Der Titel des vorliegenden Psychothrillers ist vielschichtig zu deuten, denn Interpretationsansätze reichen vom puren Fressen über das verschlungen werden, das Vertilgen oder das Auffressen, - je nachdem, aus welcher Perspektive empfunden wird.
Regisseur Greg Olliver, der die viel beachtete Doku "Lemmy" drehte, mäandert ein wenig zu lange um den Hintergrund seiner Hauptfigur herum, bis er mit einem konventionellen Plot Twist kaum mehr überraschen kann.
Lourdes (Marta Milans) ging von El Salvador nach New York, um im Edelrestaurant "Francais" genügend Geld zu verdienen, damit die Operation ihres kranken Sohnes Oliver bezahlt wird. Drangsaliert von ihrer Chefin und dem Küchenchef lässt sie sich schon bald auf sexuelle Dienstleistungen gegenüber einigen Gästen ein, während das Interieur des Restaurants immer bedrohlicher zu werden scheint und Lourdes an einen Spuk glaubt...
Die Erzählung steigt mit dem vorweg genommenen Ende ein, welches Lourdes regungslos am Boden zeigt, während die Cops die Räumlichkeiten des Restaurants untersuchen, in dem sich der überwiegende Teil der Handlung abspielt. Danach geht es zurück zum Alltag der Zentralamerikanerin, die für ihren Sohn alles tun würde und sogar üble Erniedrigungen in Kauf nimmt.
Nur leider wird man mit der in sich gekehrten Hauptfigur nur schwer warm, Kommunikation findet zu selten statt, die zahlreichen kurzen Telefonate mit Mutter und Sohn runden kaum ab und lediglich dem Gesicht der jungen Frau ist ab und an der unter Druck stehende Gemütszustand abzulesen.
In Sachen Spuk hält sich die Chose weitgehend zurück, auch wenn ab und an unerklärliche Geräusche wahrzunehmen sind, Türen plötzlich verschlossen erscheinen oder unheimliche Gestalten durch die Küche wandeln. Die Sicht der Überwachungskameras macht früh und unmissverständlich klar, dass Lourdes eine etwas anders gelagerte Wahrnehmung hat, was entsprechend schnell auf etwaige Wendungen deutet und nicht allzu intensiv miträtseln lässt.
Die unbehagliche und düstere Atmosphäre des Restaurants kommt phasenweise recht effektiv zur Geltung, die versierte Kamera mit einigen Nahaufnahmen und effektiven Blickwinkeln schürt ebenfalls die dichte Stimmung, nur die allgemeine Ereignislosigkeit trügt das Geschehen gewaltig, denn auch wenn Hauptdarstellerin Milans stark performt und der Score innerhalb seiner Zurückhaltung genau die passenden Akzente setzt, so wiederholen sich viele Fragmente mit der Zeit, während die vermeintliche Auflösung bereits deutlich erahnbar ist.
Interessante Themen erweitern das Treiben indes, denn es geht um die Kluft zwischen der dekadenten Gesellschaft und den schuftenden Arbeitern unterhalb eines Mindestlohnes, aber auch Themen wie Schuld und Verantwortung stehen im Fokus, was der Showdown mit kurzen blutigen Einstellungen in beinahe symbolträchtige Bilder verpackt.
Am Ende geht es zurück zum Intro und auch wenn der Twist von einigen Logiklöchern und Ungereimtheiten begleitet wird, vermag er weite Teile des bis dato eher einseitigen Treibens ein wenig kaschieren.
Grundlegend sollte man sich als Genrefan auf die ruhige und düstere Stimmung einlassen können, um die Angelegenheit einigermaßen aufmerksam zu verfolgen, denn wirklich spannende Momente finden sich selten und auch die rar gesäten Spukeinlagen erzeugen nicht gerade Gänsehaut. Wer mit der Hauptfigur warm wird, ist dabei eindeutig im Vorteil, denn das dürfte aufgrund mangelnden Hintergrundes und ausbleibender Kommunikation nicht jedem leicht fallen. "Devoured" hat seine Momente, jedoch zu wenige, um als eindeutige Empfehlung durchzugehen.
5,5 von 10