Teenager kann man im Dutzend meucheln, bei Kindern ist das so eine Sache, da wird die Selbstzensur meistens aufmerksam und die Mütterverbände gehen auf die Barrikaden. Das will doch keiner.
Also haben die „bösen Kinder“ seit „The Bad Seed“ nie wirklich Konjunktur gehabt, sondern sind eher sporadisch in der Filmgeschichte aufgetaucht, wobei man sich meistens sehr individuelle Gründe einfallen lassen musste, um die Kinder zu „Spezialfällen“ zu verfremden (Schizophrenie, Zwergenwuchs, Satan himself).
Hier greift man zum „unter einem bösen Stern geboren“ und führt die astrologische Konstellation ins Feld, dazugerührt wird noch eine (völlig unschuldige) Sonnenfinsternis zur Stunde der Geburt dreier Kinder, die angeblich der selige José Ferrer zur Welt bringt, der damit seinen Dienst am Film und an der Namensnennung auch schon erledigt hätte.
Das kann natürlich nur eins bedeuten – allein, wir wissen nicht, was!
Auf jeden Fall haben wir pünktlich zehn Jahre später drei herzerfrischend soziopathische Kackbratzen, die mit totaler Unschuldsmiene gern mal ihre Familie und die Nachbarschaft dezimieren. Anführerin ist das Blondengelchen Debbie, die schon mit zehn Jahren einen so kurzen Faltenrock tragen darf, dass man gar nicht wissen will, wie sie mit fünfzehn sein wird. Mit Steven haben wir dann noch einen harmlos wirkenden Blondschopf mit Unschuldsgesicht (der offenbar bewusst etwas im Hintergrund gehalten wurde, wenn es um die Spielanteile geht und er hat auch sehr wenig Text), der meistens mit einem Messer rumfuchteln darf.
Den heimlichen Vogel in diesem Trio schießt aber Brillenschlange Curtis ab – gespielt übrigens von Billy Jayne, den man vielleicht noch als besten Kumpel Mickey aus „Parker Lewis“ kennen könnte – der mit reichlich Killerinstinkt und breit grinsender Überheblichkeit aus Menschen Schweizer Käse schießt.
Die drei haben viel vor und meucheln sich fröhlich durch die Gegend. Besonders gut durchdacht sind da der als Treppensturz getarnte Vatermord am Sheriff höchstpersönlich, die Hinrichtung der fiesen Lehrerin (hier darf immerhin Susan Strasberg dran glauben) und der Mord an der eigenen Schwester.
Bis es jeweils soweit ist, lässt sich Regisseur Ed Hunt viel Zeit mit Spannereien (der Kinder und damit der Zuschauer) bezüglich der nackten Möpse von Julie Brown und den ausgiebigen Vorbereitungen.
Das ist dann auch eine nette Abwechslung, denn die „gute Seite“ ist hier leider nicht halb so interessant wie die böse: unser Kinderheld Timmy Russel (echt jetzt?) ist mit naiv und schwerlich lernfähig nur unzureichend beschrieben, hat zwischendurch aber mal helle Momente, in denen er Killer Curtis die Fresse poliert. Leider ist seine große Schwester Joyce die eigentliche nominelle Hauptfigur und Darstellerin Lori Lethin (die immerhin wohl ihre eigenen Stunts machte), ist mimisch leider eine Gurke und lächelt den ganzen Film entschuldigend ihre mangelnde Wirkung und die Drehbuchschwächen weg, die ihre Figur als ziemlich begriffsstutzig wirken lassen.
Dennoch ist „Bloody Birthday“ leidlich spannend (vor allem eine Geburtstagsparty und eine längere Sequenz in der Curtis Timmy in einen alten Kühlschrank auf einem Schrottplatz sperrt) und punktet mit einem knalligen Belagerungsfinale, in dem Hunt leider nicht den Hahn voll aufdrehen darf und daher die Killer ohne Splatter ausgeschaltet werden müssen. Leider wirkt das dann nicht immer überzeugend, aber immerhin sehr dramatisch.
Mir hat „Bloody Birthday“ wegen angenehmer Kurzweiligkeit dennoch streckenweise richtig Spaß gemacht, aber zu einem richtigen Kinoeinsatz reichte es nicht und der Film wandert für Jahre ins Regal und kam erst 1986 zu Videoehren. Weswegen auch der Schlussgag nie zu einer Fortsetzung führte. Sollte man ruhig mal irgendwo ausgraben! (6/10)