Review

"Empire of Nightwalkers" klingt zwar nach epischer Action im Vampirmilieu, doch damit verspricht der deutsche Verleih mal wieder mehr als der im Original betitelte "The Caretaker".
Die Mischung aus Endzeitdrama und Vampirfilm ist eher etwas für Freunde ruhigerer Gangart, - sofern man so etwas im Bereich der Blutsaugerfilme überhaupt sehen will.

Mount Ophir ist ein ländlich gelegenes Kaff irgendwo in Australien. Seit einiger Zeit grassiert eine merkwürdige Epidemie in der Gegend, was zunächst als eine mutierte Form von Grippe abgetan wird. Als eines Abends jedoch eine Bar von blutrünstigen Psychopathen überfallen wird und sich ein paar Überlebende in ein angrenzendes Haus retten können, müssen sie einen Deal mit einem Blutsauger eingehen: Er schützt sie nachts vor angreifenden Vampiren, sie schützen ihn vor rachsüchtigen Menschen...

Die Handlung setzt ein wenig fahrig ein und präsentiert drei parallel ablaufende Handlungsstränge: Annie und Guy beim Campen, einige Leute um Ron in einer Kneipe und das Haus von Lester, der soeben Besuch von Vampirarzt Grainger erhält, welcher wiederum nach der infizierten Mutter sehen soll. Bei alledem kristallisiert sich allerdings nicht ansatzweise ein Sympathieträger heraus, denn Annie ist nur am Zetern, Ron wettert gegen die Frauenwelt im Allgemeinen und auch Lester und Grainger verfolgen ihre ganz eigenen Interessen, während die übrigen Figuren zu schwach gezeichnet sind, um überhaupt Interesse zu wecken.

Das größte Manko der Erzählung ist die ausbleibende Bedrohung durch die Vampire, denn nach einem kurzen Angriff in der Kneipe folgt rein gar nichts mehr. Obgleich die Überlebenden das Haus verbarrikadieren und es nur tagsüber verlassen, gibt es fast keine Konfrontationen zwischen Mensch und Vampir, lediglich der verwandelte Grainger huscht einige Male in Fast Forward durch die Kulisse und erledigt gerade mal zwei Kontrahenten.
Auch in Sachen Gewaltdarstellung wird das Level auf ein Minimum gefahren, denn bis auf angedeutete Halsbisse, ein wenig CGI-Blut und lediglich akustisch wahrnehmbare Genickbrüche gibt es nichts an Splatterszenen.

Als Drama ist die Chose hingegen zu schwach konzipiert, denn für einen Belagerungszustand bedürfte es einer spannenden Figurenkonstellation mit Reibungspunkten, welche jedoch nur oberflächlich gegeben ist und die sich erst in der letzten Viertelstunde ein wenig zuspitzt, als darum geht, eine infizierte Person eventuell gegen den vorhandenen Beschützer auszutauschen. Doch anstatt zumindest während der finalen Minuten auf etwas Action zu setzen, serviert man uns einen unfreiwillig komischen Flug von A nach B und eine dramatische Abschlussszene, die innerhalb der Morgenröte in der Totalen zumindest etwas leicht Romantisierendes mit sich bringt.

Ansonsten agieren die Darsteller auf maximal durchschnittlichem Niveau, der durchwachsene Score nervt auf Dauer mit einem wilden Fidel-Thema, präsentiert dazwischen jedoch auch ein paar ruhigere Klänge mit weniger aufdringlichen Nuancen. Handwerklich gibt es letztlich auch nicht viel anzukreiden, doch das kaschiert wenig, wenn die eindimensionale Geschichte zu keiner Zeit so recht überzeugen will.

Regisseur Tom Conyers hat sich für seinen Erstling definitiv zuviel vorgenommen, denn die Vampire kommen hier deutlich zu kurz, während Zwischenmenschliches im Vordergrund steht, jedoch zu keiner Zeit emotional berührt oder gar mitfiebern lässt.
Blutleer, ohne stimmige Atmosphäre und in nur wenigen Momenten minimal spannend, - zu wenig für einen Titel, der zumindest ein wenig Vampirtrash mit Biss vermuten ließe.
3,5 von 10

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