"Deutschland von oben" zu zeigen, ist eine sehr gute Idee. Die aktuelle Technik und Satellitenbilder lassen dank dieses Blickwinkels ungewöhnliche Eindrücke erwarten, die ihre eigene Schönheit entfalten können. Angesichts dieser Voraussetzungen könnte man einen Film erwarten, der - gemessen an seiner Zielsetzung - nur wenig falsch machen kann. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall.
Dabei ist der Beginn noch überzeugend. Geordnet nach Monaten, zeigt der Film wunderschöne Winteraufnahmen der Alpen, wo Steinböcke geschickt nach den letzten Resten an Nahrung suchen. Doch die Kamera verbleibt nicht nur im Süden Deutschlands, sondern erfasst auch die Küstenlandschaft an der Nordsee, zeigt die Robben im Wattenmeer und die Insel Helgoland. Begleitet werden die Naturaufnahmen von einer harmonischen, ruhigen Musik.
Der Charakter der Musik wechselt unmittelbar in einen schnellen, metallischen Rhythmus, sobald die Kamera nicht mehr schöne Landschaften erfasst, sondern Bilder von Industriestädten, Abraumhalden oder rauchenden Schornsteinen, um wieder in den harmonischen Gestus zurück zu kehren, sobald wieder die Schönheit von Land und Tieren im Focus steht.
Interessant sind in diesem Zusammenhang satellitengestützte Bilder von Flugwegen unterschiedlicher Vogelarten, aber auch der städtebaulichen Entwicklung mittelalterlicher Städte, deren Strukturen man vom Himmel gut erkennen kann. Neben den Landschafts- und Tieraufnahmen sucht die Kamera auch immer menschliche Abenteuer der Lüfte, verweilt sehr lange bei den Segelfliegern oder beobachtet Düsenflugzeuge der Bundeswehr.
"Deutschland von oben" bietet einiges fürs Auge, aber mit den Monaten wird deutlich, das sich der Film zunehmend wiederholt. Natürlich kann man es nicht Jedem recht machen und ein vollständiges Bild Deutschlands ausbreiten, aber die Gewichtung liegt eindeutig auf dem Norden und dem Süden des Landes. Während München und Hamburg mehrfach und zu ausführlich ins Bild gerückt werden, tauchen viele, teilweise große Landstriche wie der Schwarzwald, Harz oder die Pfalz gar nicht auf. Das Berliner Zentrum, die Dresdner Frauenkirche, der Kölner Dom oder die Skyline von Frankfurt/Main werden fast verschämt kurz abgehandelt, während alleine die Sequenz vom Münchner Oktoberfest länger andauert.
Viele Großstädte werden gar nicht erst gezeigt, dabei wären gerade längere Eindrücke vom Ruhrgebiet, das immerhin kurz vorkommt, sehr interessant gewesen. Das es nicht an der Laufzeit lag, wird an den langen Aufnahmen der Segelflieger und den immer wieder kehrenden Bildern fliegender Vögel oder kullernder Robben deutlich. Spätestens im Sommer wird auch die starre Ordnung nach Monaten ermüdend, denn die Bilder geben nur schwach die Unterschiede von Monaten wie April, Juni oder August wieder und bleiben willkürlich.
Hätte der Film nur die Hälfte seiner Laufzeit, wäre die Bevorzugung bestimmter Regionen, die ständige Wiederholung ähnlicher Tieraufnahmen und besonders der immer gleichen Musik weniger aufgefallen, eine Konzentration auf bestimmte Gebiete auch gerechtfertigt gewesen. Aber "Deutschland von oben" behauptet einen großen Überblick, den der Film nicht leistet, sondern zunehmend mit Wiederholungen und teilweise unqualifizierten Kommentaren aus dem Off nervt. Etwas für geduldige Gemüter, Anhänger wenig spektakulärer, aber schöner Landschafts- und Tieraufnahmen oder Bewohner der hier besonders oft gezeigten Gebiete (4/10).