Review

Alexandre Ajas Maniac (2012)

Parallelen zum 80er Original sind zum einen Joe Spinell, der an den Drehbüchern beider Filme mitwirkte, William "Maniac Cop" Lustig, Regisseur des Originals, hier dann "nur" Mitproduzent, der Storyinhalt an sich, und die Tatsache das beide Titel inzwischen wegen des Paragraphen 131 bundesweit beschlagnahmt sind.

Die Herangehensweise ist jedoch eine etwas andere. Während das Original eher als dreckig-rotziger und äußerst kantiger B-beinahe-Splatterfilm daherkommt, taucht Khalfoun sein Remake in fast schon feingelackte Refnartige Bilder, einen collateralen Michael Mann und ein äußerst smoothes Soundgewand. Dies verleiht der Neuverfilmung eher den Geschmack eines Giallo. Vielleicht gerade einer der Gründe warum der Film so wirkt, schmiegt er sich doch hier und da bildlich und soundig an, stößt inhaltlich aber gleichzeitig vehement ab. Stark wirkender Kontrast.

Der Zuschauer verfolgt die Story um den schizophrenen, in Selbstgespräche vertieften und Mutterkomplex behafteten Schaufensterpuppendekorateur Frank Zito fast ausschließlich aus dessen Egoperspektive und läßt ihn hautnah teilhaben an seinen brutalen Frauenmorden. Mittendrin statt nur dabei, wäre wohl ein passender Slogan für dieses nihilistische Remake. Das raubt dem Film zwar einerseits die "whodunitundvorallemwann" Spannung, löst durch dieses Stilmittel aber enormste Beklemmungsgefühle beim Zuschauer aus. Khalfoun badet dabei keineswegs im ausufernden, minutenlangen Gemetzel, sondern setzt vielmehr kurze und explizite, erfreulich sehr CGIfreie tiefe Stiche in die Augen des Beobachters. In diversen kleineren Rückblenden, die Frank als Kind in Interaktion mit seiner gewalttätigen, erziehungsunfähigen und herumhurenden Mutter zeigen, wird das "warum" ausreichend gezeichnet und bedarf aus meiner Sicht keiner weiteren Erklärung. Die Egoperspektive, die des Öfteren sichtfeldeingeschränkt und verschwommen gefilmt ist, spiegelt Franks innerliche Zerrissenheit gekonnt wieder. Selten sieht man Frank selbst, meist nur als verzerrte Spiegelansicht oder mit blutigem Skalp in der einen und Messer in der anderen Hand wie er sich in einem Auto spiegelt, nebenbei eine kleine Hommage an das Original Maniac-Cover. Desweiteren könnte man als Referenz noch Q Lazarus Song "Goodbye Horses" aus Schweigen der Lämmer anbringen und natürlich Das Kabinett des Dr. Caligari, den Frank sich zusammen mit Anna, einer angehenden Künstlerin und Interessierten an seinen Schaufensterpuppen, im Kino ansieht.

Franks Unfähigkeit längerfristige Beziehungen zu Mitmenschen einzugehen und seine verzweifelte Suche nach Liebe, Zweisamkeit und der Wunsch nicht alleine sein zu wollen, zeigt sich darin dass er seine Schaufensterpuppen, mit den Skalps und Kleidern seiner Opfer verziert, als Freunde in der Wohnung "hält", sie mit ins Bett nimmt, mit Ihnen spricht und mich damit entfernt an den realen Serienkiller Jeffrey Dahmer erinnerte. Auch dieser Maniac versuchte seine Opfer nicht einfach "nur" zu töten, sondern experimentierte an Ihnen herum, bohrte ihnen die Köpfe auf, schüttete Säure hinein und wollte sie so am Leben erhalten. Einerseits zwar um sie als Sexklaven zu nutzen, aber auch um sie zu unwilligen und für immer bei ihm bleibenden "Freunde" zu machen.

Das Ende weicht vom Original leicht ab, haut einem aber nochmals kräftig eine schockige und gelungene Schlusspointe um die Sinne.

Alles in allem ein weiteres, ordentliches - von mir generell nicht sehr geschätzten - Remake (nach den "blutigen Augenhügeln"), bei dem Alexandre Aja zwar nur als Drehbuchautor und Produzent fungierte, dessen Handschrift aber auch hier deutlich zu spüren ist.

Elijah Wood beweist einmal mehr dass man ihn nicht nur auf seine alles überstrahlende Rolle als Ringschlepper-Hobbit festlegen darf. Er ist nämlich nicht nur der schnuckelige Frodo sondern hat durchaus weit mehr drauf, für mich eine sehr gute Wahl, wenn er auch nicht ganz an den Original-Maniac Joe Spinell herankommt.

Fazit: Gelungen in die Neuzeit transportiertes Remake eines von jeglichem Humor befreiten, düsteren und dreckigen 80er Klassikers

Wertung: 7,5 von 10 verpuppten Migräneanfällen

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