Mit „The Quiet Family“ gab Koreas Nachwuchsstar Kim Ji-woon (Three ... Nightmares, Tale of Two Sisters) anno 1998 seinen Einstand im Filmbusiness und landete prompt einen Kassenhit, was nicht zuletzt auch daran gelegen haben dürfte das das Genre Horror zu der Zeit gerade einen asiatischen Frühling erlebte.
Wobei, so wirklich horrormäßig kommt die Geschichte der entgleisenden Berghof-Familie eigentlich gar nicht rüber.
Klar, die Geschichte ist gespickt mit Leichen und Totschlag und das auf ziemlich makabre, schwarzhumorige Weise, aber viele typische asiatische Horrorelemente die zu dieser Zeit durch Filme wie „The Ring“ etabliert wurden und die auch Kim Ji-woons spätere Werke prägen, kommen hier noch nicht wirklich vor.
Zwar wird auch hier viel unterschwellig an Atmosphäre vermittelt, aber die bedrohliche Soundkulisse, die schnellen Schreckmomente und oft surrealen Gruselbilder gibt es eigentlich überhaupt nicht.
“The Quiet Family“ erzählt seine Geschichte irgendwie eher ruhig und kühl. Es gibt keine Sogwirkung die den Zuschauer ins Geschehen hineinzieht, sondern man bleibt die ganze Zeit mehr ein distanzierter Beobachter, was wohl auch daran liegt das man die Familie nicht wirklich lieb gewinnt oder sich mit einem ihrer Mitglieder identifizieren möchte.
Eher im Gegenteil scheint der Film uns sogar auf Abstand halten zu wollen. Wenn zu Beginn die ersten potentiellen Gäste zum Hotel kommen, dann wirkt die portraitgerecht versammelte Familie eher abstoßend, denn anziehend. Bei einem solchen Begrüßungskomitee würde auch ich nicht gern in dem Hotel absteigen wollen.
Und dieser Eindruck bleibt dann den ganzen Film über erhalten.
Man beobachtet die Familie mit einer Mischung aus skurrilem Vergnügen und befremdlicher Unverständnis bei ihrem hanebüchenen Tagewerk und fragt sich auf welchen Punkt die Story wohl hinauslaufen wird um all das irgendwie noch zu rechtfertigen und sinnvoll zu einem Abschluss zu bringen.
Wer allerdings kein Neuling auf dem Gebiet des „modernen“ asiatischen Horrofilms ist, den wird mitunter schon beim ersten Sehen des Films ein ungutes Gefühl beschleichen das solch Warten auf die große Endauflösung ziemlich vergeben sein könnte. Und tatsächlich geht auch “The Quiet Family“ den einfachen Weg des nichts sagenden Filmausklangs.
Ein paar Leichen werden verbrannt, ein Bürgermeister und ein Polizist gehen drauf, auch bei der Familie selbst fallen beim Hobeln einige Späne und zu guter letzt sitzen alle wieder um den gemeinsamen Esstisch, bis es plötzlich an der Türe klopft.
Was? Wie? Wo? Warum? – Wen interessiertes?
Entweder man nimmt das so hin, versucht sich selbst was drauf zusammenzureimen oder wird ziemlich frustriert aus dem Film herausgehen und sich fragen was der ganze Scheiß nun sollte.
So wird auch dieser Beitrag zum Asia-Horror sicher die Gemüter spalten. Fans des Genres könnten erneut jubeln, Kritiker eine weitere Bestätigung ihrer Abneigung gegen fernöstliche Filmerzeugnisse finden.
Ich hab einen eher gespaltenen Eindruck von Kim Ji-woons Erstling. Einerseits ist mir vieles zu undurchdacht und unlogisch, andererseits war der Film aber doch ganz unterhaltsam. Bonuspunkte gibt’s zudem für den schrägen Soundtrack zwischen Latin-Rap und Sitcom-Pop der irgendwie toll zum Film passt.
Im Großen und Ganzen würde ich deshalb doch sagen, Endeindruck: Positiv.