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Bestandteil einer Reihe aktueller Großproduktionen aus der Volksrepublik China, deren Filmindustrie seit mehreren Jahren am Anschwellen und noch weiterhin steigender Frage des einheimischen Publikums, mit dem Setzen neuer Einspielrekorde ist. Mitverantwortlich zuletzt war dafür auch Let the Bullets Fly (2010), eine Gaunerkomödie mit Starbesetzung und tieferen Sinn, dessen Erfolg die Inspiration für sowohl die geplante Fortsetzung als auch die der Konkurrenz im eigenen Lande war. A Big Gold Robbery [ Alternativtitel ] als allgemein prominenter Vertreter des sesshaften Kinos als auch spezieller Nachzügler dieser momentan anhaltenden Zunft:

In den Dreißigern der Mandschurei, einer von den Japanern während der Kriegswirren besetzten Stadt. Der Kleinkriminelle Xiao Dongbei [ Lei Jiayin ] füttert mit seinen Gaunereien sich und den Vater "Golden Dart 13" [ Guo Tao ], einen geistig noch in der Qing - Dynastie und dem Boxer-Aufstand lebenden Greis, mehr schlecht als recht durch. Eines Tages während des Diebstahls aus der Kirchkollekte auch von der Polizei erwischt, landet er zufällig in der Zelle vom Revolutionär Bai Murong [ Sun Chun ] und gerät dort an die Eckdaten eines geplanten Gold- und Waffentransfers zwischen dem italienischen Botschafter und dem japanischen Sicherheitoffizier Toriyama Konosuke [ Yamazaki Keiichi ]. Die eminenten Informationen bringen ihn direkt in die ehemalige Schauspielertruppe um Leindwandactrice Fang Die [ Tao Hong ] und ihrer Handvoll Mannen, die das Gold von insgesamt acht Tonnen zuvor stehlen und so einen entscheidenden Schlag gegen die Eindringlinge ausüben wollen.

Wie es in den diversen Alias schon überdeutlich vorgegeben ist, wird abermals das Subgenre der Caper Comedy als Umrandung für seine theoretisch comicale, mit ernsten Zwischen- und Endtönen gespickte Ansicht der Dinge benutzt. Dabei ist das Setting hier trotz konkreter Angaben in einer sichtlichen Fantasieszenerie und so weit weniger in die Realität als der gar vollkommen in einer Abgeschiedenheit einer besseren Bananenrepublik spielende Let the Bullets Fly und der dortigen unfreiwilligen Revolution gesetzt. Sowieso sind die Vorgaben all der bis jetzt erschienenen Produktion vermeintlich beliebig gestrickt, die Gauner trotz sonst strenger Einschränkungen der lokalen SARFT - Zensur als Hauptfiguren erlaubt, wenn es denn um eine bevor- oder derzeitig anstehende Rebellion des chinesischen Volkes gegen (verschiedentlich einsetzbare) Unterdrücker, hier die sich gegenseitig Hitlerporträts schenkenden Faschisten geht. Schauplatz konkret sollte zudem die glorreiche Vergangenheit und die dortig umstürzlerischen Veränderungen und am Besten noch ein Aufstand und die Bloßstellung der Japaner sein.

Entsprechend dessen und entsprechend der Erfahrungen mit den staatlichen Beschränkungen spielt Regisseur und Co-Autor Ning Hao hier auf scheinbar sicheres, für den eingelullten Zuschauer dann doch überraschendes Spiel. Sein noch in Überarbeitung befindlicher, da wegen sozialer Unverantwortlichkeit gerügte und ohne positive Charaktere ausgestattete Neowestern No Man's Land harrt trotz Fertigstellung seit geraumer Zeit auf die Autorisierung zum öffentlichen Geschehen. Hier liegen die Dinge anders, da der Obrigkeit ein wenig einschmeichelnder in den Mund gelegt, stellen die japanischen Besatzer das eindeutige Übel und somit den direkten counterpart zu den zwar auch illegal handelnden, aber für eine gute Sachen agierenden Räubern dar. Selbst der nur wegen dem Gewinn und später noch die Rache mitwirkende Xiao als klare anti hero - Hauptfigur bekommt so rasch die Billigung der Taten. Auch anderweitig rühmt man sich von der augenblicklichen Gunst der Stunde, ist der Film als Big Budget Ausgabe der umschwärmten Erstlingswerke von Ning Hao nicht übermäßig protzend wie bspw. The Great Magician (2012) oder den parallel hierzu angelaufenen An Inaccurate Memoir (2012) im rauen Effekt, aber doch mit genügend Rückhalt in allen Belangen, gerade in der Dekoration und seinen Umständen unterstützt.

Durch ein sich narratives Drehen im Kreise und den dort abgehaltenen Umgestaltung, des charakterlichen Umschwungs, der an bestimmten Situationen festgemacht wird, gibt es zwar nicht viel, dann aber perfekt im altertümlichen Schmackes und als gülden - bronzene Hochglanzbroschüre zu sehen. Die Farben sind kräftig, der Ton (bis zu einem überraschenden und so auch nachhallenden Massaker) angenehm spielerisch bis tänzelnd leicht. Eine Atmosphäre zwischen Comic, 40er Jahre Kintopp und gleichzeitig ein wenig die Parodie, mit eher konkreten Witzen als den etwaig politisch verhüllten im andeutungsweisen Sinn. Auch die Actionszenen halten sich anfangs gleichzeitig offen und im Ausmaß dennoch bedeckt, wird mehr geredet und betrogen als gehandelt, mehr über die Schleichwege als im frontalen Kampf, dort dann aber mit allen Mitteln und Opfern operiert. Denn final sprechen doch die Gewehre, ein versuchtes Attentat im Ballsaal, seine brutale Niederschlagung, – mit Bildern, die sich wie ein Ei dem Anderen dem sonst wesentlich groberen An Inaccurate Memoir gleichen –  und gleich der nächste Anlauf kurz darauf. Eine wilde, heillos übertriebene, aber es auch direkt darauf abzielende Actionsause, die keine Verluste scheut und dort vollends zum sequenziellen Bildersturm zwischen Heroic Bloodshed und Groteske und dann auch dem Drama wird.

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