Review

„Standartlieferung"

Sieht man Steve und Dolph auf dem Cover einer DVD, weiß man was einen erwartet. Hohe Schauspielkunst sicher nicht, auch mit einer vielschichtigen und raffiniert erzählten Geschichte sollte nicht unbedingt gerechnet werden. Auf Action darf man dagegen durchaus hoffen, wenn auch eher auf solidem TV-Niveau. Die Elite der Stunt-Profession trifft man hier aus verständlichen Gründen natürlich nicht an.

In dieser Hinsicht liefert „The Package" wie bestellt. Lundgren und Austin unterbieten sich in der Anzahl der zur Verfügung stehenden Gesichtsausdrücke, ganz egal welche Emotion gerade gefragt ist. Dass der gute Steve dabei als klarer Punktsieger aus dem heiß umkäpften Rennen hervorgeht liegt zum einen daran, dass er hier die Hauptrolle ergattert hat und zum anderen, dass man ihn mit einer seifigen Liebesgeschichte malträtiert, die den armen Fleisch-Klops sichtlich überfordert.
Das geht soweit, dass ihn seine Genre-obligatorische Model-Gattin - Steven Seagal war hier unangefochtener Trendsetter -, dazu nötigt die drei Lieblingsworte fast jeder Frau zu säuseln, was unseren armen Steve arg ins Schwitzen bringt. Als er dann in einer (natürlich im Vollzug nicht gezeigten) Bettszene - sitluationsbedingt völlig blödsinnig, aber selig grinsend - den Bizeps anspannt, ist er dagegen wieder voll in seinem Muckibude-Element.

Ach ja, die Story. Die Handlung ist erwartungsgemäß simpel, wird aber zumindest schnörkellos abgespult. Steve hört hier auf den griffigen Namen Tommy Wick und verdingt sich als Geldeintreiber für irgendeinen obskuren Gangsterboss. Da er das Herz auf dem rechten Fleck seiner muskulösen Brust hat, wendet er nur so viel Gewalt an wie nötig und geht seiner unehrenhaften Profession für einen guten Zweck nach (sein kleiner Bruder Eddie steht bei Wicks Brötchengeber in der Kreide).
Des Problems endgültige Lösung scheint mit dem nächsten Job gekommen. Tommy soll ein Paket an den Gangsterboss „The German" (Lundgren) - in der deutschen Fassung lustigerweise „Der Schwede" - liefern. Natürlich ist das Paket auch bei anderen bösen Buben heiß begehrt und der glücklicherweise mit einer Vergangenheit als Elite-Soldat gesegnete Wick muss ordentlich einstecken und hinlangen, um sich auch als Postbote auszuzeichnen ...

Der Engländer Jesse V. Johnson ist ein B-Action Veteran (u.a. „Alien Agent", „5th Commandment") und liefert auch mit „The Package" zuverlässig solide Durchschnittsware.  Bei dem sichtbar schmalen Budget und dem zur Verfügung stehenden Cast ist natürlich kein Feuerwerk drin, aber den ein oder anderen Knallfrosch kann Johnson dann schon zünden. Die Schießereien und Knüppeleien sind abwechslungssreich und häufig genug, um keine Langeweile aufkommen zu lassen und die niedrigen Erwartungen zumindest voll zu erfüllen.

Der Ex-Wrestler Austin ist sicherlich für manche ein Argument den Film zu meiden, nur wer seiner Kampfsportkollegen hat da wirklich mehr zu bieten? „The Rock" ist lediglich die sprichwörtliche Ausnahme, die die Regel bestätigt. Van Damme, Lundgren und Seagal sind inzwischen sichtlich gealtert und Statham noch nicht so tief gesunken. So bleibt nur Scott Speedman als sinnigere Alternative, aber der hatte wohl was anderes vor.
Am besten man schaut also weniger auf den Boten und mehr auf das Paket. Zwar ist die Verpackung nicht gerade verheißungsvoll, der Inhalt dafür aber durchaus brauchbar. Muss ja nicht jeden Tag ein Knaller-Geschenk sein.

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