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Kleiner, trotz Mängeln und für momentane Zustände und genügsame Ansprüche noch adretter Martial Arts Film als Kollaboration zwischen Singapur, Malaysia und China, der in seinem Verhalten und Aussehen ein wenig aus Ort und Zeit gefallen und wie als lange ignoriertes Überbleibsel der Vergangenheit zu sein scheint. Initiiert, inszeniert und auch in der Hauptrolle verantwortlich ist dafür Michael Chuah, der sich eigenen Aussagen gemäß an den jüngeren Erfolgen von Donnie Yen und damit auch der Erinnerung an kantonesisches Kino besonders der Siebziger orientiert hat. Gerade die Geschichte und seine Aufwartung auch in Dialog und Bildern ist stark angerichtet an frühes, preiswertes, dutzendhaftes chop socky Marke Stranger from Canton (1973) und Co., in der zumeist der fremd Zugereiste die Aufgabe und alleinige Verantwortung der Beseitigung ansonsten längst etablierten Übels in der Gemeinde zu tätigen hat. Ehrenwert, wenn auch eher gewollt als tatsächlich gekonnt und mit Action recht schwankender Qualität:

Ein kleines Städtchen in Südostasien.
Restaurantbesitzer Chen [ Henry Thia ] wird wie der Rest der Ortschaft von den Gangstern um Nam [ Steve Yap ], allen voran dessen jüngeren Bruder See Ming [ Monday Kang ] und dem Schlägerbüttel Tao [ Jey Tong ] bedroht und erpresst. Um das hohe Schutzgeld zahlen zu können, bittet Chen seinen in China befindlichen Bruder um Unterstützung, wobei dieser allerdings nicht wie erhofft die Geldscheine, sondern seinen kampfsporterprobten Sohn Jie [ Michael Chuah ] senden lässt, was sich rasch in erste Zwischenfälle niederschlägt. Jies Widerstand bleibt dabei allein auf weiter Flur, nur zögerlich findet er Unterstützer und Zuspruch in der verschreckten Bevölkerung, allen voran der jungen Xiao Qing [ Xiao Chen Wang ].

Entsprechend Grundgedanken und gewollte Ausrichtung ist dies natürlich alles Andere als kreativ oder gar innovativ in Ansinnen und Behandlung. Das Beharren auf eine simpel gestrickte und gleichso dramaturgisierte Handlung in bewährten Traditionen, das stoische Gebaren aller Beteiligten und der selbst wortlos verfolgbarer Ablauf weniger Figuren, noch weniger Parteien und üblicher Motive in drei Akten lässt das Ganze eher als schlichte Wiederholung denn als Wiederaufarbeitung gängiger Thematik des B - Actionkinos darstellen. Eigene Ideen oder Überraschungen gibt es folgerichtig keine, was allerdings auch nicht der grundsätzliche Reiz der Gattung, sondern eher die Konstante eines Großteils des Schaffens seit Anbeginn der Zeit offenbart.

Dabei wird dies Festhalten an Direktiven nicht nur erkannt – "Enough! Satisfied with your acting? I've seen this kind of story at 30 years ago." –, sondern auch tatsächlich gewollt und ebenso ironisch wiedergespiegelt: "Do you think you are Bruce Lee? Want to teach people kungfu? Come back now and mop the floor!“ Der Rest ist trotz der nahezu durchweg chargierenden Schauspieler, und ihrer entweder extrem in Mimik und Gestik eingeschränkten und/oder weit in den over-the-top Bereich hinein reichenden Grimassen allerdings ernster und nicht weiterhin humoristisch, zumindest nicht in freiwilliger Weise konterkariert. Unabsichtlich schleichen sich sicherlich die gewisse Lächerlichkeit der zerhackstückelten und zusammengestolperten und auch so gefilmten Begebenheiten ein; mal abgesehen davon, dass Produktion und Budget (von kolportieren 1 Million USD) samt Inszenierung allgemein bestenfalls an Fernsehen und selbst da nicht aktuelle Erzeugnisse erinnern, ist das Geschehen in seiner Quelle als Füllmaterial und Prämisse in eher dunkler Angelegenheit gesetzt und auch so mit einer tranigen Funzel als Lichtquelle erschlossen.

Schauplätze sind im Wechsel rar und stetig im gelb-braun diffusen Licht gehalten, die Gegend ist namenlos, urtümlich und wirkt in seinen Nacht- und Überstunden auch wie aus sonstiger Zivilisation entbunden. Der Ausgangspunkt des Straßencafés ist stetig leer und niemals von Kundschaft, auch die gesamte anschließende Strasse als Zentrum der vielen Auseinandersetzungen ist kaum und dann nur von Kämpfern bzw. Opfern dieser Aktionen frequentiert. [Gedreht wurde bereits im Frühsommer 2009, in der Küstenstadt Malakka auf der malaiischen Halbinsel, speziell dem Nachtmarkt des Jonker Walk, von dessen Umgebung und der Anlage eines florierenden Chinatown man im Übrigen nichts erahnt, da man auch keinerlei Anhaltspunkte überhaupt sieht.]

So zwischen einer Hochtreppe als einziges Merkmal der örtlichen Architektur und ansonsten bloß Pappkartons, verschlossenen Rollläden und Nebenstrassen im diesigen Hinterhoffflair gefangen, wird sich getreu der (unbedarften, ab und zu fast peinlichen) Regelkunde an den physischen Aktivitäten an sich, in teilweise angenehm längeren Einstellungen und mit moderatem Einsatz von wirework als so geringem Störfaktor informiert. Hauptverantwortlicher Chuah, Gründer des Evo Stunt Team und seit Kindheitsbeinen Mitglied der von Huo Yuanjia gegründeten Chin Woo Athletic Association –  (siehe Fearless, 2006, dessen Erfolg eindeutig Pate und Inspiration für Ip Man, 2008 war, und in deren unfairen Vergleich die hiesige modern day Variation wie als Schmalspurvariante, die Märklin-Miniatur dazu erscheint) –  , setzt seine Aufmerksamkeit auf durchaus behänden, etwas höhepunkt- und emotionslosen, gut einstudierten Schlagabtausch, in duldenden Schnitt manifestiert. Zuweilen sind Ideen und die Fähigkeiten dahinter gerade bei den Armtechniken sichtbar, sauber und dadurch ergötzlich, aber fehlt im Grunde großteils die Durchschlagskraft, was vielerlei Spielereien, wie besonders der nutzlosen Beschleunigung der Szenen und auch starkem Chargieren der Kombattanten geschuldet ist.

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