Review

Du Esel, unser Erlöser

Nachdem mich „EO“ so bezaubert hat, musste ich mir nochmal dessen Vorbild und Inspiration angucken. Bressons „Au Hasard Balthazar“, den ich seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen habe, über den Lebens- und Leidensweg eines Esels zwischen Menschen der Gewalt, der Zuneigung, der Widersprüche…

Im Gegensatz zu „EO“ ist „Au Hasard Balthazar“ der noch forderndere, härtere, komplexere und natürlich vor allem auch wegweisendere Film. Was „EO“ jedoch nicht abschwächt. Dennoch setzte Bresson hier eben die Messlatte und schuf ein Meisterwerk. Seine packende und wunderschöne, niederschmetternde wie aufbauende „Passion des Esels“ kann sich auch heute noch sehen lassen. In seinem Humanismus und seiner Menschlichkeit unübertroffen. Und das mit einem tierischen Protagonisten. Religiös, relativ, reichhaltig. Mit einer der außergewöhnlichsten Hauptfiguren der Filmgeschichte. Und ein paar der am schwersten zu guckenden und schluckenden Szenen ebenso. Das ist tierisch, das ist episch, das ist menschlich, das ist metaphorisch, das ist komplex, kurios und karg. Ein Fähnchen im Wind des Lebens. Ein Spielball des Schicksals. Martyrium und Märchen. Künstlerisch kompromisslos. Herzzerreißend. Hinreißend. Getauft, gepeinigt, geehrt. Die Verkörperung der Neutralität und Standhaftigkeit. Bressons wohl Bester? Zumindest sein Emphatischster. Weltfilmkulturerbe. Mit zeitlos etwas zu sagen. 

Fazit: Leid, Glück, Leben, Instinkt, Glauben, Himmel, Hölle, Dienst, Schicksal… es liegt alles so nah beisammen. Und in diesem Esel! 

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