Die Handlung von 28 Days Later ähnelt zwar sehr stark der anderer Zombiefilme, hebt sich aber deutlich vom Durchschnitts-Horror ab. Zu verdanken hat man das der unglaublich dichten, teils merkwürdigen und angsteinflößenden Atmosphäre, die sich im leergefegten London zu Beginn des Films ausbreitet. Danny Boyle hat einen Horrorfilm der Extraklasse erschaffen, in dem es nicht einfach nur um das Abschlachten Infizierter geht, sondern vielmehr um den Überlebenstrieb des Menschen. Zudem hat er besonders viel Wert auf seine Atmosphäre, die mindestens genauso dick ist wie eine Betonmauer, gelegt.
Die Story dürfte wohl jedem bekannt sein, weswegen ich an dieser Stelle keine Inhaltsangabe schreiben werde. Umsetzung, Darsteller, Setting und Atmosphäre sind hundertprozentig aufeinander abgestimmt. Daran gibt es nichts zu bemängeln. Allerdings wird zu keinem Zeitpunkt wirklich aufgeklärt, woher das Virus kommt. Zum Teil kann man sich denken, dass das Virus von den Affen, die in dem Labor mit Wut infizierten, ausgeht, jedoch ist nicht klar, warum diese Tiere ausgerechnet mit einem derartigen Virus infiziert wurden. Es heißt nur, dass man zuerst verstehen muss, wenn man heilen möchte. Na toll, aber dann hätte logischerweise auch etwas Anderes injiziert werden können. Das wäre aber schon der einzige Kritikpunkt, den ich diesem Film vorhalten möchte.
Die Einstellungen des verlassenen Londons und der Autobahnen tragen positiv zu der bedrückenden Atmosphäre bei. Man möchte nur ungern mit "Jim" (Cillian Murphy) tauschen, denn wer wacht schon gerne in einem Krankenhaus auf und weiß überhaupt nicht was los ist!? Untermalt wird das Ganze eindrucksvoll von einem langsamen, aber schleichenden Soundtrack, der das bedrückende Gefühl, das sich während des Filmes breitmacht, wundervoll verstärkt. Als "Jim" dann auf die ersten Überlebenden trifft (u.a. "Selena" (Naomie Harris)) entwickelt sich 28 Days Later nicht etwa zu einem großen Schlachtfest, nein, Danny Boyle hält an seiner Priorität (die Atmosphäre) fest und lässt seinen Film zu einem echten Alptraum werden. Natürlich wird auch der hiesige Gore-Fan bedient, gibt es doch die ein oder andere blutige Szene zu sehen, welche allerdings relativ schnell geschnitten sind, sodass man gerade eben genug zu sehen bekommt.
Schließlich treffen "Jim" und "Selena" auf weitere Überlebende (Brendan Gleeson und Megan Burns), die sich in ihrer Wohnung in einem Hochhaus verschanzt haben. Zusammen machen sie sich auf den Weg, ein paar Soldaten, die sich in der Nähe von Manchester einen Stützpunkt aufgebaut haben, aufzusuchen. Sie haben deren Übertragung übers Radio empfangen. Nun kommen gerade Fans des blutigen Filmgeschehens voll auf ihre Kosten. Mehrfach wird das von Stacheldraht umzäunte Gebäude von Infizierten attackiert. Aber auch hier sind die Schnitte dermaßen schnell, dass man nicht gerade viel Blutiges erhaschen kann. Das finde ich nicht weiter schlimm, denn die dichte Atmosphäre bleibt so weiterhin erhalten und wird gegen Ende, als es anfängt zu regnen, sogar noch verstärkt.
Etwas merkwürdig fand ich aber, dass "Jim" am Ende urplötzlich zum Rambo wird, nur weil sich die Soldaten über "Hannah" und "Selena" hermachen wollen. Natürlich muss er sie irgendwie retten, aber wäre es nicht logischer gewesen, wenn er dies auf eine andere Art und Weise versucht hätte?! In einer solchen Situation (überall Infizierte, keine Rettung in Sicht) würde ich wohl nicht unbedingt an meine Zukunft denken, sprich: Wie kommen die Soldaten auf die Idee, sich fortpflanzen zu müssen? Oder soll das nur eine Ausrede dafür sein, dass sie mal wieder das Bedürfnis verspühren, einen zu "versenken"?
Trotz dieser kleinen Schwächen im Plot, hebt sich 28 Days Later gekonnt von der restlichen "Zombie-Brigade" ab und besticht vor allem durch seinen enormen Spannungsbogen, den genialen Soundtrack und einer abartig guten Atmosphäre. Ein großes Gemetzel sollte jeder, der diesen Film noch nicht gesehen hat, jedenfalls nicht erwarten. Ein paar blutige Szenen bekommt man dennoch, zumindest ansatzweise, zu sehen. Dieser Film ist eine echte Atmo-Bombe - und mit Sicherheit nichts für schwache Nerven!
8,5/10