Review
von aanrud
"Modern Day Slavery Is A Big Business" - mit diesem Zitat beginnt der Film "Six Bullets", um dann hinzuzufügen, dass das Leben eines Mädchens für einige Menschen nicht einmal sechs Kugeln wert sei.
Der Film behandelt ein mehr als ernstes Thema und führt den Zuschauer in die Schattenwelt Moldawiens. Dort werden Kinder zu Sexsklaven gemacht und an reiche Freier verkauft. Um auch ungewöhnliche Wünsche zu bedienen, entführen die Verbrecher auch Kinder von westlichen Touristen. Die einzige Hoffnung für die Kinder und deren Eltern ist der ehemalige Fremdenlegionär Samson Gaul, der in Moldawien hängengeblieben ist und eine kleine Fleischerei betreibt. Er macht sich auf die Suche nach den Kindern und kann auch einige befreien. Bei seinem letzten Einsatz kann er zwar das Kind der Auftraggeber retten, es kommen in der Folge aber andere Kinder ums Leben. Gaul gibt sich die Schuld und beginnt zu trinken. Als die Tochter eines amerikanischen Ehepaars entführt wird, bittet ihn sein Sohn doch noch einmal aktiv zu werden...
Jean-Claude Van Damme spielt den Helden des Filmes recht überzeugend und kann hier mitunter an seine schauspielerischen Fähigkeiten, die er im Film "JCVD" gezeigt hat, anknüpfen. Nachdrücklich blieben mir vor allem die Szenen in Erinnerung, in denen ihm immer wieder zwei der getöteten Mädchen erscheinen und ihn anklagend betrachten (sie erinnern ein wenig an die Zwillinge aus Stephen Kings "Shining"). Bloß das Trinken kann er nicht wirklich gut darstellen. Wenn er die Wodkaflasche an den Mund setzt, sieht es doch eher albern aus.
Die Nebenrollen sind ebenfalls gut besetzt: Steve Nicolsen spielt Gauls Freund bei der Polizei, Joe Flanigan und Anna-Louise Plowman überzeugen als verzweifelte Eltern des entführten Mädchens. Als Sohn des Fleischers tritt der Sohn von Van Damme, Kristopher van Varenberg, auf - man merkt, dass Vater und Sohn gerne zusammenspielen ("Your granddad was a butcher - people always need meet!"). Die Bösewichter sind wirklich böse und man gönnt ihnen ihr Ende als Zuschauer zum Schluss aus tiefstem Herzen.
Nicht nur die Schauspieler konnten mich überzeugen, auch die Kameraeinstellungen sind sehenswert. Als Beispiel sei die Szene genannt, in der der Vater des entführten Mädchens in die Stadt geht, um nach ihr zu suchen. Durch die hier gezeigte Kamerafahrt wird die Verzweifelung des Vaters auch ohne Worte spürbar und somit nachvollziehbar.
Als Kulisse dient die Stadt Bukarest. Gefallen haben mir aber auch die Innenräume (mit einer in B-Filmen eher selten zu sehenden Liebe zum Detail).
Die Actionszenen und die Kampfchoreographien sind mehr als gelungen, aber mitunter auch recht brutal. Aber auch das Thema des Films ist ja auch brutal und an manchen Stellen auch vestörend.
Am Ende macht der Film nach meinem Geschmack ein paar Wendungen zu viel, so muss das entführte Kind selber, quasi als "deus ex machina", aktiv werden, um anschließend gerettet zu werden.