Eine Gruppe militanter Tierschützer stürmt ein Versuchslabor und lässt Affen, an denen ein neues Virus getestet wurde entkommen und verursacht damit eine Massen Epidemie. 28 Tage später erwacht ein Fahrradkurier, gespielt von Cillian Murphy, aus dem Koma und findet sich in einer vollkommen neuen Welt wieder, in der die Infizierten als blutrünstige Bestien umherlaufen. Zusammen mit zwei anderen Nicht-Infizierten, die ihm das Leben retten, beginnt nun der Kampf ums Überleben.
In jeglicher Hinsicht ist "28 Days Later" ein ganz besonderer Horror-Film und im Wesentlichen ist dies Danny Boyle zu verdanken, der mehr als nur einen billigen Splatterfilm mit leicht bekleideten Hauptdarstellerinnen und einem Schuss schwarzen Humor liefern wollte, wie sie mittlerweile beinahe wöchentlich erscheinen. Stattdessen schafft der Kult-Regisseur, der vor allem mit seiner Kult-Grotesken "Trainspotting" in Erscheinung treten konnte, aber zuletzt mit "Lebe lieber ungewöhnlich" und "The Beach" eher Durchschnittsware lieferte und nun mit "28 Days Later" wieder in seinem Heimatland drehte, eine hervorragende Mischung aus einem spannenden Horror-Splatter-Film und einem visionären und verstörenden Endzeit-Drama und liefert somit den besten Genre-Beitrag seit Langem.
Boyle drehte den Film über weite Strecken mit Handkamera und dies entpuppt sich durchaus als gute Idee, da der Film so noch schneller und die Situation noch bedrohlicher wirkt und er einen noch höheren Spannungsbogen erzielt. Die Kulisse ist nahezu perfekt, mit den Bildern leerer Autobahnen, Zugverbindungen und Landstraßen brennt er sich förmlich in das Gedächtnis des Zuschauers, darüber hinaus gibt es einige abgrundtief düstere Szenen und kaum eine Einstellung in der keine verflucht echt aussehende Leiche am Wegesrand liegt. Damit schafft Boyle schon einmal ein verstörendes und passendes Umfeld für seinen visionären Endzeit-Streifen und kreiert zudem von Anfang an eine gespannte Atmosphäre. Die Splatter-Szenen passen damit ganz gut in den recht heftigen Film und im Gegensatz zu anderen Splatterfilmen ist es diesmal nicht die Anzahl der blutigen Szenen, die einem einen kalten Schauer über den Rücken laufen lässt, sondern viel mehr der Realismus und die Brutalität, mit der sie inszeniert wurden. Die gespannte Gitarrenmusik passt ebenfalls sehr gut in den Film und erzeugt neben der bedrohlichen Atmosphäre das Gefühl von Hektik und beschleunigt den Film vor allem beim Finale immer weiter. Das Erzähltempo ist anfangs recht langsam, womit Boyle den emotionalen Zugang in den Film genehmigt, dann wird es zunehmend schneller und Boyle steigert Spannung und Dramatik enorm hoch, bis er beides kurz vor Schluss geschickt entlädt. Die gesellschaftskritischen Ansätze bringt er ebenfalls sehr gut rüber und verzichtet gänzlich auf den schwarzen Humor anderer Splatter-Filme. In der zweiten Hälfte des Films erzeugt er kurzfristig Leerlauf, die Love-Story lässt er ein bisschen zu aufgesetzt wirken und stellenweise ist der Film zu brutal, sodass der dramatische und vielschichtige Ansatz mit Blut und Gedärmen verdeckt wird, dennoch ist "28 Days Later" der beste Zombie-Film den ich je gesehen habe, auch wenn es ihm eigentlich nicht gerecht wird, wenn man ihn als solchen bezeichnet.
Das Drehbuch ist ebenfalls ausgezeichnet und meistert den schmalen Grat zwischen Horrorfilm und Endzeit-Drama perfekt. Die Auswirkungen einer solchen Epidemie werden hervorragend dargestellt und die ganze Zeit über in einem realistischen Rahmen gehalten. Als Horror-Film macht "28 Days Later" ziemlich viel her und beeindruckt durch ein paar innovative Ideen und auch als Drama funktioniert der Film, der menschliche Abgründe in Extremsituationen perfekt darstellt und dennoch die ganze Zeit über einen Funken Hoffnung aufrechterhält. Die Charakterkonstruktion ist alles in allem solide und besonders wichtig ist dabei, dass die Hauptfiguren dermaßen sympathisch konstruiert sind, dass auch der emotionale Zugang zum Film stimmt. Vor allem in der zweiten Hälfte gibt es noch ein paar intelligente und vielschichtige Dialoge über den Menschen und die Epidemie und damit stimmen die Gesellschaftskritik und der Blick in seelische Abgründe des Menschen perfekt und das gelungene Endzeit-Drama wird abgerundet.
Da sein Budget recht beschränkt war, musste Boyle auf unbekannte Darsteller zurückgreifen, die sich aber alles in allem solide, wenn auch nicht perfekt, verkaufen. Cillian Murphy, der später in "Sunshine" erneut unter der Regie von Danny Boyle spielte und durch "28 Days Later" einen erheblichen Karriereschub bekam, spielt solide, ist für seine Rolle sympathisch genug und spielt vor allem in der zweiten Hälfte, in der er auszurasten beginnt sehr stark, auch wenn er mit den wenigen Liebes-Szenen überfordert ist. Naomi Harris, ebenfalls sehr sympathisch, spielt auch überzeugend, und meistert emotionale Momente und Splatter-Szenen gleichermaßen. Der übrige Cast kann sich ebenfalls sehen lassen, wobei vor allem Brendan Gleeson als liebenswerter Vater und Christopher Eccleston als, sich ganz seiner Utopie hingebender Soldat, überzeugen können.
Fazit:
Mit "28 Days Later" schuf Danny Boyle definitiv mehr, als nur einen Splatterfilm. Über die hervorragenden Splatter-Sequenzen und die beeindruckende Kulisse hinaus, kann Boyle einige gesellschaftskritische Ansätze mit einbringen und ein realistisches Bild auf die Auswirkungen einer solchen Epidemie, sowie einen Blick in die Abgründe der menschlichen Seele werfen. Damit gelingt ihm der beste Genre-Beitrag seit Langem, der gleichermaßen Spannung und Dramatik aufbaut und zutiefst verstören kann, auch wenn der Cast eher auf mittelmäßigem Niveau agiert.
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