„So Close“ ist ein ganz witziges, wenn auch inhaltlich wenig gehaltvolles Actionfilmchen von Cory Yuen.
Lynn (Shu Qui) und Sue (Vicki Zhao) sind Schwestern, deren Vater ein bahnbrechendes Satellitensystem erfand, deshalb aber mit seiner Frau zusammen ermordet wurde. Lediglich seine beiden Töchter blieben durch das aufkeimende Gewissen eines der Killer am Leben und bestreiten nun ihr Leben als Killer. Lynn als Todesengel und Sue am PC, mit dem sie das System ihres Vaters nutzt und ihre Schwester unterstützt. Die Vorgeschichte wird zwar an sich erst im Verlaufe des Films komplett erklärt, aber es tut der Spannung keinen Abbruch, wenn man sie vorher kennt.
Bei ihrem neuesten Coup soll Lynn einen verbrecherischen Geschäftsmann töten. Erst wird ein Virenangriff und dessen Abwehr simuliert, weshalb der Boss die Hackerin, die den scheinbaren Virenangriff beseitigt hat, kennen lernen. Lynn taucht auf, wird empfangen und macht kurzen Prozess mit dem Boss, ehe sie auf spektakuläre Weise entkommt. Diese erste Actionszene des Films ist ziemlich gut choreographiert, aber ebenso übertrieben wie alle anderen in diesem Film, so dass man sofort merkt, dass man hier keinen um Realismus oder Ernsthaftigkeit bemühten Actionfilm vorgesetzt bekommt.
Doch Lynn gefällt das Geschäft mit dem Tod nicht und denkt deshalb daran auszusteigen. Zudem will einer ihrer Auftraggeber ihnen ans Leder, da sie unliebsame Zeuginnen darstellen. Und zu allem Überfluss kommt die gewiefte Polizistin Hong (Karen Mok) von der Spurensuche ihnen auf die Schliche, weshalb es bald eng für das schwesterliche Duo wird...
„So Close“ ist Hirn-Aus-Action trotz des recht bekannten Regisseurs. Am ehesten kann man den Film mit „3 Engel für Charlie“ vergleichen, denn Inszenierung und Ernsthaftigkeit sind bei beiden Filmen recht ähnlich. Ansonsten erinnert die Story noch ein wenig an „Assassins“ und „Naked Weapon“, aber in geringerem Maße. Zudem sind die Killerinnen hier freundlicher: Unbeteiligten Bodyguards wird nur ins Bein geschossen. Der Humor ist halbwegs treffsicher, auch wenn der Film nur schmunzeln hervorrufen kann und keine Brüller bringt. Doch immerhin hilft dies das Ergebnis nicht ernst zu nehmen, da der Film sonst nur unfreiwillig komisch wäre.
Die Story ist wenig gehaltvoll, aber temporeich. Auch wenn es keine Längen gibt, ist die Spannung allerdings nicht hoch, weshalb der Film einen leider nicht immer fesseln kann. Vor allem die Lovestory ist meist ziemlich uninteressant. Wendungen gibt es kaum, allerdings kommt eine besonders große rund 30 Minuten vor Schluss sehr überraschend. Zudem wird der Film an einer Stelle unerwartet dramatisch, was sogar trotz des nicht ernst zu nehmenden Rests nicht unfreiwillig komisch wirkt. Die Inszenierung ist übertrieben á la „3 Engel für Charlie“, doch recht ordentlich. Schlecht sind allerdings die billigen PC Effekte, was vor allem bei den fliegenden Glassplittern ziemlich mies aussieht.
Die Action bietet ein paar Verfolgungsjagden, Schießereien und Fights. Die Shoot-Outs spielen eine eher untergeordnete Rolle, sind aber nett inszeniert und bieten ein paar hübsche Einschüsse für FSK 16. Die Kämpfe sind übertrieben und mit Wirework vollgestopft wie z.B. „Black Mask“ oder „3 Engel für Charlie“, aber meist nett anzusehen. Lediglich der Kampf im Parkhaus bevor die Gangster auftauchen ist dermaßen überstilisiert, dass es lächerlich ist, und auch die Szene, in der die Polizistin die beiden Gangster im Fahrstuhl mit ihren Schuhen gegen die Seitenwände drückt, hätte man besser sein gelassen. Doch alles in allem ist die Action ganz nett, wenn auch komplett unrealistisch anzuschauen.
Die Darsteller spielen allesamt auf Popcornniveau und werden wohl keine Trophäen für ihre Leistungen gewinnen, aber für diese Art Film reicht es allemal. Lediglich Karen Mok fand ich unsympathisch, was aber auch an ihrer absolut klugscheißerischen Rolle liegen könnte, während die meisten anderen Leute als Trottel dargestellt werden.
So bleibt unrealistisches Spaßkino aus Fernost mit netter Action und ohne Langeweile, wenn auch arg überstilisiert.