Dieser Film wird von vielen missverstanden, da sich dummerweise Marketingstrategen wie auch Filmkritiker dazu hinreißen lassen, bei diesem Horrorfilm von einem ZOMBIE-Film zu sprechen! 28 Days later ist definitiv KEIN Zombiefilm!
Der Film besticht durch eine kalte Atmosphäre.
Das Grauen wird oftmals nur angedeutet und spielt sich mit einer erschreckenden Eigendynamik im Kopf des Betrachters ab - dies wird in den kurzen und sehr harten Gewaltszenen deutlich.
Die oftmals verpönte Handkamera erzeugt einen Doku-ähnlichen Stil, der durchaus beabsichtigt ist und seine Wirkung beim Zuschauer nicht verfehlt.
Natürlich hat der Streifen die schon oft erwähnten Logikfehler - aber Horrorfilme sind normalerweise ein Genre, das mehr nach visueller Aussagekraft denn nach einem oscarverdächtigem Handlungsstrang schreit.
Die Zuschauer wollen von einem Horrorfilm schockiert und mitgerissen werden - hier liegt eindeutig die Qualität dieses Filmes.
Gorehounds, die auf Splatter like WOODOO oder ZOMBIE stehen, werden hier nicht bedient - obwohl mich die sekundenweise Gewalt in 28 Days later nachhaltiger beeindruckt hat als das "Gematsche" in einschlägigen Filmen.
Der Film ist Low-Budget auf hohem Qualitätsniveau.
Die Schnitt- und Aufnahmetechnik ist extra rasant eingesetzt, um das Adrenalin des Zuschauers zum Kochen zu bringen.
Es wäre fatal, diesen Film kritisch "abzuschießen", nur weil er mit Romeros Werken verglichen wird.
Wie gesagt, es ist ein schwerwiegender Fehler von einem Zombiefilm zu sprechen, weil kein einziger Zombie zu sehen ist.
Rasend wütend Infizierte stürzen sich brutal mordend auf nicht-infizierte Menschen, um sie mit ihrem Virus-verseuchten Blut zu infizieren ... das klingt nicht nach einem Zombiefilm, oder???
Wenn schon ein Vergleich mit einem George A. Romero-Film, dann gewiss nicht mit ZOMBIE sondern mit seinem Endzeitthriller THE CRAZIES.
In THE CRAZIES lässt Trinkwasser, das mit einem bakteriologischen Kampfstoff verseucht wurde, die friedlichen Bewohner zu rasenden Bestien werden ... klingt vergleichbarer, oder ???
Ein naher Vergleich ist auch der brillante Endzeit-SF-Film mit Charlton Heston als OMEGA MANN.
Fazit: Zuschauer, die von dem verwässerten Teenie-Horror, der in den letzten Jahren über die Leinwand flimmerte, endlich genug haben, sei dieser Film ans Herz gelegt:
28 Days later ist ein Erwachsenen-Horrorfilm, wie schon lange nicht mehr ... und KEIN Zombiefilm!