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Maniac, das Remake einer Ikone. Das Original hat bis heute einen anrüchigen Ruf in Fankreisen, was nicht zuletzt auch an der Beschlagnahme lag. Trotzdem ist William Lustigs Film ein roher und ungeschliffener Diamant, der vor Kraft nur so strotzt. Doch woran liegt die Intensität dieses Films, die ihn so bekannt machte? Maßgeblich ist dies zunächst auf die Leistung von Joe Spinell zurückzuführen. Lustig selbst sagte über die Beziehung Maniac/Spinell "This is his Rocky", was es m. E. ganz gut beschreibt. Darüber hinaus aber war das Original richtig dreckig. Die Aufnahmen atmeten Schmutz und Perversität, was sich quasi in jeder Aufnahme zeigt. Als Frank zu Beginn die Prostituierte erwürgt, schwitzt er aus allen Poren; New York wird als Moloch dargestellt, mit dunklen Ecken und sozialer Kälte uvm.

Was bleibt also, wenn man diese beiden Faktoren nimmt?
Nichts! Genau das ist das Problem von Aja's Maniac. Zunächst einmal bin ich grundsätzlich kein "Feind" von Remakes. Im Gegenteil, gerade bei Maniac habe ich mich auf eine zeitgemäße Adaption gefreut. Trotzdem muss sich ein Remake immer den Vergleich mit dem Original gefallen lassen. Die Optik ist hierbei stark aufpoliert worden. Die Idee, das Geschehen aus der Sicht des Killers zu zeigen wirkt eher als stylisches Gespiele eines Werberegisseurs. Es fehlen einfach der Schmutz und die Perversion. Klar, bei Frank ist es schmutzig, er selbst hat aber immer den perfekten "ungepflegten In-Look", selbst während er mordet, kämpft, schreit. Es fehlt damit an Glaubwürdigkeit und verweist jegliche mögliche Intensität des gezeigten zurück in eine Zimmerecke, in dem sie den Zuschauer nicht packen kann.

Hier kommt auch schon das zweite Problem zum Tragen. Elijah Wood ist nicht Joe Spinell. Er ist sogar das krasse Gegenteil. Genau da liegt aber das Problem, denn man kauft dieser kleinen schmächtigen Person einfach nicht ab, gegen zwar nicht stämmige, aber z. T. doch kräftiger wirkende Frauen anzukommen.

Insgesamt ist das Remake mithin eine Fehlinterpretation des Originals, denn trotz der Mitwirkung Lustigs wird der Streifen aus den 80ern offensichtlich auf seine Gewaltszenen reduziert. Hier gibt das Remake dementsprechend auch Vollgas, was wohl auch an der Assoziation mit dem Namen Aja steckt. Gore allein macht aber noch keinen guten Film.
 
Auch der Beziehung zwischen Frank und Anna wird nicht hinreichend Gelegenheit zur Entfaltung geboten. Anna ist die erste Frau, die sich für Frank und seine Arbeit interessiert. Trotzdem kommen Emotionen von Frank kaum rüber, er verharrt vielmehr in seiner Lethargie, scheint nur durch die Morde überhaupt einmal aufzuleben. Sicherlich ist dies eine mögliche Art, an die Darstellung eines psychisch kranken Killers heranzugehen, macht es aber nicht minder eintönig. Im Gegenteil, durch die Bedienung typischer Klischees (der Killer ist ein Einzelgänger, unfähig zu Bindungen etc.) kommt einem einfach nur austauschbar vor.

Zu guter Letzt wurde dann auch noch an der Story herumgedoktert. Im Original wollte Frank seine Mutter für sich haben, denn wenn Sie Herrenbesuch bekam wurde er in den dunklen Schrank gesteckt. Im Remake hingegen erzählen Rückblenden, dass Frank seiner Mutter beim Sex zusehen musste und die böse Mama auch noch gekokst hat. Man merkt den Szenen jedoch die billige Exploitation an, die den Film gerade nicht roh oder schmutzig aussehen lassen, sondern einfach billig und trashig. Nach dem Motto "wenn uns nichts besseres einfällt, zeigen wir mal ein paar Brüste" wird wieder und wieder Sex oder Nacktheit eingefügt. Stattdessen hätte man die Charakterzeichnung von Frank auch weniger Plump ausfallen lassen und mit mehr Eindringlichkeit versehen können. Auch die anderen Schauspieler fallen nicht gerade durch logisches oder innovatives Verhalten auf. Vielmehr hält die Story so einige dämliche Verhaltensweisen für die Nebencharaktere bereit, die allenfalls in einen Freitag der 13. passen.
 
Insgesamt ist Maniac einfach nur ein Film, indem zu viel Wert auf unwichtige Aspekte gelegt wurde. Besser gesagt wurde eigentlich nur Wert auf die Splatter-Effekte gelegt. Der Rest ist unterdurchschnittliche Filmkost, die man woanders schon besser gesehen hat. Schade!

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