Warum man denn nun überhaupt einen kleinen dreckigen Rotzfilm wie William Lustigs „Maniac“ noch einmal verfilmen mußte, bleibt sicher auf Dauer bis ins Letzte unaufgeklärt, aber es gibt eine gute Entschuldigung, die Entscheidung über andere fade Big-Budget-Remakes zu erheben: er ist nicht so mißlungen.
Mit Geld kann man zwar vieles machen, aber es ist eben doch kein echter Ersatz für Kreativität.
Und so muß man Alexandre Ajas Engagement als Producer dieses Remakes doch irgendwie schätzen – hier verspricht sich ein Vertreter modernen Horrors offenbar etwas, was ein bißchen mehr ist, als ein gut ausschauendes Cash-In.
Also schicken wir den mutterfixierten Serienkiller auf eine weitere Runde, einfach 30 Jahre später und in eine vollkommen veränderte Großstadt amerikanischen Zuschnitts (welche es ist, ist eigentlich relativ egal). Noch immer werden ordentlich Selbstgespräche geführt, Mannequins mit selbsterbeuteten Skalps ausgestattet und es wird weiter durch die Straßen der Nacht vagabundiert.
Gemeuchelt wird nicht immer einfach so, sondern nur nach zwanghaften Zerwürfnissen mit sich selbst und der eigenen sexuellen Impotenz psychopathischen Zuschnitts. Alles ungefähr so wie gehabt.
Der Reiz des Remakes besteht also aus der Sichtperspektive: nahezu der komplette Film wird aus der POV-Perspektive des Killers visualisiert – glücklicherweise so kontrolliert wacklig, wie es noch zuträglich ist.
Das ist an sich schon verstörend, wenn man dann aber auch noch durch Elijah Woods Augen blickt, dann haben die scheinbar unwahrscheinlichste Wahl des Killers gefunden: kein schmieriger Metzger, der sich fünf Wochen nicht rasiert oder gewaschen hat, sondern der eher kleinwüchsige Ex-Hobbit, der als kaputter Großstadtslacker daherkommt. Angesichtig wird man seiner nur in Spiegelungen, Rückspiegel, Deckenspiegel, Badezimmerspiegel – da zeigt der Mime sein unendlich müdes, gebrochenes Bild und bringt eine unerwartete Tiefe in den scheinbar unkreativen und wagemutigen Part.
Da droht natürlich, das Remake als technische Spielerei und Fingerübung abzutun, allerdings tauscht Franck Khalfoun recht geschickt, das heruntergekommene New York gegen die Anonymität einer hypermodernen Metropole, mit düsteren, zu oft menschenleeren Seitenstraßen einzutauschen.
Das ist die bewährte Wahl, wenn es auch eher unwahrscheinlich daherkommt, daß eine zentrale U-Bahnstation nächtens komplett menschenleer daherkommt und selbst autounterstützte Befreiungsversuche mit groben Unfällen scheinbar unbemerkt von statten gehen können.
Heraus kommt dabei ein wirklich komplett humorloser Film, der nicht den Fehler begeht, den Gewaltfaktor immer weiter raufzusetzen, sondern sich am psychischen Verfall der Hauptfigur und dem Versuch einer Beziehung zu einem anderen Menschen abarbeitet. Funktionabel ist das von Seiten der weiblichen Hauptfigur vielleicht noch, wirklich gut nachvollziehbar in Anbetracht des verklemmten Verhaltens Woods auf keinen Fall.
Wenn denn dann doch zum Messer gegriffen wird und man an den Opfern herumskalpiert, dann ist das zwar schon recht graphisch, aber mitunter etwas einfach und überschnell gemacht, wenn der Hänfling nach dem ersten Anschnitt ganze Kopfhauten mal ganz munter vom Haupte reißt.
Sofern man also vergessen kann, daß Frodo hier offenbar Gollums Schizophrenie geerbt hat und jetzt mit sich muntere Selbstgespräche führt, ist der Film visuell recht delektabel, bietet aber jetzt keinerlei Botschaft zur aktuellen gesellschaftlichen oder politischen Situation, reflektiert nicht die Moderne, spiegelt nichts wirklich. Damit kann „Maniac“ natürlich nie so ganz in die Tiefe gehen und wirklich berühren oder abstoßen – stattdessen starrt man eher fasziniert auf die oberflächliche Umsetzung und arbeitet die erwartbare Handlung Punkt für Punkt ab.
Relativ roh und unbehaglich ist das fertige Produkt auf jeden Fall und kann für sich, wenn auch aus der Zeit gefallen, durchaus bestehen, was ihn über die gängige Dutzendware stellt, auch wenn man sich nicht vorstellen kann, daß es ein (wirklich geistig gesundes) Publikum gibt, welches diesen Film liebt oder bewundert – vor den Spaß (nicht vorhanden) kommt hier eher harte und unangenehme Arbeit.
Aber vielleicht liegt ja darin die Qualität, nicht veralbern und nicht bewußt abstoßen zu wollen, sondern ein verqueres und düsteres Bild zu vermitteln. Das ist auch schon wieder Handwerkskunst. (6,5/10)