Review

Bestimmte Gebäude strahlen für Horrorfreunde immer wieder eine gewisse Anziehungskraft aus, weil mit ihnen düstere Ereignisse aus der Vergangenheit verbunden werden. Leerstehende Krankenhäuser, Heime oder Gefängnisse werden nun mal vom Durchschnittsbürger eher seltener von innen betrachtet, was entsprechende dunkle Phantasien anregt. Bei den Gebrüdern Rasmussen hat dies beim ersten Versuch augenscheinlich nicht so recht geklappt.

Eine Filmcrew versucht ein wenig Budget einzusparen und will die letzten Takes in einer seit sechs Jahren verwaisten Psychiatrie drehen. Schon bald entdeckt jemand Fotos von Experimenten, andere nehmen unerklärliche Geräusche wahr, bis die Crew schleichend ihre Gesinnung ändert...

Eine düstere Lokalität ist natürlich Grundvoraussetzung für Stoff dieser Art und in dieser Hinsicht bietet das verlassene Gebäude durchaus Raum für Gänsehautmomente. Ein uralter Fahrstuhl, ein paar kleine Räume mit merkwürdigen Apparaturen, kleine Luken im maroden Holzboden und halbdunkle Kellerräume schüren durchaus Erwartungen an eine dunkle Vergangenheit. Nur leider wird diese zu keiner Zeit durchleuchtet, da etwaige Flashbacks erst gar nicht bemüht werden und auch sonst nur vage Andeutungen von verbotenen Experimenten gemacht werden.

Bis dahin werden die Mitarbeiter am Set mitsamt ihren Tätigkeiten eingeführt, was insgesamt zuviel Raum in Anspruch nimmt, da bis auf den leicht tölpelhaften Drehbuchautor kein markanter Charakter auszumachen ist, während Probleme beim Dreh kaum interessant erscheinen. Indes wird versäumt dunkle Vorzeichen zu setzen, auch wenn der Tonassistent für einen Moment einen undefinierbaren Sound wahrnimmt und eine Darstellerin im Lift zusammenzuckt. Somit wirkt die Bedrohung einerseits zu vage und andererseits zu undefinierbar, da es eben kaum Background zur Vorgeschichte gibt.

Was schließlich an "Shining" angelehnt ist, sind die veränderten Persönlichkeiten der Anwesenden, die ihre Aggressionen entweder gegen sich oder andere richten, was im Verlauf recht willkürlich anmutet. Mal hämmert einer seine Stirn gegen die Wand, ein anderer zückt ein Messer und geht auf die Kollegen los, jemand rasiert sich die Haare ab oder steckt die Hand in den Mixer, während Autor und eine weitere Person aus unerklärlichen Gründen nicht von diesen Veränderungen betroffen sind und sich im letzten Drittel folgerichtig auf der Flucht durchs Gebäude befinden.

So richtig zünden will der Stoff jedoch auch mit merklicher Temposteigerung nicht, da kleinere Katz - und Maus-Spielchen kaum Spannung beinhalten und die meisten Gewalteinlagen lediglich angedeutet oder bewusst aus einem nicht expliziten Blickwinkel festgehalten werden. Des Weiteren fällt auf handwerklicher Ebene die oftmals unsichere Kamera auf, die meistens eher wahllos draufhält und bei kleinen Actioneinlagen kaum einen Moment ruhig verharren kann. Auch der Score sticht nicht sonderlich hervor und bleibt eher im Hintergrund, während von den Mimen niemand wirklich überzeugen kann, zumal nahezu sämtliche Figuren komplett blass bleiben.

So hat sich die Sache mit dem Mitfiebern auch vorzeitig erledigt, da das Drehbuch ideenlos eine aggressive Aktion an die nächste reiht, ohne dass es hierfür auch nur ansatzweise Erklärungen gäbe. Zwar bleibt es bei kleinen atmosphärischen Einlagen, doch diese reichen im Gesamtbild nicht aus, um das ansonsten unkreative Werk mit dem Interieur der verlassenen Psychiatrie zu übertünchen.
Lahm aufgezogen, uninspiriert in Szene gesetzt und insgesamt mit vielleicht drei, vier halbwegs spannenden Momenten beileibe keine Empfehlung.
3 von 10

Details
Ähnliche Filme