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Benjamin Walker spielt Abraham Lincoln, dessen Mutter einst nach einem Vampirbiss verstarb, woraufhin er sich bei einem Vampirjäger, gespielt von Dominic Cooper, zu einem solchen ausbilden ließ. Er geht nach Springfield (Illinois), wo er einige Vampire erledigt, bis er schließlich die Axt an den Nagel hängt und in die Politik geht, um die Blutsauger mit anderen Mitteln bekämpfen zu können.

Seth Grahame-Smith, der gern abstruse Horrorgeschichten in historische oder literarische Vorlagen einbettet, wie bei “Pride and Prejudice and Zombies“ und “Die Leichen des jungen Werther“ geschehen,  hat einige Ideen entwickelt, die die Grundlage für einen hervorragenden Film bieten können. So auch bei “Abraham Lincoln Vampirjäger“, der allein schon aufgrund seiner kruden Ideen amüsant geworden ist und darüber hinaus eigentlich gar nicht auf weitere Gags angewiesen sein sollte. Dachten zumindest die Macher.

Und teilweise geht die Rechnung auch auf. Die ungewöhnliche Geschichte unterhält gut und lebt durchaus von den Ideen des Autoren, der hier auch für das Drehbuch verantwortlich war. Es wird immer wieder auf historische Sachverhalte zurückgegriffen, die Zusammenhänge aber anders geknüpft. So ist z.B. die Alternatividee der Macher, wie es zum amerikanischen Bürgerkrieg kam, sowohl einfallsreich als auch lustig. Dennoch nimmt sich der Film insgesamt zu ernst, womit leider etwas Potential verschenkt wird. Etwas mehr Eigenironie und ein paar Gags hätten dem Film, den man sowieso nicht wirklich ernst nehmen kann, nämlich definitiv gut gestanden und aus einem kurzweiligen Film hervorragendes Unterhaltungskino machen können. Stattdessen wird “Abraham Lincoln Vampirjäger“ gelegentlich sogar etwas melancholisch, etwa, wenn der Sohn des Protagonisten stirbt, aber dies ist dann wirklich unpassend.

Ansonsten ist jedoch Vieles gut gelungen. Das Tempo ist zügig und der Film damit unterhaltsam, die Effekte können sich sehen lassen, die historischen Kulissen ebenfalls und ausnahmsweise lohnt sich auch die 3D-Inszenierung. Timur Bekmambetow, der nach “Wanted“ zuletzt mit “Darkest Hour“ nicht wirklich überzeugen konnte, zeigt hier, dass er vor allem in visueller Hinsicht durchaus fähig ist. So sind die Action-Szenen hervorragend gelungen, gut choreografiert und mit allerlei technischen Spielereien immer wieder gut in Szene gesetzt, sodass sie im Lauf des Films nicht ihren Reiz verlieren. Hier und da spritzt das Blut dann auch mal in Strömen und diverse Körperteile fliegen natürlich auch durch die Luft, in der Zeitlupe, unter Zeitraffung und aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen. Angesichts der Qualität könnten die Action-Szenen ruhig noch wohlwollender dosiert sein.

Zudem leisten auch die Darsteller durchaus ordentliche Arbeit. Der bisher kaum in Erscheinung getretene Benjamin Walker spielt die Hauptrolle durchaus versiert, auch wenn er das nötige Charisma für die Rolle des Präsidenten und Vampirjägers ein wenig vermissen lässt, sehr gut ist dagegen vor allem Dominic Cooper, der seinen Mentor und Ausbilder spielt. Mit Rufus Sewell und Mary Elizabeth Winstead sind zudem zwei bekannte Gesichter in Nebenrollen zu sehen, die sie ebenfalls gut meistern.

Fazit:
Action-Szenen und 3D-Inszenierung können sich durchaus sehen lassen, zudem lebt der unterhaltsame Film von seiner innovativen und kruden Story. Gleichzeitig nimmt er sich aber ein wenig zu ernst und verschenkt viele Möglichkeiten, mit Eigenironie und einigen Gags zu punkten, denn der aufgesetzte Ernst wirkt hier allzu oft etwas unpassend. Dennoch sehenswert.

74%

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