Hatte ich neulich was Positives zu „ultra rare“-Horror aus dem Internet geschrieben, den man sich auf jeden Fall mal geben müsste?
Immer wenn ich solch kontroversen Standpunkte absondere, werde ich fünf Minuten später eines Schlechteren belehrt und für solche Effekte sorgen Filme wie „Tabloid“.
Dass irgendein Hoschi zur Info da „Horror“ drauf getackert hat, soll bitte niemanden in die Irre führen, der (zurecht vergessene) Film war wohl als eine 1A-Satire gedacht, allerdings von Leuten, die sonst Low-Budget-Schmodder wie „The Abonimation“ zusammenrührten. Humorverständnis auf Alk und Koks ist und war eine riskante Sache. Kids, macht das nicht zu Hause.
Beschreiben kann man das Erlebnis kaum, eigentlich muss man es selbst erfahren haben, wenn es für mich auch in die gleiche Kategorie wie „frittierte Taranteln essen“ fällt, etwas, was man sich nur lebensmüde selbst aussucht.
Alles beginnt ansatzlos mit einer grandios trashigen Aerobic-Hopserei mit allerlei Uschis mit patenten 2-Stunden-Frisuren, als plötzlich im Siff-Tanzstudio des Abrisshauses nebenan zwei Typen mit Karnevalsmasken auftauchen, frechweg vorgeben Aliens zu sein und die Trainerin entführen. (Wozu auch immer...)
Die Älteste unter den Trainingsgören (sie ist so ca. 78 Jahre alt) läuft so schnell wie möglich ohne Gehhilfe in die Redaktion des „World Investigator“, um noch in Spandexhosen ihre Geschichte zu erzählen. Der „World Investigator“ ist so ein Billigblättchen, welches neben der Quengelware für Kinder im Ständer kurz vor der Kasse gelagert wird: alles Sensationelle in die Schlagzeilen, der Text ist sowieso erfunden. Natürlich halten alle diese „Elvis von Aliens geschwängert“-Stories für den Mist, für den eine Kneifzange braucht, aber sie können sich der Magie der Titel alle nicht verweigern. Sie lesen es alle!
Und das ist der Joke, auf dem dieser Film beruht: mag es auch noch so kacke und bescheuert sein, ihr werdet es doch lesen, und wenn ihr es aus der Mülltonne fischt.
In der Redaktion wechselt der Fokus dann auf den jungen Rick, frisch von der Journo-Schule, der gerade seine Einweisung im Geschichtenausdenken bekommt. (Die Chose mit den Aliens wird nicht wieder erwähnt im Film, kommt aber in die nächste Ausgabe!) Weil er sich noch etwas ziert, Kacke zu produzieren, kommt die Magazinchefin aus dem Büro gehinkt, einer von diesen kettenraucher-vergilbten Kampfhyänen, die man keinesfalls als Imbisskoch will, die als Zeitungschefin aber noch fast Autorität ausstrahlt. Nachdem sie ihre Psychologie anhand einiger Improvisationen zum Thema „storytelling“ klar gemacht hat und auch der auf Notizzettel geklebte Rollkartei-Vorspann vorbei ist, wird auch dieser Handlungsstrang eingemacht und weggestellt.
Stattdessen wird das Käseblatt ausgeliefert und drei verschiedene Parteien (Kneipengänger, Parksitzer, Mutti mit Kinderwagen) lesen jetzt die nun folgenden drei Episoden.
In der ersten soll es laut Überschrift um ein bärtig geborenes Baby gehen, ganz der Papa. Das wird aber erst in den letzten 10 Sekunden der Episode zum Thema, zuvor balgt sich eine Kleingruppe Rednecks mit einer Asi-Familie samt schwangerer Mutti und rotziger Oma. Das soll gundsätzlich hillbilly-lustig sein, ist aber wegen der akuten Unfähigkeit der Beteiligten nur mühsame Laienaction mit ein paar Effekten. Leider wird auch viel zu viel geredet, weswegen zum Trash noch die Langeweile kommt. Am Ende kommt das Baby und gut ja, man hat ihm einen Bart angeklebt!
Noch unglaublich fader wird das „BBQ der Toten“, denn statt suppender Zombieaction treffen sich hier wirklich nur drei Tote zum Burgerbraten nächtens im Garten. Daddy hat seine Nachbarn „from beyond the grave“ eingeladen und alle haben sich absolute billige Masken gegönnt, die nicht mal halbwegs wie Zombiemakeup daherkommen. Dann wird deftig geschnackt, ob sich das mit dem Leben nach dem Tode nun auch gelohnt hat. Die Nachbarn meinen ja, Daddy meint nein und man streitet sich ein wenig. Dann geht die Sonne auf und die Episode ist vorbei.
Die letzte Episode handelt dann von der Zerstörung der Stadt durch Staubsauger und ist die einzige, die halbwegs so etwas wie eine Geschichte erzählt. Vierköpfige Familie, Vater, Stiefmutti, große Tochter, kleiner Sohn. Die eigentlich Mom ist tot und Stiefmutti ist „bitching bad“. Leider ist das Töchterlein ein böses Genie, welches ihrem depperten Daddy nicht nur die Vorhersagen für seinen Wettervorhersagejob im lokalen TV-Sender liefert, sondern auch aus Staubsaugern Tornadoproduzenten macht.
Wie das funktioniert, bleibt ungeklärt, aber erst wird die Tante aufgesaugt und nachdem Töchterlein erst Hundekacke vom Teppich klauben sollte (und diese dann breit tritt), ist die Stiefmutti fällig.
Und so ziehen sich dann enorme 15 Minuten, in denen im Hintergrund ein Staubsauger relativ unbeweglich rumsteht oder hinter dem Sofa wackelt, während Stiefmutti nach und nach sich in eine veritable „Ich will nicht sterben“-Hysterie reinarbeitet, auch als noch gar nichts los ist. Also brüllt sie 15 Minuten das Gleiche ins Telefon, während am anderen Ende Dad seinen Job verliert. Die Kinder sitzen derweil giggelnd im Keller.
Da ich deswegen flott mit Vorspulen beschäftigt war (das hält echt keiner aus), möchte ich noch erwähnen, dass das Teenagergenie von einer pummeligen Lisa Loeb gespielt wird, ja genau die Klavierklimperin, die bebrillt in den 90ern so den einen oder anderen Hit im Pop-Genre hatte. Witzigerweise ist sie die Einzige im ganzen Film, die es mimisch zu so etwas wie einer Figur bringt, auch wenn sie schamlos übertreibt.
Als Sahnehäubchen dann natürlich noch den „Schlußgag“: da warten sinistre Typen vor dem Zeitungsladen auf die nächste Ausgabe (so für 3-5 Minuten), dann hält eine Limo und einer reicht die neueste Ausgabe rein und man hört etwas Nancy-Gemurmel, was wohl bedeuten soll, dass sogar Ronnie Reagan ein veritabler Fan solcher Schundgeschichten ist.
Wer immer das Risiko eingeht: macht es wie ich, spult etwa die Hälfte vor, ihr merkt schon wann es nötig ist.
Dann eröffnet sich euch die Welt einer witzbefreiten Satire, die John Waters in Tränen ausbrechen lassen würde, wenn er sie sehen müsste. Irgendwo zwischen „nicht gekonnt“ und „gewollt schundig“ bemühen sich irgendwelche Laienmimen durch die augenrollende Trashshow, die sich aber nicht in der Lage sieht, auch nur ein Tabu zu brechen, die das Thema interessant machen könnte. Schlimm, denn es geht ja um Sensationsgeilheit, doch zu sehen ist nichts davon – vielleicht alles gestrichen, weil man es sich nicht leisten konnte.
„Tabloid“ liegt auf Tubi als absolut saumieser VHS-Rip vor, der sogar noch etliche Bandfehler am Anfang beinhaltet, sollte aber nur bei absoluter Lebensmüdigkeit genossen werden. Diese witzbefreite Zone beweist, wie schwer es ist, wirklich kreativ grotesk zu sein. (1/10)