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The Deadly Game (Kurz und schmerzlos Teil 9)

Korrupter Cop stellt Gangsterboss eine Falle, um sein maues Staatsdiener-Gehalt etwas aufzubessern. Gangsterboss riecht die Falle und plant Cop auszuschalten. Doch beide haben noch nie etwas von der Chaostheorie gehört ...

Dieses Crime-Szenario ist in der entsprechenden Filmlandschaft alles andere als eine Unbekannte, bei schnörkelloser Umsetzung aber dennoch immer wieder gern genommen. Vor allem im  Vereinigten Königreich versteht man sich bestens auf knackige Cop vs. Gangster-Dramen, die schnell auf den Punkt kommen und dabei angenehm Bodenhaftung behalten. Weder findet man dort die verschwurbelte Psychologisierung der meist drögen deutschen Krimikost, noch die glorifizierende Heroisierung und auf Knalleffekte ausgelegte Realitätsflucht der US-Varianten.

Der britische Thriller „The Deadly Game" punktet dann auch mit den erwarteten Stärken. Ohne viel Tamtam wird die Grundsituation umrissen und werden die Figuren in Stellung gebracht:
Um den Londoner Gangsterboss Joseph Corso (Gabriel Byrne) endlich einzukassieren, zwingt der ebenso skrupellose wie korrupte Detective Parker (Rufus Sewell) ihn in einen groß angelegten Coup bei dem er selbst gedenkt abzukassieren. Als Druckmittel dient ihm dabei Corsos dealender Sohn Mark.
Doch der vermeintlich perfekt geplante Coup hat seine Tücken. Nicht nur, dass Corso und Parker jeweils ein doppeltes Spiel spielen, auch ihre jeweiligen „Adjutanten" - der eigens für den Job angeheuerte Profi-Safeknacker Riley (Tobey Stevens) sowie Parkers neuer Kollege Dixon (Leo Gregory) - funktionieren nicht nach Wunsch ...
   
Hauptverdienst von Regisseur George Isaac ist es, dieses doch recht unübersichtliche Geflecht von Figuren und Handlungsfäden im Griff zu behalten, so dass auch der Zuschauer den Überblick behält. Zwangsläufig bleibt dabei vieles an der Oberfläche, da die relativ kurze Laufzeit weder differenzierte Charaktere, noch komplexe Plotentwicklungen zulässt.
Vor allem der ehemalige Bond-Gegner Stevens („Die another day") und der gewohnt souveräne Gabriel Byrne machen das Beste aus ihrer (zu) geringen Screentime und geben ihren klischeehaften Figuren immerhin ein Mindestmaß an Profil. Rufus Sewell werden vom Skript etwas mehr Entfaltungsmöglichkeiten gelassen, die er auch dankbar annimmt. Parker ist zweifellos der interessanteste, weil facettenreichste Charakter.

Neben den ordentlichen Darstellerleistungen und einer stringenten Narration, kann „The Deadly Game" v.a. durch seine Optik punkten. Der Film sieht erheblich teurer aus, als es sein  extrem schmales  Budget von 4,6 Millionen Dollar vermuten lässt. Die Londoner Originalschauplätze sind nicht nur schick photographiert, sondern bieten auch ungewöhnliche Perspektiven und haben zudem inhaltliche Relevanz. Letztlich bleibt dennoch nicht mehr als gehobenes TV-Niveau, aber das ist aktuell ja alles andere als eine Schande.

Fazit:
Kaltschnäuziger Cop-Thriller, flüssig erzählt und geradlinig inszeniert. Die inhaltlich wie charakterlich relative Oberflächlichkeit ist zumindest optisch blitzblank. Very British indeed.

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