notwendigen Tiefe vermissen zu
lassen. Wieder hat Autor Gernot Gricksch ("Robert Zimmermann wundert sich
über die Liebe") seinen Roman zu einem großartigen Script verarbeitet,
welches von Regisseur André Erkau ("Arschkalt" 2011) congenial in
Szene gesetzt wird. Neben ergreifenden Szenen beim Vater/Tochterkonflikt, beim
Versuch von Markus Freunden ihn beim Abendessen einer Psychotherapie zu
unterziehen und vor allem, wenn die sterbenskranke Oma unter den schrecklichen
Chemo-Nebenwirkungen leidet, gibt es köstliche Dialoge ("War das jetzt
Schauspielerei oder Altenpflege?") und wirklich komische Szenen: als trotz
des Todes seiner Frau ein gebuchter Urlaub nicht storniert werden kann, lässt
Markus zum Entsetzen der Dame vom Reisebüro kurzerhand die Tickets auf zwei
Berber vom Alsterufer umschreiben.
Dabei trifft das geniale Drehbuch auf ein so starkes Ensemble, dass es
unmöglich ist jemand besonders hervorzuheben: Ergreifend natürlich Christine
Schorn ("Nichts als Gespenster" 2006) als zynische Krebspatientin und
liebevolle Großmutter, doch absolut überzeugend in ihren Rollen sind auch Helen
Woigk ("Das Geheimnis in Siebenbürgen" 2010) als rebellischer Teenie,
der seinen Schmerz verarbeiten muss, ihr neuer Freund Frederick Lau ("Neue
Vahr Süd" 2010) in seiner aggressiven Unbeholfenheit, Rosalie Thomass
("Eine ganz heiße Nummer" 2011) als lebenslustige Krankenpflegerin
mit Schauspielambitionen, die in lustigen Improvisationen alltagstauglich
werden und natürlich Wotan Wilke Möhring in der Hauptrolle! Man leidet mit ihm,
wenn er unter starrer Miene seinen Trauer zu verbergen sucht, erst als er
erleichtert feststellt, dass seine Mutter noch nicht verstorben ist, bricht all
das Leid aus ihm heraus. Hoffentlich bleibt Möhring neben seiner Zukunft als
Tatort-Kommissar noch genug Zeit für solche eindringlich gespielten Kinorollen!
Eine wunderbare Tragikkomödie, die in Erinnerung bleiben wird. Und allen
anderen deutschen Autoren und Regisseuren als Inspiration dienen möge. (9/10)