Frank (Elija Wood) lebt zurückgezogen in einem heruntergekommenen, zum Künstlerviertel avancierten Stadtteil von Los Angeles. Von seinen Eltern hat er ein altes Geschäft geerbt, in dem er Schaufensterpuppen restauriert und sammelt. In seiner Freizeit ermordet Frank junge Damen. Wie von einem inneren Zwang gebesessen treibt es ihn immer wieder aufs Neue zu den Greueltaten. Eines Tages lernt er die hübsche Fotografin Anna (Nora Arnezeder) kennen und verliebt sich in sie. Schafft sie es Franks Dämonen zu bändigen?
Wo Alexandre Aja drauf steht, da ist gelungene Horrorunterhaltung drin. Auch wenn der Regisseur von PIRANHA 3D, MIRRORS und HIGH TENSION hier "nur" als Produzent und Drehbuchautor tätig war, wird das Remake von William Lustigs Genreklassiker MANIAC wohl doch eher ihm zugeschrieben werden als dem eigentlichen Regisseur Frank Khalfoun (P2 – SCHREIE IM PARKHAUS). Sei's drum. Im neuen MANIAC ist (verglichen zum Original) vieles anders. Der Schauplatz wechselt vom tristen New York der 80er ins verlotterte L.A. der 2010er. Der ganze Film ist in der Ego-Perspektive von Killer Frank gedreht. "Mittendrin statt nur dabei" ist das Motto. Somit schlüpft man als Zuschauer in den Kopf des psychopathischen Frauenmörders, wird dazu gezwungen, die Welt mit seinen Augen wahrzunehmen, leidet und mordet mit ihm und am Ende fühlt man sich selbst ein bisschen "manisch".
Man erinnere sich an William Lustigs MANIAC aus dem Jahre 1980: Ein fieser, dreckiger Splatterslasher mit diversen heftigen Kills, der ein düsteres, heruntergekommenes New York malte, wie es uns auch in COMBAT SHOCK oder TAXI DRIVER entgegen stank. Bereits in dem damaligen Werk wurde die Erzählperspektive umgedreht und, nicht wie im Slasherfilm üblich, die Opfer, sondern der Killer selbst ins Zentrum des Geschehens gerückt. Das Ergebnis war eine Art dokumentarische Psychostudie, wie auch HENRY eine darstellte. Die Stelle, an der Original und Remake gewiss am weitesten auseinander klaffen, war im Vorfeld gleichzeitig der größte Kritikpunkt: die Besetzung der Rolle des Frauenmörders Frank. Im Original ein widerwärtiger, bulliger, fettleibiger, aber charismatische Joe Spinell. Im Remake der zarte, filigrane, glatt gebügelte Hänfling Elija Wood. Viele Stimmen meinten, dass "Frodo Beutlin" als "Maniac" nichts tauge. Sie sollten eines Besseren belehrt werden. Elija Wood verleiht der verlorenen Seele von Killer ein zerbrechliches Antlitz und einen zarten, komplexbehafteten Charakter und zeichnet somit ein tatsächlich realitätsnäheres Serienkillerbild als es der super perverse Bilderbuch-Wahnsinnige von Billy Lustig tat. Wegen der Ego-Kamera bekommt man den Hauptdarsteller zwar gar nicht so oft zu Gesicht. Dass der Wood Qualitäten zum Psycho hat, hätte man sich nach seinem eindringlichen Auftritt in SIN CITY aber allerdings denken können.
Gore war im Original von 1980 ein großes Thema. Verantwortlich war damals FX-Legende Tom Savini. Auch im Remake kommt Gewalt nicht zu knapp. Es wird geschlitzt und skalpiert, dass die FSK18-Freigabe beinahe untertrieben erscheint. Der Gore ist zwar durchaus graphisch, jedoch nicht so selbstzweckhaft wie beispielsweise der Headshot im Original. Besonders die Tatsache, dass in Egoperspektive gekillt wird, erschaudert durch Mark und Bein. So fühlt man das Blut buchstäblich von den eigenen Fingern tropfen.
Ajas MANIAC weist neben den Ähnlichkeiten zum Original (wie dem Mutterkomplex behafteten Killer) diverse zeitgemäße Neuerungen auf. So lernt Frank seine Opfer nun u.a. im Internet-Chat kennen. Sein Charakter wirkt wie aus einer anderen Zeit. Seine Vintage-Klamotten sowie der Elektro-Score, der irgendwie an den aus DRIVE erinnert, unterstreichen diesen Eindruck.
Wie das Original ist auch das Remake eine Low-Budget-Produktion. Produzent Aja holt aus dem Budget von 6,5 Mio. Dollar jedoch ein absolutes Maximum heraus.
Schaufensterpuppen: (+)(+)(+)(-)(-)
Thrill / Gore: (+)(+)(+)(+)(-)
Ego-Slasher: (+)(+)(+)(+)(+)
Fazit:
Im Kopf des Killers. PSYCHO Meets ENTER THE VOID. Sowohl würdiges Remake als auch gelungene Neuinterpretation. Kein Wolf im Wolfspelz, sondern ein Monster mit Engelsgesicht. So simpel die Idee mit der Ego-Perspektive ist, so fesselnd und eindringlich fällt das Ergebnis aus. Ein intensiver Horrortrip!