Review

Es ist ja immer gut und schön, wenn man sich in diversen Portalen Informationen zu neu erschienenen Filme holt, doch manchmal kann die Inhaltsangabe tödlich sein und fast das gesamte Erlebnis vernichten. Arm-azon, das, wie ich schon selber feststellen musste, jede zweite Rezension von mir ignorriert und scheinbar als "gefährlich" einstuft, macht da keine Ausnahme, den kompletten Inhalt mit extremen Spoilern auszuplaudern. So nimmt man dem ansich sehr guten Film" Das Verborgene Gesicht" auch leider etwas Thrill und vorallem den sehr schönen Twist, der in einem hervorragenden Drehbuch nicht mehr so schön knallt, wie als wenn man ohne Hintergrundwissen an diesen Film herangeht.


Nachdem seine Freundin Belén (Clara Lago) den Dirigenten Adrian (Quim Gutiérrez) aufgrund von Flirterei am Arbeitsplatz verlässt (jaja, es sind immer die Frauen mit der Geige), macht Adrian das, was wir männlichen Kerle alle nach so einer Situation machen: Erst einmal in die Kneipe gehen und sich voll laufen lassen bis der Notarzt kommt. Nach drei Liter Hochprozentigem und den ersten Tränen, interessiert sich Kellnerin Fabiana (Martina García) für diesen unscheinbaren, einfühlsamen Mann - noch mehr, als er nach einer selbst angezettelten Schlägerei den kürzeren zieht und mit dem Arsch auf dem Bordstein landet. Fabiana nimmt Adrian mit sich nach Hause und fortan scheint die verschollene Belén lediglich nur noch die Polizei zu interessieren. Am nächsten Tag nimmt Adrian die hübsche Fabiana mit zu sich in ein Landhaus mitten in der Prärie und schon sind sie ein Paar. So faszinierend auch die Kellnerin das große Haus findet, so seltsam kommt es ihr vor. Denn das Haus scheint ein geisterhaftes Eigenleben zu haben...


Natürlich war ich von der gespoilerten Inhaltsangabe geblendet und auf diesen Punkt kann man dann auch gut eine geschlagene Dreiviertelstunde warten, bis die wahre Bombe explodiert. Alles vorangegangene gleicht eher einem Drama bzw. einer Liebesgeschichte mit Einsatz von gefährlichen OST-Waffen, da man Adrian desöfteren mal bei der Arbeit sieht. Erste Anzeichen für was Mysteriöses in dem Anwesen gibt es auch, doch dies dürfte selbst mit dem Stilmittel "Gewitter und Donner" (ja, das zieht heute immer noch) keinen Zuschauer vom Hocker reißen.
Erst, als die ellenlange Rückblende einsetzt, die zunächst eher verwirrt als unterhaltend rüberkommt, blitzt allmählich der geniale Grundgedanke des exzellenten Drehbuchs durch.

Und genau von da an gibt es kein Halten mehr - der Film setzt auf Hochspannung und Gefühlswirrwarr, da die vorhandenen Charaktere vielleicht doch etwas anders sind, als zunächst vermutet und in einigen auch eine tickende Zeitbombe sitzt. Sozusagen wertet der Mittelteil den langweiligen Beginn etwas auf, da man eine neue Perspektive bekommt. So einen guten Spannungsbogen bekommt man heute leider nur noch selten zu sehen.

Was man dem Film dann wieder vorwerfen kann, ist die Tatsache, dass man den Thrill-Part durchaus dreißig Minuten hätte strecken können, ohne das jemandem die Füße eingeschlafen wären und - viel schlimmer noch - der völlig unbefriedigende Schluss, der auch realtiv abrupt einsetzt. Er lässt zwar etwas Spekulationsfreiheit zu, dennoch gehe ich mal davon aus, dass sich die Mehrheit für andere Enden eher begeistert hätte. Vom guten bis zum richtig bösen Finish hätte da alles drin sein können.


Somit kann man Thrillerfreunden "Das verborgene Gesicht" mit gutem Gewissen ans Herz legen, auch wenn es leider einige Schwächen gibt.  Meine Fresse, in diesem Fall hat mich das sogar richtig geärgert. Somit reicht es für eine gute Bewertung dank eines hervorragenden Drehbuchs, aber für den Thron leider nicht.

8/10

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