Im Jahr 2002 veröffentlichte Sam Raimi den ersten Spiderman-Film mit Tobey Maguire in der Hauptrolle. Nach einem großen Erfolg folgten zwei Fortsetzungen und grundsätzlich war auch ein vierter Teil im Gespräch. Doch jetzt kommt ein Reboot des Themas mit Andrew Garfield in der Rolle des Spiderman.
Die Frage die sich da natürlich aufdrängt, ist: „Warum?“.
Ich denke aber, die Geschichte um Spiderman 4 ist bekannt und ich möchte die viel wichtigere Frage beantworten: „Was taugt der neue Spiderman?“
Natürlich bleibt bei dieser Vorgeschichte der permanente Vergleich nicht aus.
Ich muss zugeben, dass ich nie ein großer Fan der „alten Trilogie“ war und auch von Tobey Maguire als Spiderman nicht allzu begeistert war. Deshalb habe ich mich auf den Reboot sehr gefreut und muss sagen, die Vorfreude war berechtigt.
Der Film beginnt mit einem neuen Aspekt, dem Verschwinden der Eltern von Peter Parker. Diese Geschichte ist der Motor des Films und auch wenn sie durchaus vorhersehbar ist, ist sie sehr interessant. Zur weiteren Story muss man nicht viel sagen, die dürfte bekannt sein. Die üblichen Elemente wie der Spinnenbiss im Labor von Oscorp und die Ermordung von Onkel Ben als Konsequenz der Großkotzigkeit Peter Parkers kommen auch in diesem Film vor und lassen Peter Parker zu dem bekannten Spiderman werden.
Der ganze Film ist deutlich düsterer als die Filme von Sam Raimi und das gefällt mir sehr gut. Spiderman getrieben von Rache auf der Suche nach dem Mörder seines Onkels, hat zwar stellenweise an Batman erinnert, war aber sehr gut gemacht. Auch wurde mit Lizard ein wirklich ebenbürtiger
Gegenspieler erschaffen, der sich mit Spiderman gute Vorkämpfe und einen gut choreografierten Endkampf liefern kann. Doch Lizard ist nicht einfach nur der böse Gegenspieler, sondern gleichzeitig wird auch die menschliche Seite des Dr. Connors berücksichtigt. Die Verbindung von beiden „Persönlichkeiten“ wird durch Rhys Ifans hervorragend dargestellt.
Und auch der Spiderman, den Andrew Garfield verkörpert gefällt mir viel besser als der von Tobey Maguire. Er ist einerseits jünger und dadurch näher an der Vorlage der Comics. Andererseits verkörpert er einen Spiderman, dessen Motive man nachvollziehen kann und der gleichzeitig auch eine größere „Coolness“ an den Tag legt. Als Spiderman gefiel er mir somit sehr gut, allerdings als Peter Parker manchmal weniger.
Denn natürlich kommt auch dieser Film nicht ohne die obligatorische Liebesgeschichte aus. Hier mal nicht mit MJ, sondern mit Gwen Stacy, die natürlich die Tochter des Polizeichefs ist, der Spiderman verhaften will. Die Annäherungen zwischen Peter und Gwen sollen wohl witzig wirken und die Schüchternheit bei der ersten Liebe verkörpert werden. Doch auf mich wirken die Gespräche in der High School zwischen der wunderschönen und beliebten Gwen und dem Außenseiter Peter (hat irgendwer erwartet, dass auf diese Stereotypen verzichtet wird?) einfach nur peinlich.
Nicht nur in diesen Szenen driftet der Film manchmal doch sehr in das Klischeehafte ab. Doch dieses und auch die damit eng verbundene Vorhersehbarkeit der Story kann man ihm verzeihen. Durch den Film wird Spiderman nicht neu erfunden. Aber es ist ein solider Film, der hervorragend unterhält, die 3D Technik für sich nutzt und der bis in die Nebenrollen toll besetzt ist. Dabei ist nicht nur Rhys Ifans, sondern auch Denis Leary und Martin Sheen zu nennen. Auch Andrew Garfield liefert eine gute Arbeit ab (da war ich doch vorher skeptisch), hat aber gerade als Peter Parker noch Luft nach oben.
Der neue Spiderman macht Lust auf mehr. Teil 2 ist ja schon bestätigt, und bei dem, was alles angedeutet bzw. nicht abschließend erzählt wurde ist ein zweiter Teil auch notwendig. Ich könnte mir vorstellen, dass es bei entsprechendem Erfolg nicht nur bei den typischen 2-3 Filmen mit diesem Spiderman bliebt. Und ehrlich gesagt, ich freue mich drauf. 7,5 / 10