Review

Das erste Wort, das mir durch den Kopf schoss als der Abspann über die Kinoleinwand flimmerte war : Schade! Ja ich gebe zu, dass ich kurzfristig, nach vielen positiven Kritiken, doch noch gute Erwartungen an den Film hatte und diese wurden leider nur zum Teil erfüllt. Eigentlich sollte Tobey Maguire noch in Spider-Man 4, 5 und 6 in das Kostüm schlüpfen, doch leider gab es zu viele Differenzen zwischen der internen Crew und so entstand dieses Reboot. Nun die wichtigsten Fragen. Hat sich dieses Reboot gelohnt? Nein. Ist Andrew Garfield ein besserer Spiderman als Tobey Maguire? Nein. Sind die Effekte hier besser? Vielleicht nur besser als in 1 und 2. Ist dieses Reboot in etwa so "neuartig" wie der Sprung von Batman zu "Batman Begins"? Nein. Ist der Bösewicht gelungen? Nur teilweise. Ist "The Amazing Spider-Man" dennoch ein guter Film? Definitiv ja! Eigentlich ist das Gesamtpaket zufriedenstellend, dennoch hatte ich mit diesem Film an manchen Stellen so meine Probleme. Die selben Schwierigkeiten hatte ich in Etwa schon vor ein paar Tagen beim Rewatch von "Spider-Man 2", der auch insgesamt wirklich Top ist, aber einige Kleinigkeiten auf Lager hatte, die einfach einen bitteren Nachgeschmack hatten und somit verhindert wurde, dass ich zu 100% geflasht wurde. Der neue Spiderman macht wirklich viel Spaß und unterhält auf ganzer Linie, aber das große Hammerprojekt wurde dieser Film leider nicht.

Auf ein Neues : Peter Parker ist ein Außenseiter und wird von diversen Mitschülern gemobbt und sogar verprügelt. Als Kind wurde er von seinen Eltern aus mysteriösen Gründen verlassen und wurde anschließend von seinem Onkel Ben und seiner Tante May großgezogen. Als er ins beste Teenager-Alter kommt, möchte er mehr über seine (inzwischen verstorbenen) Eltern erfahren und landet bei seinen Ermittlungen schließlich bei Dr.Connors, einem ehemaligen Arbeitskollegen von Peters Vater. Bei einer Expedition durch das Labor wird Peter von einer genmanipulierten Spinne gebissen und erhält fortan Superkräfte. Er kann an Wänden hoch krabbeln, hat eine deutlich höhere Körperkraft und ist mit feinsten Spinnensensoren ausgestattet. Dr.Connors ist derweil von Peters hohem Wissen beeindruckt und bittet ihn um Hilfe, für sein Genmanipulationsprojekt, an das er schon seit Jahren arbeitet. Er will damit seinen Lebenstraum erfüllen und seinen abgetrennten Arm wieder nachwachsen lassen. Als die Firma "Oscorpe" den Druck auf Connors Projekt erhöht spritzt er sich kurzer Hand selbst das neu entwickelte Serum und das Unheil nimmt seinen lauf. Dr. Connors mutiert zu einer gigantischen Monster-Echse und richtet großen Unheil in der Stadt an. Nebenbei hat Peter nicht nur mit seinen neuen Kräften zu tun, sondern auch mit einem Konflikt zwischen ihn und Onkel Ben. Als Onkel Ben eines Nachts von einem Räuber (den Peter zuvor bewusst hat laufen lassen) erschossen wird beschließt Peter, sich zu maskieren und sich auf die Suche vom Mörder seines Onkels zu machen. Dabei bekommt er es auch früher oder später mit der Echse zu tun, die Peter auch schnell enttarnt. Achja und nebenbei ist Peter noch in seine Mitschülerin Gwen Stacy verliebt, deren Vater ein hohes Tier bei der Polizei ist und die Jagd auf Spiderman eröffnet hat.

Im Gegensatz zum ersten Spider-Man Film, wo nach 20 Minuten die Rollen klar verteilt wurden, nimmt man sich hier enorm viel Zeit um die Figur Peter Parker vorzustellen. Es dauert auch ziemlich lange, bis wir Spiderman das erste mal richtig in Aktion sehen und noch länger, bis der Gegenspieler aktiv wird. Einige Längen bleiben dem Film leider nicht erspart, so hätte man die Einleitung vielleicht um 10-15 Minuten kürzen können, da sie mit zu viel Nonsens gespickt wurde. Außerdem gab es, wie bereits erwähnt, viele kleinere Szenen, die einfach total unnötig inszeniert wurden. Am auffälligsten war die schlechte "Double-Arbeit" von Spiderman. Während Peter (bzw. Andrew Garfield) ein ziemlich schlanker und stacksiger Typ ist, ist Spiderman im Gegenzug, sobald er animiert wird um ein Vielfaches breiter, was leider in vielen Szenen sehr auffällig ist. Die Proportionen stimmen hier leider überhaupt nicht überein. Hinzu kommt, dass Spiderman hier ein wenig ZU stark kreiert wurde, was in vielen Szenen viel zu übertrieben wirkt. So wundert man sich doch ziemlich, dass Spiderman plötzlich in der Lage ist ein Auto zu "tragen" oder dass er mit einem Football und einem nicht ganz zu starken Wurf gleich eine riesige Metallstange ins Wanken bringen kann. Und auch gegen Ende schleichen sich viele, wenn auch gering gehaltene, Logikfehler ein, die besonders dann deutlich werden, wenn die Echse zum großen Endschlag ausholt. Ebenfalls ein großer Dämpfer war die ganze Aktion mit Onkel Ben. In Teil 1 war das wirklich eine hoch dramatische Szene, die an die Nieren ging. Hier schreit Peter ein paar mal "no NO" und danach ist das Thema praktisch abgehakt, ja man bekommt sogar fast das Gefühl, als sei diese Tat nie geschehen oder schon viele Jahrzehnte her. Positiv anzumerken hingegen war die grandiose Kameraarbeit, die besonders bei den Kämpfen hochkarätig zur Geltung kommt. Besonders beeindruckt hat mich die irre Egoperspektive, die wirklich unfassbar gut aussieht und auch nie zu lang oder zu kurz zu sehen ist. Auch wenn ich jetzt wirklich viel zu meckern habe, so muss ich trotzdem sagen, dass mich die Geschichte gepackt hat und besonders die Kämpfe extrem gut inszeniert wurden. Allerdings hätte ich auch gerne mehr von Spidey gesehen.

Ok, kommen wir nun zum unangenehmen Teil für alle Comic-Fans. Ja auch nach diesem Film bleibe ich dabei, dass Tobey Maguire für mich der wahre Spiderman bleibt. Bei ihm habe ich einfach viel mehr Herzblut gespürt, als be Andrew Garfield und er wirkte auch so, als hätte er viel mehr Spaß in seiner Superheldenrolle. Trotzdem muss man so fair sein und sagen, dass Garfield einen guten Spiderman verkörpert und auch insgesamt eine gute Schauspielerleistung abliefert. Bei Maguire wurde oft kritisiert, er würde zu weinerlich agieren. Ehrlich gesagt weint und wimmert Garfield hier mindestens genauso viel rum, sogar bei viel geringeren Problemen. Sagen wir es so, Garfield verkörpert einen Spiderman, der tiefgründiger ist, als die Maguire-Version. Mehr Ausstrahlung und mehr Sympathie hatte aber ganz klar der Tobey für mich. Achja und hier schießt Spiderman seine Fäden nicht direkt durch die Hand, sondern durch ein gerät, Welches Peter eigenhändig kreiert hat. Emma Stone darf hier den weiblichen Gegenpart agieren und nein sie spielt NICHT Mary Jane, obwohl sie die perfekten roten Haare dafür hätte. Hier tritt sie als "Blondine" auf und Spiel Gwen Stacy, Peter Parkers erste Freundin (wie auch schon im Comic). Emma Stone ist eine überragende Schauspielerin die das bestmögliche aus ihrer Rolle heraus holt und eine wirklich tolle Nachfolgerin für die ebenfalls hochtalentierte Kirsten Dunst darbietet. Und vergesst die Gwen Stacy aus "Spider-Man 3", tut einfach so, die trage nur zufällig den selben Namen. Rhys Ifans spielt Dr.Connors und hier darf man auf keinen Fall an den alten Dr.Connors denken. Connors ist hier nicht der Lehrer von Peter, sondern ein Mitarbeiter von Oscorpe und wirkt äußerlich deutlich bedrohlicher, auch wenn er definitiv kein Schurke ist, sondern eher wie eine Art Jekyll & Hyde. An sich liefert hier Ifans eine super Performance ab, was mir jedoch nicht gefallen hat war die Echse an sich. Ok, das ist sicherlich Geschmackssache, denn animiert ist Sie durch die tolle Motion Capture Funktion perfekt. Allerdings war das Aussehen der Echse irgendwie nicht zufriedenstellend. Das Viech sah in meinen Augen eher aus wie ein grüner Gorilla mit langem Schwanz und Schuppen. In zwei netten, aber leider viel zu unscheinbaren Nebenrollen, sehen wir noch Martin Sheen als Onkel Ben und Sally Field als Tante May. Auch wenn Sally Field eine großartige und sehr charismatische Schauspielerin ist, an Rosemarie Harris (Tante May aus den ersten 3 Spiderman Filmen) kommt sie nicht mal ansatzweise heran, zumal sie auch überhaupt nicht an Tante May erinnert.

Zu aller erst der Hinweis : Bleibt beim Abspann sitzen, denn es folgt noch eine weitere Cliffhanger-Szene, mit der ich aber nichts anfangen konnte (wer zum Teufel war das?). Wer ein großer und vielleicht auch kleinlicher Comic-Verehrer ist, könnte Gefallen an diesem Film finden, da ich gehört habe, dass er sich sehr nahe an den Comic hält, im Gegensatz zu den ersten Drei, die sich eher an der Zeichentrickserie orientieren. Wer allerdings die ersten 3 Teile mochte und Tobey Maguire als Spiderman geliebt hat, könnte hier etwas enttäuscht werden. Immerhin stimmt die Chemie zwischen Garfield und Stone genauso gut wie zwischen Maguire und Dunst. Allerdings muss ich wieder mal sagen, dass die 3D Effekte pure Verarschung waren. Mit Ausnahme von ein paar minimalen kleinen Szenen (wie z.B Regen) merkt man praktisch nichts vom 3D oder jedenfalls nicht so viel, dass man bereit ist dafür extra Geld zu zahlen. Leider ändert auch dieser Film überhaupt nichts an meiner 3D Abneigung.



Fazit : Ich bin ganz offen - als ich den Saal verließ wollte ich eine deutlich niedrigere Note für den Film geben, denn wirklich was Neues bekommt man hier nicht geboten. Aber erstens wäre das nicht fair, denn handwerklich ist der Film gut gemacht und er erfüllt seinen Zweck und zweitens liebe ich nun mal Spiderman an sich. Deswegen sage ich trotz der etwas kleinen Enttäuschung : Willkommen zurück, Spiderman!


8/10

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