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"Ehrlich gesagt kommt mir die Sache etwas unheimlich vor."

Der schüchterne und menschenscheue Frank (Elijah Wood) lebt zurückgezogen in Downtown, Los Angeles. Tagsüber restauriert er in seinem Laden alte Schaufensterpuppen, während er nachts durch die Straßen zieht, um seinen Trieb zu befriedigen. Er lauert jungen Frauen auf, um diese bestialisch zu ermorden und zu skalpieren. Die Skalps drapiert er auf den Köpfen seiner Schaufensterpuppen, um diesen mehr Leben einzuhauchen. Eines Tages tritt die französische Fotografin Anna (Nora Arnezeder) in sein Leben. Diese ist fasziniert von seinem Können als Restaurateur und bittet Frank, ihr bei einer kommenden Ausstellung zu helfen. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Freundschaft, was Frank sichtlich gut tut. Sein zweites Ich lässt ihn jedoch nicht völligst los.

Der französische Regisseur Alexandre Aja hat sich in den letzten Jahren innerhalb der Horror-Gemeinde einen sehr guten Ruf erarbeitet. Seine gelungenen Remakes sowie der psychologisch sehr dichte Kracher "High Tension" sind bis heute angesehen. Zumindest bei einem nicht Jugendschutz orientiertem Publikum.
Für "Alexandre Ajas Maniac", der Neuauflage des Streifens "Maniac" aus dem Jahre 1980, tritt der Regisseur zwar nur als Produzent und Drehbuchautor in Erscheinung, seine stilistischen Elemente und seine Hang zum Extremen sind aber dennoch erkennbar.

"Alexandre Ajas Maniac" ist kein Film für ein Massenpublikum. Gleich mit der Eröffnungsszene macht der Horrorfilm überdeutlich, dass es hier nichts zu Lachen geben wird, keine lustig-überzogene Darstellung geboten wird und auch eher selten Luft zum durchatmen vorhanden ist. Das Remake ist mindestens so dreckig und gemein wie das Original von 1980.
Die Macher setzen hier auf extrem drastische Effekte. Die Morde und vor allem die Skalpierungen sind wirklich derb und verlangen gute Nerven. Die Qualität der Effekte liegt dabei zwischen leicht überkandiert bis zu glaubhaft schmerzhaft.

Eine Besonderheit, die wirklich gut funktioniert, ist die fast permanente Sicht aus den Augen des psychopathischen Hauptcharakters. Das Publikum selbst nimmt direkt Teil an den Taten und Wahrnehmungen von Frank, die durch Visionen auch zu surrealen Bildern führen.
Stilistisch bewegt sich "Alexandre Ajas Maniac" stets in einem rauen Umfeld. Die düstere Optik enthält jedoch einen gewissen künstlerischen Charme, der die sehr wuchtigen Morde dankenswerterweise ein wenig in ihrer Wirkung abschwächt.
Enorm stimmungsvoll gesellt sich ein pulsierender Synthesizer-Soundtrack hinzu. Da werden gleich Erinnerungen an "Drive" wach, welcher in eine ähnliche Kerbe geschlagen hat.

In weniger als 90 Minuten erzählt der Horrorfilm erwartungsgemäß keine intelligente Geschichte. Überwiegend beherrschen Standardsituationen den Film, die durch die originelle Sichtweise aber enorme Spannung aufbauen. Die zarte Romanze bringt etwas melancholisches mit und die Klischees fallen eher weniger ins Gewicht. Nur mit der Logik hapert es dann doch hin und wieder ordentlich.

Der schmächtige Elijah Wood ("Sin City", "Der Herr der Ringe"-Reihe) überzeugt trotz der wenigen Sichtbarkeit Dank seiner fast kindlichen Gesichtszüge, die kontrovers zu der Gewaltbereitschaft seiner Figur stehen. Wenn man ihn zu Gesicht bekommt dann wirkt es leer, kalt und Angst einflößend. Nora Arnezeder dagegen bleibt eher schlicht trotz größerer Sichtbarkeit.

Wer Torture-Porn oder puren Splatter erwartet, der ist hier definitiv falsch, denn "Alexandre Ajas Maniac" ist im Kern eine äußerst unschöne und brutale psychologische Studie eines kranken Geistes, die nicht nur in innovativen, sondern auch sehr schön gefilmten Bildern festgehalten ist. Die Geschichte und die Charaktere sind eher schlicht und zweckmäßig, jedoch ziehen ein famos spielender Elijah Wood sowie die hypnotische Musikuntermalung eine verstörend und kompromisslose Sogwirkung mit sich.

8 / 10

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