Review

Die Natur des Menschen ist unergründlich… und die des Bresson auch! 

Wenn Regiegenies auch noch einzelgängerisch und schwer zugänglich, kauzig und eigen, kaum gesprächig und anders als der Rest sind, dann trägt das meist zur Faszination und dem Mythos dieser Giganten ihres Fachs bei. Und Robert Bresson unterstreicht diese These doppelt und dreifach - mit seinem mysteriösen Charakter, aber vor allem mit seinen meisterhaften, an der Oberfläche unfassbar kühlen, darunter jedoch fast unerträglich humanen und mahnenden Filmen. Fast ein wenig in die Richtung Kubricks rückt ihn das in der Rückbetrachtung. Und seine oft minimalistischen Werke sind und bleiben absolute Monumente der Menschlichkeit. „Mouchette“ ist da keine Ausnahme, eher ein Kronjuwel in seinem Schaffen, der keinen kalt lassen kann und in dem er einem kleinen Mädchen bei einem fast martyrerhaften Weg und Leben auf dem Land begleitet…

Leiden ist des Menschens Lohn

„Mouchette“ ist pur und niederschmetternd, simpel und geradeaus. Einer der ultimativen „Miserymovies“ - ohne dabei je „misery porn“ zu sein (eh ein blöder Begriff). Auch ein krasses und universelles Statement zum Thema Depressionen und Selbstmord. Dazu mit einer legendären Kinderdarstellung. Ohne Musik. Wenig Worte. Dafür umso mehr Kraft und Instinkt und Intuition. „Mouchette“ ist eine Macht. Und hat mich mindestens genauso gepackt und mitgenommen, wie Bressons „Au Hasard Balthazar“ mit dem er Ähnliches kurz zuvor schon anhand eines tierischen Protagonisten durchexerziert hatte. Eigentlich leide ich mit Tieren immer am meisten mit, sogar mehr als mit Kindern. Aber „Mouchette“ ist ein solch konzentrierter Tiefschlag, dass man sogar mit unserer „bösartigen“ Spezies automatisch mitfühlt und mitleidet. „Mouchette“ ist kalt und unbarmherzig, wie Bresson oft wirken kann auf ungeschulte Augen und Herzen. Doch lässt man ihn rein, dann schmilzt und brennt er alles weg. Über Einsamkeit und Aufgabe, über fehlenden familiären Rückhalt und fehlende Liebe, über Scherben und Unschuld, über Überforderung und Hoffnung(slosigkeit). „Mouchette“ hat viele beeinflusst - allen voran Haneke. Er hat den Test der Zeit definitiv bestanden. Mit Pauken und Trompeten. Und er ist heutzutage vielleicht wichtiger denn je… 

Ist das die beste Kinderperformance aller Zeiten?! 

Fazit: vom Leben gezeichnet, vom Kino und Bresson auf die Leinwand gemeißelt. „Mouchette“ ist ein filmischer Eckpfeiler des menschlichen Unbehagens und unserem Kummer. Groß. Kompakt. Kein Gramm Fett.

Details
Ähnliche Filme