Review

Keine Good Fellas, aber durchaus ein gelungener charmanter Gangsterkrimi

Auch wenn ich mich wiederhole. Wenn Filme in ihrer Werbekommunikation mit Superlativen um sich werfen und absolute all-time Filmklassiker als Paten für ihren Film darstellen, sollte man umso vorsichtiger sein. THE MONEY (bzw. engl. Originaltitel: FOR THE LOVE OF MONEY) ist genau so ein Fall. Zwar gefällt mir der ruhige Aufbau der Geschichte die diversen Huldigungen des Genres ganz gut, auch hat Regisseurin Ellie Kanner ein gutes Händchen für Schauspieler, Timing und Dialoge, aber man ist noch ein gutes Stück entfernt auch nur an den Gerne-Klassikern zu kratzen.

Tel Aviv 1973: Es handelt sich um die Geschichte von Izek der in den 70ern quasi in der Welt der Bars und Casino entsprechend aufwächst. Die Familie hat sich zwischen Kleingangsterei und Sabbat gut eingerichtet. Der Umzug der Familie nach L.A. , seine Gründung eines eigenen Businesses und eine schöne Liebe dokumentiert eine jederzeit realistische, nachvollziehbare und gradlinige Geschichte wie sie sicher oft vorgekommen ist. Aber diese glückliche Entwicklung wird leider gestört….

THE MONEY wirkt dort unverbraucht, wo er eine gute Verbindung der Akteure zu ihren israelischen Wurzeln beleuchtet. Es ist geradezu erfrischend, die recht unverbrauchten Gesichter zu betrachten und die etwas komplexeren politischen Hintergründe mit an Bord zu haben. Hier trumpft der Film auf und gefällt durch seine Atmosphäre, die weit weg von jeglicher US-Einheitlichkeit und deren gerngenutzten Norm- und Blaupausen von Charakteren oder auch einseitig patriotischer Überhöhung ist. Unter weitgehender Vermeidung von gängigen (US-) Gangsterklischees und auch eine ebensolchen triefenden Liebesgeschichte entfalten sich auch oft einfach strukturierte Dialoge, welches aber glücklicherweise weit weg von Einfältigkeit sind.

Filmische Zitate werden viele gemacht, hier und da riecht es förmlich nach 80er Pool-Atmosphäre und Miami Vice, aber es wirkt nicht aufgetragen oder billig kopiert. Ich sehe die Eigenständigkeit der Bildsprache immer im Vordergrund. Unser Protagonist Izek agiert glaubwürdig und bietet damit eine gute Projektions- bzw. Identifikationsfläche für den Zuschauer. Gut ist der fetzige 70er Jahre Soundtrack und auch die Transformation in die Achtziger in der L.A. Phase wird durch Ausstattung, Mode und entsprechender musikalischer Untermalung gut unterstützt.

Aber selbstverständlich kommt THE MONEY nicht in die Nähe der großen Vorbilder. Er versucht es auch nicht wirklich. Aber diese standen im wahrsten Sinne Pate und wurden gut in die Geschichte des Ausgewanderten integriert. Zum Klassikerstatus fehlen klar die starken Charaktere und Darstellerboliden wie sie dort entsprechend souverän agieren. Aber THE MONEY ist handwerklich und narrativ auf sehr solidem Niveau und für Krimifreunde abseits eingetretener Blockbuster Pfade durchaus eine gefällige Sichtung wert.

6/10 Punkten

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