Christopher Walken spielt den Cellisten eines professionellen Streichquartetts, der an Parkinson erkrankt. Da es ihm ein Anliegen ist, dass das Quartett weiterbesteht, sucht er bereits nach einem passenden Ersatz. Umso mehr bedrückt es ihn, dass sich die anderen Musiker zunehmend zerstreiten. Die Violinistin, gespielt von Catherine Keener, gerät in Streit mit ihrem Mann, gespielt von Philip Seymour Hoffman, der es wiederum Leid ist, die zweite Geige im Quartett zu spielen. Als sie hinter seinem Rücken mit dem ersten Geiger, gespielt von Mark Ivanir, intrigiert und ihr erboster Mann sie daraufhin mit einer Tänzerin betrügt, stehen die Musiker vor einem Scherbenhaufen.
Ein Blick auf den Cast reicht aus, um von „Saiten des Lebens“ von vorneherein gelungenes Schauspielkino zu erwarten und auf dieser Ebene hält das Musiker-Drama dann auch, was es verspricht. Christopher Walken, um den es in den letzten Jahren zunehmend ruhiger geworden ist, spielt noch einmal ganz groß auf. Der Oscar-Preisträger mimt den Witwer, der mit seiner Erkrankung einen neuerlichen Schicksalsschlag einstecken muss, mit Würde und ohne jede Verbitterung, was ihn vor allem in der ersten Filmhälfte zum dramaturgischen Dreh- und Angelpunkt des Geschehens macht. Das tiefe Bedauern darüber, dass sich das Quartett immer heftiger zerstreitet, könnte er im weiteren Verlauf nicht besser zum Ausdruck bringen.
Das heißt aber nicht, dass die anderen Charaktere uninteressant oder die Darsteller weniger überzeugend wären. Dies kommt vor allem im weiteren Verlauf des Films zum Tragen, wenn nach der Hiobsbotschaft die seit langer Zeit vor sich hin brodelnden Konflikte und Eitelkeiten im Quartett offen ausbrechen, zumal die Musiker nicht nur beruflich, sondern auch privat eng verbandelt sind. Philip Seymour Hoffman und Catherine Keener brillieren dabei als zunehmend zerstrittenes Ehepaar, dessen Differenzen nun ebenfalls nicht mehr zu unterdrücken sind, während der vierte im Bunde, der ehrgeizige erste Geiger, die Gruppe mit voller Hingabe zur Musik allein nach seinem Willen anführt. Er wird von einem herrlich humorlosen und verkrampften Mark Ivanir verkörpert, dem die Rolle auf den Leib geschneidert ist.
Regisseur Yaron Zilberman ist so letztendlich ein interessantes Portrait einer sich auflösenden Gruppe gelungen. Die Stärke des Films liegt darin, die ausbrechenden Konflikte und Dynamiken zu sezieren, ohne auf allzu umständliche Erklärungen oder Rückblenden zurückzugreifen. Lediglich kurze Interview-Schnipsel mit den Musikern werden zur Orientierung benötigt, alles weitere transportieren die Schauspieler und die guten Dialoge. Zilberman leistet zudem auch erzählerisch solide Arbeit, sodass keine Längen aufkommen, wenngleich der Film vor allem zum Ende hin auch mal ein wenig auf der Stelle tritt. Ärgerlich ist aber, dass meist schon früh absehbar ist, wer vermutlich bald mit wem im Bett landen wird, womit die gesamte Dramaturgie meist schon vorgezeichnet ist. Letztendlich kommt so leider keine echte Spannung auf. Das allzu versöhnliche Ende ist abschließend auch alles andere als konsequent.
Den Film mit klassischer Musik aus der Feder Beethovens zu unterlegen, kann in Anbetracht der Thematik als stimmig gelten, die Musik verkommt darüber hinaus aber keineswegs zum Selbstzweck, sie ist jederzeit so gewählt, dass sie die aktuelle Stimmung gelungen unterstreicht. Zilberman versucht aber noch einen Schritt weiterzugehen, die Elemente der Musik auf die Dynamiken in der Gruppe zu übertragen, also Parallelen zwischen der Kunst und dem Leben zu ziehen. Das wirkt jedoch meist eher gewollt intellektuell und überheblich, macht den Film dementsprechend punktuell unnötig sperrig.
Fazit:
„Saiten des Lebens“ punktet vor allem mit seinem großartigen Darstellerensemble und wirft einen eindringlichen Blick auf die Eitelkeiten und Differenzen, die sich in einem Streichquartett über die Jahre aufgestaut haben, um sich nun mit aller Gewalt zu entladen. Da vieles vorhersehbar ist, bleibt es aber bei gehobenem Mittelmaß.
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