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Auf den ersten Blick vermag Regisseur Victor Salva (auch Drehbuch) im Fahrwasser von "Hitcher - Der Highwaykiller" schwimmen zu wollen, doch sein "Bad Heat" besinnt sich erfreulicherweise eine andere Richtung einzuschlagen. Die Befürchtungen ein handelsübliches Plagiat vorgesetzt zu bekommen, sind somit zerschlagen. Schon mit seinem Debüt "Clownhouse" wusste Salva Brutalitäten geschickt aus dem Weg zu gehen und dafür auf Atmosphäre zu setzen. Dies perfektionierte er mit seinen "Jeepers Creepers" Filmen, wo angeblich bereits ein dritter Teil bereits im Argen liegt. Sein "Bad Heat" jedenfalls ist ein gelungener Psychothriller, dem man leider über die Diatanz eine gewisse Ereignislosigkeit vorhalten kann, trotzdem weitaus empfehlenswerter als diverse "Hitcher"-Plagiate.

Eine grausame Mordserie auf den Highways von Nevada hält die Polizei in Atem, das Markenzeichen ist der Schriftzug "Hatchet Man", welches der Killer immer bei seinen zerstückelten Opfern hinterlässt. Ein weiteres Verbrechen sorgt jetzt für Furore, denn aus einem Casino ins Las Vegas wurde über eine Million Dollar gestohlen. Nun treffen der Vertreter Jack Powell (Lance Henriksen) und der Anhalter Adrian (Eric Roberts) aufeinander. Der nervöse Jack hat stets einen silbernen Aktenkoffer bei sich, den er hütet wie seinen Augapfel und der drogensüchtige Adrian ist immer zugegen, wenn die bestialischen Morde geschehen. Sowohl Jack als auch Adrian haben Beide Dreck am Stecken, nun sind sie zusammen auf den Highways unterwegs. Adrian scheint Jack völlig unter Kontrolle zu haben, doch das Blatt wendet sich in einer abgelegenen Waldhütte, denn hier zeigen Beide ihr wahres Gesicht.

"Bad Heat" entpuppt sich als gekonntes Psychoduell zwischen zwei schwer durchschaubaren Männern. Der eine ist ein Dieb, der andere ein brutaler Killer, doch wer ist wer? Dennoch ist man sich schnell sicher, was die Rollenverteilung betrifft, oder nimmt uns Salva nur auf den Arm? Schnörkellos kommt man hier zum Wesentlichen, denn Jack und Adrian laufen sich schnell über den Weg. Während Jack eher der Einzelgänger ist und etwas dringendes zu erledigen hat, so scheint Adrian einen Narren an seinem Gegenüber gefressen zu haben. Er beginnt Jack zu bedrängen und schließlich auch zu bedrohen. Er scheint Jacks Geheimnis zu kennen, genauso wie der das von Adrian zu kennen scheint. So kommt es zu diesem Katz- und Mausspiel, bei dem Adrian erstmal die Rolle der Katze annimmt. Er hat Jack im Griff, erpresst ihn damit, dass er ihn sofort bei der Polizei denunziert, sollte sich Jack allein aus dem Staub machen. Eine ausweglose Situation, die Salva nicht optimal nutzt. Denn selbst für die geringe Laufzeit von knapp neunzig Minuten, mangelt es grundlegend an Ereignissen. Die Morde des Killers bekommt man nie zu sehen, was natürlich auch seinen Grund hat, aber so reiht Salva nur gewisse Bedrohungen von Adrian aneinander, die immerhin ihre Wirkung nicht verfehlen. Selbst eine griftige Eidechse muss herhalten, damit Adrian seinen Standpunkt klarmacht.

Doch das Ganze würde gar nicht funktionieren, hätten Lance Henriksen (Meister des Grauens, Johnny Handsome) und Eric Roberts (The Expendables, Tripfall) ihre Rollen nicht so gut im Griff. Beide punkten mit einer intensiven Performance, zusätzlich funktionieren Salvas gute Dialoge. Dennoch kann man kleine Hänger nicht vermeiden, auch wenn Salva alles aus der Wüstenkulisse herausholt. Aber die Einöde macht eben nicht sonderlich viel her, so spielt man geschickt mit diversen Farbfiltern, der bedrohlich wirkende Score sorgt für den Rest. Jedoch dauert es einfach zu lange, bis die Beiden richtig im Clinch miteinander liegen, erst auf den letzten Drücker geben Beide ihre wahre Identität preis und hier erlebt man eine böse Überraschung. Das Finale in der einsamen Waldhütte hat es spannungstechnisch in sich, dürfte aber ruhig mehr ausarten. Brion James (Tote leben länger, House III) hat noch einen kurzen Auftritt als Sheriff, bevor uns Salva ein recht bitteres Ende serviert. So wie im richtigen Leben siegt nicht immer das Gute und so hinterlässt auch "Bad Heat" einen gewissen Nachgeschmack.

Ein kleiner Geheimtipp unter den Highway-Thrillern, da bis zum Schluss nicht vorhersehbar. Roberts und Henriksen liefern obendrein eine tolle Vorstellung, ihnen ist es zu verdanken, dass "Bad Heat" so reibungslos funktioniert. Dennoch offenbaren sich gewisse Schwächen, auch im Spannungsbogen, weil einfach zu wenig passiert. Gute Dialoge helfen da nicht ganz darüber hinweg, auch die böse Überraschung im Finale entschädigt nur teilweise. Aber gegen den sonstigen Einheitsbrei auf jeden Fall eine Offenbarung, darum kann ich ruhigen Gewissens die 7 Punkte geben.

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