Nach dem von Publikum und Kritik mit Kußhand aufgenommenen Accident (2009) Zweiter Teil der Partnerschaft zwischen Soi Cheang als Regisseur und Johnnie To samt ausführender Milkyway Image (HK) Ltd. als Produzent, wobei die Planung der fortführenden Kollaboration und auch des Projektes schon genau seit ehedem bestand. Die lange Phase der Herstellung und sein verzögerter Release sowie die Konkurrenz aus dem Ausland führten dazu, dass Motorway mittlerweile, obwohl eher visualisiert als in Spur und Fahrtwind zu Drive (2011) angesehen und zuweilen auch indirekt entsprechend vermarktet wird. (Zumal der Originaltitel gleichsam mit 'Driver' die Erinnerungen proklamiert).
Hier wie dort ist zwar die Faszination für die Autos und die Künste damit durch die Fahrer sowie ein starker formeller Stil mit der Besonderheit für eine fühlbare Verkörperlichung des Geschehens und die Genregeschichte als Umrandung dessen zu eigen, die Werke ansonsten aber unabhängig voneinander und eigenständig in Ton und Bild:
Verkehrspolizist Chan Cheung [ Shawn Yue ] hat sich im Gegensatz zu seinem älteren, bald pensionsreifen Kollegen Lo Fung [ Anthony Wong ] noch nicht die nötige Ruhe und Routine für seinen Job an der Kowloon East Police Station erarbeitet, was Beiden Männern alsbald zum Rüffel vom Vorgesetzten Chong [ Gordon Lam ] und Madam Wei [ Josie Ho ] und zusätzlich zur Bedrohung heranwachsen soll. Nach der Festnahme des die Verkehrsregeln grob missachtenden Festlandchinesen Jiang Xin [ Guo Xiaodong ] stellt sich erst im Gefängnis dessen wahre Identität heraus, wurde dieser doch zur Befreiung des kurz zuvor inhaftieren Huang Zhong [ Li Haitao ] vom Gangsterboss Tan Yi [ Li Guangjie ] instruiert. Eine Verfolgungsjagd quer durch Hong Kong, mit verheerenden Material- und Personenschäden auf beiden Seiten schließt sich an.
Im Gegensatz zum Vorgänger ist die Geschichte und seine Behandlung hierbei weit weniger wichtig als der reine Machtspruch der Inszenierung dessen und die so der optische Charakter darin. Trotz einiger lokaler Größen (wie Joe Chu oder Bruce Law) als Choreographen für Autostunts und mancher, weniger Beispiele für ausgebreitetes Können mit eher Kürze und Nachdruck als längere Materialschlachten, ist das Hong Kong Kino alles Andere als wirklich für Geschwindigkeitsüberschreitungen und Verfolgungsjagden auf vier Rädern bekannt. Hier genau um dieses Katz-und-Mausspiel in totaler Kontrolle, von An-, Auf- und Abtrieb auf den Strassen gelegt, dreht sich die Handlung scheinbar - nicht im Grunde - auch nur um die ständig erweiterten Konfrontationen; sämtliches Drumherum mit meist mit stoischer Miene und dem Nötigsten an Erklärung und Motivation gelegt. Ein handelnder, und ein denkender Kopf. (Mit Ausnahme eines vernachlässigenwertens, dadurch auch ärgerlich unnötigen Subplot mit einer Ärztin, gespielt in drei Auftritten m Cameo von Barbie Hsu.)
Auch in der Besetzung mit Yu als nassforschem Ungestüm und Wong als gereifter Ausbilder als Klischee und den Ergänzungen dazu sowie in der Charakteristik als auch den Dialogen mit dem Mindestmaß, dies natürlich ehemals aus dem Eastern und der Kung Fu - Formel vom Lehrmeister und dem nach und nach aus dem Training reifenden, bislang voll Testosteron blinden Schüler formuliert, sticht der Film eher als existenzialistisch - minimalistisches Wunderwerk von Adrenalin und Einsamkeit, von Anmut, Geschicklichkeit, Besessenheit zugleich in das Gemüt. Der Beginn der Hatz, in der selten bis nie die reine Aggressivität zählt, ist genau zur dunklen Nacht. Die Austragung der wahrhaftigen ersten Manöver, im selben Moment mit Eleganz und tödlicher Wucht versetzt, finden erst in menschenleeren, schlecht beleuchteten und teilweise unzugänglichen Strassen und darauffolgend im völlig abschotteten Hügelgelände vor den Toren der Stadt, wie im im verlorenen film noir Paradies statt. Am (Vor)Tage und der Einführung der Konstellation und baldigen Kollision noch in das Stahlblaue verfärbt, sieht man außer den Lichtern der Wagen, dem Wenigen an Zuspruch der Straßenlaternen und dem Qualm von Reifen und Motoren bald nichts mehr. Spätestens im Finale, welches in einem uneinsehbaren, auf jeder Etage und nach jeder Kurve gleich aussehendem, bald nachtblinden Parkhaus als einem endzeitähnlichen Labyrinth aus der Hölle stattfindet, löst sich das Jetzt vollkommen in die verlorene Hypnose auf hinter dem Lenkrad als einzigen Halt und dem Autoinneren als Käfig und letzte, darin angebundene und schließlich gefesselte Ruhestätte auf. Eine faszinierend wohlige, schaurige, sensuell sowieso lyrisch und gleichzeitig bis in das Extrem technisierte Disposition, mit der Seele in das Objekt und dadurch auch wieder in das Subjekt.
Gerade die Vereinbarung zwischen Wong als alten Hasen im Stall, und seine Innerlichkeit als Lehrer und als Vater-Ersatz löst neben der hier zur Mythologie erhöhten Kunst des Ausbremsens und Abdrängens, die neben Reifenspuren und Autowracks bald auch Verletzte und Tote hinterlässt, eine wahrhafte Existenz des Filmes aus. Technisch sowieso hervorragend, durch zuweilen glorreichen Zeitlupen, der Stille vor dem Aufprall und überhaupt Annehmlichkeiten der Montage in Acht und Bann und bis zum Fetisch hin, weniger bis nicht als Publikumsspektakel wie Connected (2008), fast eher wie die (bisweilen gottesverlassene, erschreckende) Poesie von Initial D (2005) als die beiden aktuellsten einheimischen Beispiele mit Bedeutung fasziniert.