Review

"Ich werde mich immer als ein Mann betrachten, der gegen die Finsternis gekämpft hat."

Im Jahre 1818: Als kleiner Junge sieht Abraham Lincoln (Benjamin Walker) mit an, wie seine Mutter auf unerklärliche Weise von Jack Barts (Marton Csokas) ermordet wird. Ein Jahrzehnt später ist Lincoln noch immer von Trauer und Wut geleitet und fasst den Plan, Barts' zu erschießen. Sein Gegner ist allerdings ein Vampir und überwältigt ihn. Von dem langjährigen Vampirjäger Henry Sturges (Dominic Cooper) gerettet, erfährt Lincoln mehr von den übermächtigen Feinden und wie man sie vernichtet. Nach wie vor von Rache getrieben, arbeitet er tagsüber als Verkäufer und bildet sich politisch weiter. Nachts übernimmt er Auftragsmorde von Sturges und dezimiert die Untoten. Als er Mary Todd (Mary Elizabeth Winstead) kennen und lieben lernt, wird sein Doppelleben schwieriger. Denn weder kann er vor ihr geheim halten, was ihn nachts antreibt, noch für ihre Sicherheit und die seiner Freunde sorgen.

Allein der Titel "Abraham Lincoln Vampirjäger" lässt ein Festival der Absurditäten erwarten, eine entfesselte Geschichtsverwurstung ohne Anspruch auf irgendwas. In gewisser Weise trifft dies auch auf den Film zu, der jedoch ernster daher kommt, als man zunächst glauben mag.
Regisseur Timur Bekmambetov ("Wanted", "Wächter der Nacht") fügt dem realen Leben des überaus bekannten 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten ein fiktives hinzu. Die Mischung aus historischen Begebenheiten und modernen, fantastischen Horror-Elementen wirkt noch wenig abgenutzt, bleibt erzählerisch jedoch sehr oberflächlich.

Bekmambetov schafft es nicht seine erzählten Sequenzen flüssig zusammenzusetzen. "Abraham Lincoln Vampirjäger" besitzt nur wenig Sinn für Plot- und Charakterentwicklung und hoppelt in einer Plötzlichkeit durch und an Ereignissen vorbei, als müsse der Film ständig eilends noch irgendwo ganz anders hin. Dabei vergisst er sein Publikum im mittleren Drittel, wo sich Geschichtskenner besonders langweilen dürften. Der verzweifelte Versuch ein Polit-, Bürgerkriegs- und Charakterdrama aufzubauen wird glücklicherweise jäh unterbrochen, mündet allerdings in einem wenig spektakulären und mit vielen Logiklöchern behafteten Finale.

Allen Zweifeln zum Trotz schafft es Bekmambetov dennoch dem Vampirthema ein paar Neuheiten hinzuzufügen. Besonders in seinen Effekten scheut sich sein Film nicht, detailreich und wuchtig vorzugehen. Die zahlreichen Slow-Motion Sequenzen, die keiner gesetzesmäßigen Physik unterliegen, sehen erstaunlich gut aus, auch wenn etwas Feinschliff fehlt.
Neues entdeckt man in den Actionszenen jedoch nicht. Den Kampfchoreographien sieht man Bekmambetov's Stil an, die finale Zug-Sequenz mit brennender, einstürzender Holzbrücke wirkt altbacken und das springen über eine wilde Pferdeherde... nunja, zumindest hier beweist "Abraham Lincoln Vampirjäger", dass man ihn nicht ernst nehmen sollte.

Die Kameraführung erweist sich als ein Thema für sich. Furchtbar wacklig und wenig zielführend werden die Bilder präsentiert. Besonders die Actionszenen leiden darunter so sehr, dass von der überaus brutalen und blutigen Inszenierung kaum etwas sichtbar wird.
Humor gibt es annähernd keinen. Ein wenig schade, wenn man die Tücken erkennt, in die der Protagonist immer wieder hinein läuft und die sich geradezu für ein wenig Selbstironie anbieten.

Benjamin Walker ("Flags of Our Fathers") erweist sich als sehr blasser Hauptdarsteller. Nur selten hat er seinen Charakter wirklich im Griff, Farbe verleiht er ihm keine.
Die Fähigkeiten von Dominic Cooper ("Captain America - The First Avenger"), Anthony Mackie ("Gangster Squad", "Million Dollar Baby"), Mary Elizabeth Winstead ("Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt", "Stirb langsam"-Reihe, "The Thing") werden nicht genutzt.

"Abraham Lincoln Vampirjäger" besticht am ehesten durch seine Optik. Die Mischung wirkt frisch, wird allerdings nicht ausgereizt. Zu flach sind die Rahmenhandlung und die Charaktere, zu generisch ist die Action und zu unmotiviert sind die Darsteller. Unterhalten kann der Film, aus der Masse heraus stechen jedoch nicht.

5 / 10

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