Review

In "Expendables 2" durften wir ja schon Van Damme als gut aufgelegten Bösewicht begutachten. Und nicht nur das - von den ganzen Action-Veteranen machte er den frischesten Eindruck (wenn ich nur mal an Schwarzeneggers missglückte Dauerwelle zurückdenke wird mir schlecht). Somit war ich natürlich auf seinen neuesten Film "Six Bullets" gespannt, ob Stallone´s Werk ihm zum Push verhalf. Kurz und knapp: Das Ding rockt ganz gut, Van Damme zieht blank (den Oberkörper, Leute) und sieht richtig durchtrainiert aus für seinen 52 Jahre alten Körper.


Van Dame mimt den ehemaligen Fremdenlegionär Samson Gaul, der gegen Verbechersyndikate vorgeht, die Kinderhandel betreiben. Dabei wird er von der Polizei geduldet, da er mal mehr oder auch weniger mit ihr zusammenarbeitet.
Da bei seinem letzten Auftrag vier Mädchen ums Leben kommen, zieht er sich in seinen Metzger-Laden nach Moldawien (auweia) zurück. Er kommt mit der Schuld selber nicht klar und verfällt dem Alkohol. Zur gleichen Zeit kommt der Kampfsportler Andrew Fayden (Joe Flanigan) mit seiner Familie für einen Titelkampf in die Stadt. Doch bevor der Fight überhaupt stattfindet, wird Andrew´s Tochter  Becky (Charlotte Beaumont) entführt. Weil die Polizei  zu lasch ermittelt, fragen sie Samson um Hilfe. Der lehnt den Auftrag zunächst ab, stellt sich dann aber seinen eigenen Dämonen...


Van Damme spielt  das gezeichnete Wrack in einem sehr brisanten Thema und warum es zu dieser zerstörten Psyche kam, sieht man den gescheiterten Auftrag direkt zu Beginn. Und da legt Van Damme los wie die Feuwehr. Man muss zweimal hinschauen bis man ihn erkennt (Jean-Claude hat als Tarnung Brille und Metal-Bart), doch spätestens wenn er mit einem Messer bewaffnet diverse Gangster ausschaltet, weiß man, dass die "Muscels from Brussels" hier tätig sind und mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Sehr gut choreographierte Kampfszenen zeigen, dass es Van Damme noch immer drauf hat und man muss sich zudem noch fragen, ob die FSK einen guten Tag hatte. Denn die Abschlachtung der Gangster ist gerade durch die Messerattacken unglaublich intensiv und brutal ausgefallen (leider ist dieses Intro auch schon der Höhepunkt in Sachen Action).

Was mich im Nachhinein etwas enttäuscht hat, ist, dass es danach nur noch selten zu Kämpfen kommt, und die Action fast ausschließlich  durch Shoot Outs besteht. Diese Enttäuschung schürt Regisseur Ernie Barbarash im Prinzip selber, immerhin präsentiert er ja keine amerikanische Familie von nebenan, sondern einen weltweitgefeierten MMA-Fighter und der setzt sich lediglich einmal mit Handkantenschläge zur Wehr, die auch nicht gerade der Burner sind.

Wie dem auch sei. Die Geschichte wird vorangetrieben, es werden noch weitere Personen eingeführt wie beispielsweise Samsons Sohn Selwyn (Kristopher Van Varenberg), der bei der Botschaft arbeitet und seinem Vater  den Mut zum Weiterleben gibt.
Der Film besticht durch eine gute, brisante Handlung, dosiert die Action hervorragend, hat sehr gute, erinnerungswürdige Momente (z.B. die Handgranatenfalle oder sehr gut eingesetztes HighTech-Equipment), nimmt hier und da eine Wendung und eine kleine Prise Horror ist auch noch mit von der Partie.  

Etwas absurd wird es dann in dem letzten Drittel, als die Eltern mit Van Damme das Befreiungstrio bilden. Fighter Fayden, der noch nie eine Waffe in der Hand hatte, mutiert zum (halben) Rambo und auch seiner Frau kauft man zu keiner Zeit den Umgang mit Waffen ab, auch wenn sie (laut Script) Tochter eines Soldaten ist. Schade, dass gerade der Schluss dann doch eher nach sinnlosem Dauergeballere riecht. Dennoch wirft der Film an dieser Stelle  unbequeme Fragen in den Raum: Wie weit würde ich gehen, für meine Tochter zu befreien?

Insgesamt gesehen ist "Six Bullets" einer der besseren Van Damme-Filme der letzten Jahre, in dem es nicht nur um Action geht, sondern auch noch Zeit für Charaktertiefe, brisante Themen und Moral übrig bleibt. Die knapp zwei Stunden Laufzeit sind wie im Fluge vergangen. Dennoch fällt meine Bewertung etwas niedriger aus. Auch wenn "Six Bullets" vorallem die Actionfreunde zufrieden stellen dürfte - vergleiche ich diesen Film hier mit Van Damme´s Werken aus den 90ern ("Timecop", "Universal Soldier", "Sudden Death") kommt "Six Bullets" nicht annährend an den Spaß- und Partyfaktor ran, die seine Klassiker ausgestrahlt haben.

Daher

7/10

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