Ein Forscher, gespielt von Bill Paxton, sucht nach einem Diamanten, der sich in dem Wrack der Titanic befindet. Schließlich lernt er eine 101-jährige Überlebende kennen, die weiß, wo sich der Edelstein befindet und ihm ihre Geschichte erzählt. Damals, am 10. April 1912 war sie als junge Frau, gespielt von Kate Winslet, zusammen mit ihrem Verlobten, gespielt von Billy Zane, den sie auf Wunsch ihrer Mutter, gespielt von Frances Fisher, heiraten sollte auf der Titanic, wo sie sich schließlich in einen jungen Glücksspieler, gespielt von Leonardo DiCaprio, verliebte, bevor es schließlich zur Katastrophe kam.
Mit einem seinem Einspielergebnis ist "Titanic" auch über 10 Jahre, nachdem der Film in die Kinos kam unangefochten das erfolgreichste Projekt aller Zeiten und spielte exorbitante 1,8 Milliarden Dollar ein, doch damit nicht genug. Auf der Oscar-Verleihung lies "Titanic" selbst Meisterwerke wie "L.A. Confidential" weit hinter sich und war nach "Ben Hur" der zweite Film, der mit elf Oscars prämiert wurde, was bis heute Rekord geblieben ist, auch wenn mit "Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs" noch ein Dritter hinzugekommen ist. Durch diese sensationellen Erfolge wird "Titanic" als einer der besten Filme aller Zeiten gehandelt, auch wenn er das sicherlich nicht ist. "Titanic" hat nicht sonderlich viele weitere Werke beeinflusst und hat allenfalls tricktechnisch einen kleinen Meilenstein gesetzt. Zudem macht James Cameron durchaus den einen oder anderen Fehler und liefert definitiv keinen perfekten Film ab. Wenn man sich den Film jedoch ansieht, wird man direkt mitgerissen und auch beim dritten oder vierten Ansehen ist dies noch der Fall, denn Unterhaltungskino der Superlative ist "Titanic" definitiv.
Neben den Zerstörungsorgien "Terminator", "Terminator 2", "Aliens - Die Rückkehr" und "True Lies" hatte James Cameron schon mit "Abyss" gezeigt, dass er durchaus atmosphärische Filme mit langsamen Erzähltempo inszenieren kann, auch wenn sein Epos "Abyss" nicht ganz die Größe und Gewalt von "Titanic" erreichte. Aber das, was er hier inszenatorisch abliefert ist schlicht und einfach perfekt. Anders als bei "Terminator", oder auch bei "Abyss" wirkt die Lovestory bei dieser Inszenierung nicht aufgesetzt, nicht wie ein Stück Pflichtprogramm, dass Cameron mehr oder weniger gezwungenermaßen auftischt, um die Dramaturgie noch ein wenig zu steigern. Hier lässt sich Cameron alle Zeit der Welt, um seine Romanze zu servieren, auch wenn er sich des einen oder anderen Klischees bedient. Cameron steigert die Dramaturgie in der Beziehung der beiden Hauptfiguren nahezu perfekt und baut eine enorm emotionale Atmosphäre auf, zumal er grandios von der einfühlsamen, etwas melancholischen, aber enorm mitreißenden Filmmusik unterstützt wird. Auch wenn sich Komponist James Horner die ganze Zeit desselben Themas bedient, verfehlt der Soundtrack auch zum Ende hin seinen Zweck nicht. Gelegentlich verliert sich Cameron dabei ein bisschen zu sehr in romantischen Aufnahmen, aber die ganz groß aufspielende Kate Winslet verhindert mit ihrer emotionalen und bewegenden Darstellung, dass "Titanic" zu einer Schnulze abdriftet, wobei zweifelsohne ein bisschen Edelkitsch dabei ist.
Neben der mitreißenden Romanze, die Cameron in der ersten Hälfte des Films dramaturgisch sehr geschickt aufbaut, überzeugt der Film auch optisch. Um die Titanic möglichst wirklichkeitsgetreu darstellen zu können, beschäftigte sich Cameron lang mit der Thematik, lieferte Jahre später auch den Dokumentarfilm "Die Geister der Titanic", was zeigt, dass ihn das Schiff niemals wirklich losgelassen hat. Und die hervorragende Kulisse ist alle Kosten und Mühen wert. Von außen wirkt die Titanic pompös, geradezu monumental und hinterlässt einen gewaltigen Eindruck, den sie damals auch auf die Passagiere gemacht haben muss. Natürlich hat Cameron auch die nötige Routine, um das Schiff mit gelungenen Kamerafahrten optisch versiert in Szene zu setzten und auch von innen ist die Titanic sehr sehenswert und stilvoll ausgestattet. Dasselbe gilt auch für Garderobe und die Maske, die ebenfalls detailverliebt und absolut sehenswert geworden sind. Die optische Authentizität und Opulenz sind grandios.
In der zweiten Hälfte beeindruckt der Film dann durch seinen dramaturgisch perfekten Aufbau und fesselt immer mehr. Parallel dazu wird auch der Untergang perfekt dargestellt und ist von Cameron ebenfalls so gut recherchiert, sodass er im Rahmen des Realistischen bleibt. Anfangs lässt sich Cameron auch beim Untergang Zeit, beschleunigt dann aber zunehmend. Er lässt es nicht aus, darzustellen, wie überfordert die Mannschaft damals mit der Situation war, da die Titanic als unsinkbar galt. Er zeigt dabei einige Einzelschicksale, zeigt immer mal wieder auf, wie schrecklich die Katastrophe wirklich war, verliert aber auch das Große und Ganze nicht aus den Augen und strickt dabei seine Lovestory immer weiter. Die CGI-Effekte sind dabei schlicht und einfach grandios und auch heute noch oberstes Niveau, optisch ist der Untergang ebenfalls mehr als gelungen und die Atmosphäre der Angst, die Cameron schon bei "Aliens" und "Abyss" kreieren konnte, kommt auch hier zustande. Dabei fädelt er sein atemlos spannendes Finale perfekt ein und beendet den Film rührend. Eine wirklich perfekte Inszenierung, in der Cameron Romanze und Katastrophe einwandfrei vereint und damit einen der bewegendsten und mitreißendsten Filme aller Zeiten abliefert.
Angesichts dieser grandiosen Inszenierung stören die Fehler in der Story eigentlich nicht weiter. Zunächst einmal wäre Cameron zu Gute zu halten, dass er einige historisch authentische Figuren in seinen Film integriert und im Bereich des Realistischen bleibt, womit "Titanic" allein aufgrund seines dokumentarischen Charakters schon relativ interessant ist. Was ein wenig stört ist, dass die Lovestory dann doch ein bisschen klischeehaft ausgefallen ist. So darf der verschlagene, ungeliebte, aber stinkreiche Verlobte nicht fehlen, der Rose heiraten soll, da ihre Familie das Geld benötigt. Der Verlauf der Affäre ist ebenfalls stellenweise etwas klischeehaft, die beiden Hauptfiguren haben zu wenige Ecken und Kanten, sodass sie kaum als realistisch durchgehen können. Zudem werden fast alle der Reichen an Bord als arrogante Snobs dargestellt. Die grobe Handlung um die beiden Hauptfiguren, die ihr Glück wegen der unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, denen sie angehören, nicht ohne Weiters finden können, ist dabei beinahe klassisch und etwas blutleer, aber angesichts der großartigen Machart, mit der die Klischees serviert werden lässt sich einiges Verzeihen, zumal die Handlung dramaturgisch sehr stark zugespitzt ist und, vor allem bei den letzten Szenen, in denen die Titanic-Forscher einsehen, dass sie den Untergang nie wirklich verstanden haben, dann doch die eine oder andere vielschichtige Aussage dabei ist, genauso, wie bei der abschließenden Szene, der man nicht wirklich entnehmen kann, ob Rose nun gestorben ist, oder nicht.
Ein zweites kleines Ärgernis ist Leonardo DiCaprio, der seinem, klischeehaft konstruierten Charakter leider auch nicht mehr Tiefe zu geben vermag. DiCaprio zeigt, anders als bei seinen enorm starken Auftritten später in "Departed", "Blood Diamond" oder "Aviator" überhaupt keine Ecken und Kanten und spielt seinen Charakter viel zu glatt. Zudem wirkt er eher wie ein Teeanger und das mag allen 13-16jährigen Mädchen im Kino auch gefallen haben, aber dieser Film hätte einen besseren Hauptdarsteller verdient gehabt. Kate Winslet kompensiert dies jedoch im Alleingang. Sie zeigt echte Gefühle, zieht Sympathie und Verständnis für ihre Figur geschickt auf sich. Dabei brilliert sie einmal mehr in ihre Lieblingsrolle als tragische Heldin und verbucht zudem die eine oder andere erotische Szene. Der restliche Cast ist ebenfalls nahezu perfekt besetzt, Billy Zane liefert ein perfektes Feindbild ab, Kathy Bates zeigt all ihre Routine, Frances Fisher überzeugt als unsympathische Mutter, Bernard Hill als überforderter Kapitän, sowie Gloria Stuart als 101jährige Rose mit einer überaus emotionalen Leistung.
Fazit:
James Cameron gelingt hier ein mitreißendes und gewaltiges Epos mit einer perfekten, opulenten Bebilderung, hervorragenden Kamerafahrten, die die Titanic überragend in Szene setzen, einem einfühlsamen Soundtrack, einer emotionalen Vorstellung von Kate Winslet, einem mitreißenden dramaturgischen Aufbau, sowie hervorragenden Spezialeffekten Unterhaltungskino der Superlative, dass mitreißt und bewegt, wie kaum ein anderes Drama. Als Unterhaltungskino einsame klasse, hat mir sehr gut gefallen, wirklich tiefsinnig wird der Film mit seinen klischeehaften Charakteren jedoch nicht, wobei noch einige interessante Fakten über die Titanic und ihren Untergang geliefert werden und der Film mit seiner Authentizität eine gewisse Vorstellung einer unvorstellbaren Katastrophe vermittelt. Da Cameron Romanze und Katastrophe perfekt vereint, ist für jeden was dabei. Absolut empfehlenswert.
96%