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„Die Sicherheitsvorkehrungen sind optimal!“ (Wie immer!)

Nach Joe Dantes „Piranha“ ist „Barracuda“ ein weiterer früher Beitrag zur Fishploitation, der, zumindest was seine Vermarktung betrifft, auf die Fans von Spielbergs „Der weiße Hai“ zielte. Der Film entstand wie „Piranha“ im Jahre 1978, für die Regie verantwortlich zeichnen Harry Kerwin („Das bringt's voll - Dufte Typen in Jeans“), offensichtlich dessen letzter Film, und Wayne Crawford („Snake Island“), der zudem die Hauptrolle übernahm und hiermit sein Regie-Debüt ablegte.

Im Fischerdorf Palm Cove sind nicht nur die Bewohner seit kurzer Zeit verdammt leicht reizbar, auch die Unterwasserwelt scheint verrückt zu spielen: Bergeweise verstümmelte Fischkadaver werden an Land gespült, Taucher werden attackiert und sogar menschliche Leichenteile finden sich am Strand. Meeresbiologe Mike Canfield (Wayne Crawford, „Keiner kommt hier lebend raus“) nimmt daraufhin Untersuchungen am Meerwasser vor. Haben die Vorfälle mit der Chemiefabrik zu tun, die sich in unmittelbarer Wassernähe befindet? Die Fabrik spült nicht zu knappes Geld in die städtischen Säckel, so dass nicht nur Besitzer Jack (Bert Freed, „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“) und sein Sohn Bubba (Jerry Rhodes, „Whiskey Mountain“) wenig erfreut über die Nachforschungen sind... Dafür kann sich Mike aber der Unterstützung des Sheriffs (William Kerwin, „2000 Maniacs“) und dessen Tochter gewiss sein.

„Bestimmt die Hitze!“ (Was sonst?)

„Barracuda“ gibt sich nicht satirisch und komödiantisch wie „Piranha“, sondern bedient sich des Gewands einer Mischung aus Tierhorror und Öko-Thriller, wie sie ebenfalls recht häufig im Genre anzutreffen ist. Wie auch schon in „Piranha“ ist man intelligent genug, nicht wie in „Der weiße Hai“ den Tieren die Schuld an ihrem Verhalten zu geben, sondern Eingriffe von Menschenhand verantwortlich zu machen. Viele Filme dieser Art zeigen, wie skrupellose Geschäftemacher materielle Gewinne über die Gesundheit von Mensch und Umwelt stellen und dafür sogar über Leichen gehen, womit ihnen stets eine antikapitalistische Aussage gemein ist. Der überambitionierte „Barracuda“ geht sogar noch einen Schritt weiter und schießt übers Ziel hinaus, wenn zum örtlichen Chemiefabrikanten noch eine ganze Regierungsverschwörung hinzukommt.

Man beginnt jedoch zunächst einmal mit wunderschönen Tiefseeaufnahmen wie aus einer Tierdokumentation und idyllischen Bildern von Stränden. Der Soundtrack ist stellenweise recht gelungen, sphärische Synthesizerklänge treffen auf die Klangkulisse aufschlagender Wellen. In die nicht sonderlich erinnerungswürdigen darstellerischen Leistungen, die eher unspektakulären Ermittlungen nachgehen, mischen sich immer mal wieder herausragendere Momente, beispielsweise wenn ein dummer, fetter Schnauzbart-Klischeebulle mit dem smarten netten Sheriff unterwegs ist, dessen Tochter Mike Essen serviert und angeregt mit ihm plaudert. Was derweil an explizitem Tierhorror, spricht: Barracuda-Attacken geboten wird, kann sich für das Entstehungsjahr in einem Low-Budget-Film durchaus sehen lassen, wenngleich ich das nicht wirklich beurteilen kann, da angesichts des Umstands, dass anscheinend alle deutschen Fassungen des Films zensiert wurden, vermutlich auch vor meinem alten Sat.1-TV-Mitschnitt nicht Halt gemacht wurde.

„Wenn du Hufklappern hörst, dann such nach den Herden – nicht nach den Seelöwen!“ (Ach so!)

Leider gelingt es dem Regie-Duo nicht, Spannung und Action nach und nach auf die Spitze zu treiben, Stattdessen ist das Tempo und damit die Luft irgendwann so ziemlich raus; der Film erlahmt zusehends und wird langweilig, von Tierhorror keine Spur mehr. Man verlässt sich ausschließlich auf das Thriller-Element, das ebenfalls weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, und steuert immerhin auf eine überraschend pessimistische Pointe zu (zumindest in meiner Schnittfassung). Möglicherweise war der Film ursprünglich auch in erster Linie als Öko-Thriller gedacht und erst im Zuge der Fishploitation zu selbiger gemacht bzw. auf diese Weise vermarktet worden (in diesem Zusammenhang ist auch die Ähnlichkeit zwischen den Plakaten von „Der weiße Hai“, „Piranha“ und „Barracuda“ interessant). Wie dem auch sei, im mittlerweile hoffnungslos überfischten Tierhorrorgenre wird diese kleine '70er-Produktion sicherlich keinen Feinschmecker mehr an den Filetteller locken. Für Subgenre-Historiker und -Allesgucker ist „Barracuda“ möglicherweise dennoch eine willkommene Zutat auf der Meeresfrüchte-Pizza.

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